Der Volkswagenkonzern hat bei Emissionstests geschummelt und trägt nun die Konsequenzen.
Der Volkswagenkonzern hat bei Emissionstests geschummelt und trägt nun die Konsequenzen.
Doch auch andere Hersteller fallen unter Realbedingungen durch Grenzwertüberschreitungen auf. {jathumbnail off}
Wie glaubwürdig sind die Normwerte der Autoindustrie?
Stickoxid – der Sammelbegriff für gasförmige Sauerstoffverbindungen des Stickstoffs erlangt dieser Tage eine traurige Prominenz. Anfang September räumte Volkswagen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA eine Manipulation der Abgaswerte bei Dieselmotoren ein. Erst zwei Wochen später erfuhr auch die Öffentlichkeit: Der deutsche Vorzeigekonzern hat systematisch getrickst. Umweltfreundlich sind die Dieselfahrzeuge von WV nur auf dem Papier. Um den strengen Grenzwerten der Behörden gerecht zu werden, setzte der Konzern wissentlich auf eine manipulierende Software, die den Ausstoß schädlicher Stickoxide in Prüfsituationen drastisch senkt. Im Realbetrieb fallen die Fahrzeuge hingegen mit Emissionen auf, die geltende Grenzwerte um das 35-Fache übersteigen. Entsprechend groß war die Empörung bei Umweltschützern und Verbrauchern. Das "Dieselgate" erregte international Aufmerksamkeit und für die VW-Aktien begann eine Talfahrt. Doch der Konzern zeigt sich reumütig. VW-Chef Winterkorn nahm seinen Hut, eine umfassende Aufklärung wurde eingeleitet. Was bleibt sind Klagen, Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe und das ungute Gefühl, dass man es hier nicht mit einem Einzelfall zu tun hat. Der VW-Skandal sorgte für Aufregung. Doch wirklich überraschend kam er nicht. Dass Normverbrauch und Emission im Autokatalog nur wenig mit der Realität zu tun haben, weiß der Verbraucher schon lange. Und auch der Bundesregierung war dieser Umstand seit mindestens einem Jahr bekannt. In ihrer Antwort auf einen Mahnbrief der EU-Kommission räumte sie ein, dass "die derzeit in Verkehr kommenden Diesel-Pkw im realen Betrieb viel zu hohe Stickstoffoxidemissionen aufweisen."
Eine zu hohe Stickoxidbelastung der Luft mahnte die EU in insgesamt 29 deutschen Städten und Regionen an. Ein regulierender Eingriff auf politischer Seite blieb aus. Derweil zeichnet sich ab, dass Sickoxidemissionen nicht nur der VW-Chefetage schlaflose Nächte bereiten. Auch bei BMW kommt man langsam aber sicher ins Schwitzen. Grund dafür ist ein Straßentest des International Council on Clean Transportation (ICCT), bei dem die Diesel-Variante des X3 die europäische Abgasnorm um mehr als das Elffache überschritt. Den Testergebnissen zufolge, die Autobild exklusiv vorliegen, schneidet der BMW X3 xDrive 20d insgesamt sogar schlechter ab als der VW Passat, der den Abgas-Skandal in den USA ins Rollen gebrachte. Wie Autobild klarstellt, lassen die Ergebnisse des ICCT-Tests bislang jedoch weder eine Manipulationsabsicht des Konzerns noch das Vorhandensein einer Abschaltsoftware wie bei VW erkennen. Dennoch wird sich auch BMW künftig mit dem Thema Glaubwürdigkeit auseinandersetzen müssen. Der X3 ist mit 13.808 Einheiten allein im September 2015 einer der Verkaufsschlager der bayrischen Motorschmiede und zählt auch auf dem Gebrauchtmarkt zu den gefragten Modellen. Allerdings dürfte das Vertrauen der Pkw-Nutzer angeschlagen sein, wenn es darum geht, sich auf die Verbrauchs- und Abgaswerte der Hersteller zu verlassen.
"Automobile exhaust gas" by Ruben de Rijcke – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Commons.
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