Wer in der Region Main-Kinzig ein Haus oder Eigentumswohnungen besitzt, freut sich zwar über stetig steigende Werte seines Grundvermögens. Doch zugleich bereiten die stark anziehenden Preise für Wärme oder Strom zunehmend Kopfzerbrechen. Abhilfe schafft da nur ein deutliches Plus bei der Energieeffizienz. Doch wie sieht der richtige Fahrplan dafür aus – und auf welche finanzielle Hilfe für die teils sehr teuren Umbaumaßnahmen können sich Immobilienbesitzer aus unserer Region stützen?
„Lage, Lage, Lage“ – Generationen deutscher Immobilieneigentümer sind mit diesem Lehrsatz großgeworden. Heute ist er zwar nicht falsch, aber in dieser Verkürzung längst nicht mehr zeitgemäß. Denn die Immobilie in bester Lage verliert massiv an Wert, wenn die Stuckdecke zur Kältebrücke wird, wenn es durch Türen und Fenster zieht oder im Keller ein Gas- oder Ölkessel aus den Siebziger- oder Achtzigerjahren wummert. Das neue Gebot für Immobilien lautet daher „Lage, Lage, Energieeffizienz“.
Sanieren – aber richtig: Wie Eigentümer mit Plan und Förderung ans Ziel kommen
Wer seine Immobilie energetisch sanieren will, steht vor vielen grundlegenden Fragen: Wie und wo anfangen? Welche Maßnahmen bringen den größten Effekt? Und wie lässt sich alles so timen, dass Aufwand, Kosten und Nutzen im besten Verhältnis stehen?
Klar ist: Ohne Fachwissen wird’s schwierig. Die Materie ist komplex, die Details oft tückisch. Genau deshalb unterstützt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit Sitz in Eschborn Eigentümer mit einem Zuschuss zur professionellen Energieberatung – dem sogenannten individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). „Eine Energieberatung für Wohngebäude soll Eigentümer, Mieter und Pächter sowie Nießbrauchsberechtigte bei der Entscheidung unterstützen, wie die Energieeffizienz eines Wohngebäudes sinnvoll verbessert werden kann. Die Energieberatung leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der Ziele des Klimaschutzes“, heißt es auf der Website der Eschborner Wirtschafts- und Klimaförderer.
Die BAFA übernimmt in der Spitze 50 Prozent der Beratungskosten. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sind das bis zu 650 Euro, bei größeren Wohngebäuden bis zu 850 Euro. Eigentümergemeinschaften erhalten zusätzlich 250 Euro, wenn die Ergebnisse auf der Eigentümerversammlung vorgestellt werden – idealerweise im Beisein des Energieberaters.
„Die Energieberatung ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz“, sagt der Immobilienexperte und Energieberater André Heid. Der Antrag auf Förderung läuft digital über das BAFA-Portal – wichtig: Er muss vor Beginn der Beratung gestellt werden. Nachträglich gibt es kein Geld. Die Bearbeitungszeit liegt laut BAFA aktuell bei rund zwei Wochen.
Sanieren nach Plan – und „bestmöglich“ Schritt für Schritt
Der iSFP zeigt auf, wie ein Gebäude über Jahre hinweg in Etappen energetisch optimiert werden kann – oder wie es durch eine Komplettsanierung das Niveau eines Effizienzhauses erreicht. Entscheidend ist die Reihenfolge der Maßnahmen. Nur Profis können beurteilen, was wann sinnvoll ist. Das Prinzip dabei lautet: „bestmöglich“. Das bedeutet in der Praxis: Jeder Sanierungsschritt soll so ambitioniert wie möglich geplant werden – es sei denn, bauliche, rechtliche oder wirtschaftliche Gründe sprechen dagegen. Diese müssen im Plan nachvollziehbar dokumentiert sein.
Damit der iSFP förderfähig ist, gelten klare Vorgaben:
- Für jedes Bauteil mit unzureichendem Wärmeschutz (dem sogenannten U-Wert) braucht es einen Sanierungsvorschlag.
- Ist die Heizungs- oder Anlagentechnik älter als zehn Jahre, sind konkrete Empfehlungen Pflicht.
- Fehlt bislang eine Nutzung erneuerbarer Energien für die Wärmeerzeugung (mindestens 65 Prozent), muss auch hier ein Vorschlag her.
Wer also energetisch modernisieren will, braucht einen Plan – und am besten professionelle Hilfe.
Der Staat fördert nicht nur den iSFP, sondern auch nach Kräften die Sanierung selbst. Führend ist hier die in Frankfurt am Main residierende Förderbank KfW. Für eine energetische Sanierung können Interessierte nach aktuellen Angaben des Verwaltungsportals Hessen bis zu 30.000 Euro Zuschuss pro Wohneinheit erhalten.
Für folgende Maßnahmen gibt es eine Förderung: Komplettsanierung eines Gebäudes zum sogenannten KfW-Effizienzhaus, für die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen und Geschossdecken, für neue Fenster und Außentüren, für das Erneuern und Einbauen einer Lüftungsanlage oder das Erneuern und Optimieren von Heizungsanlagen, die älter als zwei Jahre sind.
Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Art und den Kosten der Sanierung. Wichtig: Vor Beginn der Maßnahmen muss ein Energieeffizienz-Experte die geplanten Maßnahmen bewerten. Nach Abschluss der Sanierung bestätigt er die Umsetzung. Energieeffizienz hoch, Emissionen runter und das dank smarter Förderung zu vertretbaren Kosten: Wer beim individuellen Sanierungsfahrplan und bei der folgenden Sanierung mit professionellen Energieberatern und Handwerkskönnern kooperiert, ist auf der sicheren Seite.
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