Junge Mutter bekommt zweite Chance als Veranstaltungskauffrau

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Ohne perfekte Licht- und Tontechnik wagen sich Robbie Williams, AC/DC oder der Dalai Lama nicht vor ihr Publikum.

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Alle drei zählen zu den Kunden der Sirius Showequipment AG. Das Unternehmen aus Niederdorfelden stemmt die Veranstaltungstechnik für Musiker, Politiker oder Wirtschaftsgrößen und sorgt dafür, dass Konzerte, Messen und Aktionärsversammlungen reibungslos über die Bühne gehen. Emotionen erlebbar machen – so lautet das Credo der Eventprofis.

Melek Soykan lernt hier seit letzem Herbst Veranstaltungskauffrau. Die 32-Jährige drückt allerdings den Altersdurchschnitt in der Berufsschule etwas nach oben. Sie blickt trotz eines sehr guten Schulabschlusses auf ein bewegtes Berufsleben zurück: Die alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Sohnes hat eine Ausbildung zur Arzthelferin abgebrochen, war als Assistentin, Verkäuferin, Küchenhilfe und Reinigungskraft tätig und drei Jahren arbeitslos.

„Ich wollte immer arbeiten“ so Soykan „aber mir fehlte im Beruf der rote Faden und natürlich war auch die Kinderbetreuung bei der Jobsuche eine Hürde.“ Doch gerade Alleinerziehende bieten ein großes Potential für den Arbeitsmarkt, betont Michael Krumbe, Vorstand des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA). Daher sei es eine zentrale Aufgabe, diese oft gut ausgebildeten Kräfte zu mobilisieren und Hindernisse aus dem Weg zu räumen.

Darum kümmert sich unter anderem Lívia Hergár, Fallmanagerin im KCA. Sie begleitet die junge Deutschtürkin schon seit einigen Jahren: „Frau Soykan brauchte in dieser Phase Orientierungshilfe, deswegen habe ich ihr eine passende Qualifizierungsmaßnahme vorgeschlagen“. Karrierestart mit Kind ist ein gemeinsames Angebot des Main-Kinzig-Kreises, des Kommunalen Centers für Arbeit und der Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung, welches sich zum Teil aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.

Ziel ist es, arbeitslosen, alleinerziehenden Müttern bei der beruflichen Standortbestimmung zu helfen und ihnen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu ebnen. „Hier habe ich andere Frauen getroffen, die in der gleichen Situation waren wie ich“, berichtet Soykan. „Unsere beiden Referentinnen haben uns Mut gemacht und in allen Belangen unterstützt“, schildert die Maintalerin ihre Erfahrungen. Im Rahmen von Karrierestart mit Kind absolvierte sie ein Praktikum bei ihrem späteren Ausbildungsbetrieb.

„Melek war vom ersten Tag an hochmotiviert bei der Sache, sie hat sich schnell für eine Ausbildung empfohlen“, lobt Tom Schneider, Marketingleiter bei Sirius. „Als Mittelständler fühlen wir uns auch sozial verantwortlich“, führt er weiter aus. Dass jemand alleinerziehend sei, dürfe doch heute kein KO-Kriterium mehr sein.

„Arbeitgeber sollten sich nicht länger vor gesellschaftlichen Realitäten verschließen“, fordert Schneider. Sirius verlange branchenbedingt eine hohe Flexibilität von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da sei es im Gegenzug nur konsequent, wenn die Firma auch gegenüber ihren Arbeitnehmern flexibel sei, formuliert er seine Überzeugung.

Foto (von links): KCA-Fallmanagerin Lívia Hergár, Melek Soykan und Tom Schneider, Marketingleiter der Sirius Showequipment AG.


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