Brutwände für einen fliegenden Edelstein

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2018 startete die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) ein ornithologisches Artenschutzprojekt zur Rettung des Eisvogels an der hessischen Kinzig und restaurierte inzwischen mehr als zehn Steilufer.

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Eisvögel sind das Symbol für naturnahe Gewässer. Langsam fließende Bäche oder Flüsse mit reichem Fischbestand und guten Sichtverhältnissen sind ihr Lebensraum. Als „Stoßtaucher“ ernähren sich Eisvögel hauptsächlich von Fischen, aber auch von Wasserinsekten, deren Larven, Kleinkrebsen und Kaulquappen. Auch wenn ab und zu ein „fliegender Edelstein“, wie der Eisvogel wegen seines bunten Federkleids genannt wird, an der unteren Kinzig gesichtet wird: Untersuchungen der GNA zeigten, dass nur wenige Uferwände den hohen Ansprüchen der streng geschützten Vögel genügen. Als Erdhöhlenbrüter graben sie mit ihrem Schnabel eine fast ein Meter lange, leicht ansteigende Höhle in eine senkrechte Uferböschung, an deren Ende sie einen erweiterten Nestkessel anlegen.

Wenn kalte Winter zum Verhängnis werden
Der Eisvogel lebt ganzjährig in Deutschland und bleibt im Winter in der Nähe seines Gewässers. Wie überall, schwankt auch im Main-Kinzig-Kreis der Bestand sehr stark. Während nach milden Wintern mitunter bis zu 20 Brutpaare im Kreisgebiet und in der Bulau von Hanau überleben, zählen Ornithologen nach sehr harten Wintern regelmäßig weniger als fünf Brutpaare. In der Roten Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Hessens von 2014 steht der Eisvogel auf der Vorwarnliste. In dieser Kategorie sind die Arten zu finden, die merklich zurückgegangen, aber aktuell noch nicht stark gefährdet sind. Allerdings wird bei Fortbestehen von bestandsreduzierenden Einwirkungen schon in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ wahrscheinlich. Nach Expertenmeinung sind solche Bestände unbedingt „im Auge zu behalten“.

„Außerdem sollen durch Schutz- und Hilfsmaßnahmen weitere Rückgänge verhindert werden. Denn die enge ökologische Bindung vieler gefährdeter Vogelarten an wenige, aber hochspezifische Habitattypen erfordert den konsequenten Erhalt ihres jeweiligen Lebensraumes. Für den Eisvogel sind das in erster Linie die natürlich ausgeprägten Gewässerufer.“ berichtet die GNA-Biologin Susanne Hufmann.

An der Kinzig finden sich die Brutplätze vom Oberlauf bei Schlüchtern bis zum Mittellauf auf der Höhe von Gründau. Im Unterlauf werden nur ganz selten Brutpaare beobachtet. Dies wurde leider durch die Kartierung der GNA bestätigt, denn entlang der untersuchten Strecke konnten nur zwei aktive Brutplätze entdeckt werden, einer davon im Wurzelteller eines Baumes. Allerdings gab es auch einige Uferwände, die verwaiste Eisvogelbrutröhren aufwiesen.

Was bisher geschah
Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen kartierten vom Kanu aus eine 22 km lange Flussstrecke zwischen dem Flugplatz Gelnhausen und dem Rückinger Wehr in Erlensee. An drei Tagen erfasste das Team alle Uferwände, die für eine Eisvogelbrut in Frage kommen. Insgesamt untersuchte die GNA 113 Steilwände. Anhand von 592 Fotos und der erhobenen GPS-Koordinaten wurden 35 Steilwände für Maßnahmen ausgesucht.

Vorbereitung eines Comebacks
Durch einen Gewinn bei der Umweltlotterie GENAU und mit finanziellen Mitteln aus dem Umweltfonds der Fraport AG ging es im zeitigen Frühjahr 2019 ans Werk, um das Comeback des Eisvogels vorzubereiten: Uferwände, die durch Erosion Abbrüche und Vorsprünge aufweisen, bergen die Gefahr, nach Beute suchenden Waschbären oder Mardern als Aufstiegshilfe zu dienen. Hier kamen Motorsense, Kettensäge und wenn möglich ein Spezial-Kleinbagger zum Einsatz, der die Wände senkrecht abgrub. Manche Steilwände waren mit weniger Arbeitsaufwand herstellbar, wenn sie nur mit Vegetation bewachsen waren, die fachmännisch zurückgeschnitten werden konnte. Der Hessische Rundfunk stellte in einem mehrminütigen Beitrag am 1. Februar 2019 in der Sendung "alle wetter!" das Projekt "Das Comeback der Eisvögel" vor, anzusehen unter https://www.gna-aue.de/presse/tv-radio/.

Im März 2020 unterstütze die GNA das Forstamt Hanau-Wolfgang bei der Wiederherstellung von Brutwänden an Kinzigabschnitten in Langenselbold. Nach Rückgang des Frühjahrshochwassers gestaltete man mit Hilfe eines Baggers an geeigneten Steilhangbereichen zehn senkrechte Nistwände. Der besondere Clou: Auch hier wurden im Durchmesser einer Nisthöhle künstliche Bohrungen angebracht, die den Eisvogel zum Höhengraben animieren sollen. In der Reihe "Artenschutz am Gewässer" erschien nun ein neues Faltblatt. Wer mehr über den "fliegenden Edelstein" und das Brutwände-Projekt an der Kinzig erfahren möchte, kann das Faltblatt ab sofort kostenlos bestellen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 06184 99 33 797. Sollte eine Gelegenheit zur Auslage bestehen, können auch mehr Exemplare angefordert werden.

Wer das Eisvogelprojekt an der Kinzig unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf das Konto mit der IBAN: DE75 5066 3699 0001 0708 00 bei der Raiffeisenbank Rodenbach bewerkstelligen. Spenden an die gemeinnützige Organisation sind steuerlich absetzbar. „Zu Beginn des Folgejahres übersenden wir Ihnen eine Spendenquittung mit Ihren Zuwendungen eines Jahres. Dies spart Zeit und Porto. Und so kommt noch mehr Geld unseren Natur- und Artenschutzprojekten zugute. Sollten Sie allerdings sofort eine Quittung wünschen, rufen Sie uns einfach an oder mailen Sie uns.“, erläutert Schatzmeister Günter Könitzer abschließend. Mehr Informationen unter www.gna-aue.de.

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