Was früher noch lange Wartezeiten oder persönliches Erscheinen erforderte, kann heute mit einem Klick erledigt werden. Die digitale Antragsstellung für den Führerschein war Mitte 2020 ein großer Meilenstein in der Region Mainz-Kinzig. Aber hat sich die digitale Integration durchgesetzt?

Wenn Ämter und Behörden auf digitale Erneuerungen setzen, herrscht bei den Deutschen Skepsis. Es geht um die Frage, wie sicher Daten sind, ob der Datenschutz ausgereift ist und wie die Daten gespeichert werden. Als 2010 der Personalausweis im Scheckkartenformat eingeführt wurde und das Ausweisen im Internet ermöglichte, ging ein Raunen durch die Republik. Zwar fand die Idee großen Zuspruch, doch in der Nutzung zeigten sich die Bürger sehr verhalten. Dass biometrische Daten durch Schnittstellen und Übertragungswege an Flughäfen oder online zur Konteneröffnung genutzt werden können, war unbekanntes Neuland. {jathumbnail off}

Mehr als zehn Jahre später ist diese Zukunftsvision Realität geworden. Erneuerte Personalausweise werden nur noch in Scheckkartenformat ausgegeben und die anfängliche Scheu wich dem Alltag. Ein Verweigern ist unnötig, da wohl oder übel neue Wege gegangen werden müssen, um die Entwicklung und Vereinfachung von Prozessen voranzutreiben. Die digitale Antragsstellung für den Führerschein ist eines dieser Projekte.

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Quelle: Pixabay

Langsame Annäherung

Seit 2019 hat sich das Hessische Verkehrsministerium vorgenommen, den Großteil der Geschäftsvorgänge, die für den Führerscheinantrag infrage kommen, zu digitalisieren. Schritt für Schritt wurden die Kommunen und Gemeinden auf diese veränderte Arbeitsweise vorbereitet. 2021 wurde der Kreis Mainz-Kinzig angebunden. Doch die Nachfrage lief schleppend an und eine rege Nutzung des neuen Serviceangebots war kaum zu verzeichnen.

Was für die Behörde ein echter Gewinn wäre, aufgrund vereinfachter Prozesse, ist für die Bürger noch immer eine unbekannte Form der Interaktion. Wenn es um persönliche Daten geht, ist der Deutsche vorsichtig. Dabei sind Zeitersparnis, Bestätigungen und E-Payment ein Vorteil, der schon bei anderen Branchen erfolgreich zur Nutzung kommt. Online Shopping umfasst eine ähnliche Abfrage der Daten und erfreut sich – im Gegensatz zu behördlichen Anträgen – großer Beliebtheit.

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Kampagne zur Aufklärung

Zur Freischaltung der digitalen Antragsstellung begleitete eine mediale Kampagne den Launch. Mit Plakaten und Werbeschaltungen wurde auf die neue Möglichkeit im Mainz-Kinzig-Kreis aufmerksam gemacht. Mit 80 Anträgen innerhalb von vier Monaten blieb der große Run aus, doch die Verantwortlichen zeigten sich dennoch zufrieden. Es braucht Geduld und Zeit, um den Bürger zu überzeugen. Dennoch steigt die Nachfrage und Nutzung seit vergangenem Jahr langsam aber beständig an.

Ein weiterer Grund für zögerliche Nutzung könnte das Überwinden zweier Hürden sein. Um die Antragsstellung erfolgreich abzuschließen, müssen Nutzer einen onlinefähigen Personalausweis besitzen sowie ein NFC-fähiges Lesegerät. Hierbei kann es sich um ein externes Gerät als auch ein entsprechend ausgestattetes Handy handeln. Ersteres wird wohl kaum ein Bürger sein Eigen nennen können, während Besitzer eines Smartphones oft nicht wissen, dass ihr Mobilgerät diese Ausstattung besitzt. Skandinavische Länder haben in diesem Bereich einen deutlichen Vorteil geschaffen: Mit der Sozialversicherungsnummer lassen sich Bankkonten eröffnen, Anträge stellen oder sogar Melderegistrierungen vornehmen. Alles über eine Nummer! Eine Idee, von der Deutschland noch weit entfernt scheint. Bis diese bereits existierenden Vorbilder auf die heimischen Bedürfnisse angepasst werden, wird wohl noch viel Zeit vergehen.


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