Zeitenwende in der Landwirtschaft

Dr. Helmut Steiner besucht die Firma Paltech bei München. (c) GNA

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Die einheimische Herbstzeitlose, wissenschaftlich Colchicum autumnale, ist eine seltsame Schönheit.

Im Gegensatz zu anderen Pflanzen blüht sie erst im Spätsommer. Wenn diese Pflanzen im Frühjahr blühen, treibt die Herbstzeitlose Blätter und Fruchtstände aus. In der Zeit da-zwischen geht sie in die Sommerruhe und ist nicht sichtbar. Das gleiche gilt für die Zeit ihrer Winter-ruhe von November bis etwa Februar.

Diese antizyklische Lebensweise macht sie sehr widerstandsfähig. Extreme Trockenheit oder auch langanhaltende Hochwässer scheinen ihr nichts anhaben zu können. Hinzu kommt, dass die Knolle des Zwiebelgewächses mit jedem Jahr tiefer in den Erdboden eindringt, dass sich Tochterknollen bilden und so unterirdisch zu einer weiteren Vermehrung beitragen.

Landwirtschaft und Naturschutz vereint ein gemeinsames Ziel
Somit ist die Herbstzeitlose, die im unteren Kinzigtal in großen, lokalen Beständen auftritt, ideal an die Bedingungen einer extensiven und naturverträglichen Grünlandnutzung angepasst. Das macht ihre Bekämpfung sehr schwierig. Denn was im Herbst ein hübscher Anblick ist, ist für den wirtschaftenden Landwirt ein großes, wenn nicht sogar existentielles Problem. Der Grund: Die Pflanze ist hochgiftig. Mit Blättern, Fruchtständen oder Samen kontaminiertes Heu ist für die Viehversorgung nicht nutzbar. Auch der Silage-Prozess, der durch Gärung das Mähgut konserviert, beeinträchtigt das Toxin Colchicin nicht. Eine Aufgabe der bewirtschafteten Flächen kommt aber nicht in Frage. Womit sollen in den Winter-monaten Rinder und Pferde gefüttert werden, wenn auf den Grünlandflächen in der Kinzigaue nichts mehr wächst? Außerdem wäre eine Verbuschung der wertvollen Wiesen ein herber Verlust für den Natur- und Artenschutz. Ist es doch die Bewirtschaftung durch den Landwirt, der diesen Lebensraum für eine Vielzahl auentypischer Pflanzen und Tieren erst ermöglicht. Denn Mähwiesen sind ein schützenswertes Habitat, die, wie der Name schon andeutet, regelmäßig gemäht und gepflegt werden müs-sen.

Leitfaden veröffentlicht
Seit 2015 versucht die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung in Zusammenarbeit mit betroffenen Landwirten, Behördenvertretern und anderen Fachleuten Methoden zur Zurückdrängung der Herbstzeitlosen zu entwickeln, die mit den Zielen des Naturschutzes vereinbar sind. Die bisherigen Ergebnisse finden sich in einem kürzlich veröffentlichten Leitfaden wieder, der neben Informationen zur Biologie und Rückdrängung auch mit Handlungsempfehlungen für die Landwirtschaft aufwartet.

Die Broschüre ist auf Anfrage kostenlos erhältlich: 06184 – 99 33 797 und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Pilotprojekt unter neuer Leitung
Das Folgeprojekt, ebenfalls gefördert vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, geht in diesem Jahr unter einer neuen Projektleitung in eine neue Phase. Dr. Helmut Steiner, Biologe aus Hanau, wird die Bemühungen der GNA und der beteiligten Land-wirte für die nächsten fünf Jahre koordinieren. Steiner promovierte in Frankfurt, leitete viele Jahre die Geschäftsstelle der „Arbeitsgemeinschaft für Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen e.V.“ und arbeitet ehrenamtlich im Fledermaus- und Quellenschutz. Bei der GNA übernimmt er nun das Manage-ment zur „Rückdrängung der Herbstzeitlosen aus extensiv genutztem Grünland mit innovativen, naturverträglichen Methoden“, das die GNA im Rahmen des Hessischen Programms für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) durchführen wird.

Neben herkömmlichen Methoden wie Festmist-Düngung sollen erstmals ganz neue Wege beschritten werden. In Zusammenarbeit mit der Freisinger Firma Paltech, die autonome Roboter zur Unkrautbekämpfung entwickelt, sollen die Möglichkeiten einer automatisierten mechanischen Bekämpfung er-probt werden. „Letztendlich wollen wir damit eine bewährte Methode aus dem letzten Jahrhundert – das Ausziehen oder Ausstechen der Herbstzeitlosen in Handarbeit – in eine moderne, heutzutage leistbare und praktikable Methode überführen.“, erläutert Steiner.

Seit beinahe 20 Jahren setzt sich die GNA für die Natur und Artenvielfalt im Kinzigtal ein. Zur Unterstützung ihrer wichtigen Projekte bittet die Naturschutzorganisation um Spenden auf das Konto IBAN: DE 75 5066 3699 0001 0708 00 bei der Raiffeisenbank Rodenbach. Da die GNA gemeinnützig ist, kön-nen Spendenbescheinigungen ausgestellt werden. Übrigens: Auch Patenschaften helfen, die biologische Vielfalt in den Auen an der Kinzig zu bewahren. Mehr Infos unter www.gna-aue.de.

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Dr. Helmut Steiner besucht die Firma Paltech bei München. (c) GNA

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Die Herbstzeitlose im Frühjahr. (c) GNA

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Der Lebensraum Wiese soll langfristig geschützt werden. (c) GNA


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