In wenigen Wochen kommt eine neue Generation junger Biber zur Welt. Was die Tiere im Main-Kinzig-Kreis erwartet, ist allerdings alles andere als ein sorgenfreies Leben, berichtet die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA).
Der Eurasische Biber (Castor fiber) ist der größte europäische Nager. Mit bis zu 30 kg Körpergewicht und einer Körperlänge von 80 bis 130 cm ist er ein Tier, das seinen Lebensraum aktiv gestaltet, Burgen und Dämme baut und in der Lage ist, Wasser anzustauen. „Das macht er nicht, um uns zu ärgern, sondern weil es in seiner Natur liegt.“ so die Vorsitzende der GNA, Susanne Hufmann.
Biber waren seit dem 19. Jahrhundert in Hessen ausgerottet, bis sie Ende der 1980er Jahre im hessischen Spessart wiederangesiedelt wurden. An Sinn und Jossa setzte man damals 18 „Elbebiber“ aus. Deren Ansiedelung glückte sofort. „Seitdem ist der Main-Kinzig-Kreis das Hauptausbreitungsgebiet für Hessen und Bayern. Mit der erfolgreichen Wiederansiedlung begannen aber auch die Konflikte mit den neuen Bewohnern der Auen – uns Menschen.“
Von Beruf Holzfäller und Wasserbauingenieur
Aus Ästen und Zweigen, die bis zu einem Meter lang sein können, bauen die an das Leben an Wasser bestens angepassten Säugetiere Dämme, die sie mit Schlamm und Pflanzenteilen abdichten. Sie stauen kleine Bäche und Gräben auf, bis ein „Bibersee“ entsteht. Erst ab einer Wassertiefe von 80 cm und mehr beginnt der Burgenbau. Denn der Eingang muss unter Wasser liegen, um bei Gefahr schnell abtauchen zu können. Da Gewässer im Winter nicht bis zum Grund zufrieren, erreichen Biber auch dann noch ihre Nahrungsvorräte. In der Zeit, in der die Natur nichts Frisches zu bieten hat, sind sie auf Baumrinden angewiesen. In der kalten Jahreszeit fällen sie vor allem Gehölze - am Gewässer meist Weiden – um nicht zu verhungern.
Bemerkenswerte Lebensweise
Biber halten keinen Winterschlaf, sind dämmerungs- und nachtaktiv und ernähren sich ausschließlich vegetarisch. Sie leben monogam und in Familienverbänden. Die Elterntiere bewohnen mit den letzten beiden Jungtiergenerationen ein Revier, das sie mit einem körpereigenen Sekret markieren.
Geschlechter äußerlich kaum zu unterscheiden
Mit 25.000 Haaren pro Quadratzentimeter ist das braune Fell besonders dicht. Nur der breite, abgeplattete Schwanz, Kelle genannt, ist mit einer lederartigen Haut bedeckt und unbehaart. Die Schneidezähne sind groß, scharf und wachsen ein Leben lang nach! Biber haben kleine Vorderpfoten, mit denen sie ihre Bauwerke errichten, aber große Hinterfüße mit Schwimmhäuten, die als Paddel dienen.
Spuren der tierischen Landschaftsgestalter sind im Kinzigtal nicht zu übersehen
„Ebenso wenig und immer mehr sind aber auch die Spuren von Eingriffen und Verfolgung durch den Menschen nicht zu übersehen.“ kritisiert Günter Könitzer in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der GNA. Dazu zählt der engagierte Artenschützer vor allem das Einreißen von Dämmen, das Ablassen von Biberseen oder Störungen am Bau. „Was die wenigsten wissen ist, dass Wildtiere in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich streng geschützt sind. Das gilt auch für den Biber.“
Gegen Vorurteile hilft nur sachliche Information
Auch europaweit steht der Biber unter Schutz. Grundlage dafür ist die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Jede Art von Nachstellung oder die Zerstörung seiner Lebensstätten ist verboten. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen, Bußgelder oder Ersatzleistungen für entstandene Schäden in zerstörten Biberlebensräumen. „Soweit sollte man es erst gar nicht kommen lassen“, meint Könitzer. Schließlich gibt es immer Lösungen. Praktikabel wäre zum Beispiel die Anlage von zehn Meter breiten Uferrandstreifen auf beiden Seiten eines Gewässers, die zeitweilige Überschwemmungen problemlos überstehen. Kommunen könnten hierfür die Pacht betroffener landwirtschaftlicher Flächen reduzieren oder ganz erlassen. So profitieren Landwirte, Kommunen und die Natur gleichermaßen.
Fleißiger Biber hilft zum Nulltarif
Auen sind ihr natürlicher Lebensraum. Sie besiedeln fließende und stehende Gewässer und bevorzugen Ufer mit dichter Kraut- und Weichholzvegetation. Durch ihre Bautätigkeit schaffen sie mit großer Kreativität und Ausdauer Kleingewässer, Totholzstrukturen und ganze Feuchtgebiete.
Fast über Nacht und ganz ohne Baugenehmigung entstehen Lebensräume, die vielen seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten zugutekommen. „Da wo viel Geld und Energie für Renaturierungen und den Erhalt der Biodiversität aufgewendet werden müsste, hilft uns der alteingesessene Auenbewohner zum Nulltarif. Das ist ein großer Gewinn für die Biodiversität und natürlich für uns!“, so Könitzer abschließend.
Neues Faltblatt: Den Biber hautnah erleben!
Die GNA erklärt anschaulich, wie der Biber lebt und welche Bedeutung er für unsere Natur hat. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis für den geschützten Auenbewohner zu schaffen. Das Faltblatt ist ab Mitte April kostenlos erhältlich unter 06184 – 99 33 797 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Auf Wunsch können auch mehrere Exemplare angefordert werden.
Naturschutz aktiv unterstützen
Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA e. V.) engagiert sich für den Schutz von Natur und Artenvielfalt – und alle können dabei helfen: Spenden unterstützen konkrete Naturschutzprojekte und sind steuerlich absetzbar. Die Bankverbindung lautet: Raiffeisenbank Rodenbach, IBAN: DE75 5066 3699 0001 0708 00. Mehr Informationen zu Projekten, Aktionen und Veranstaltungen unter www.gna-aue.de. Oder den kostenlosen Newsletter abonnieren über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (jederzeit an- und abmeldbar).
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