Was dem Wolf recht ist, ist für Bären billig

Vogler
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Rotkäppchen und der böse Wolf, dieses Märchen hat seit Generationen hierzulande die Einstellung von Menschen gegenüber diesem Raubtier geprägt.

Dabei kommt der „Isegrim“ was so viel wie aus îsen ‚Eisen' und grînen ‚knurren' bedeutet. als Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs und Kraft, Rücksichtslosigkeit, Gier, Grimmigkeit, Bösartigkeit, aber auch Tölpelhaftigkeit nicht besonders gut weg. Unbestritten ist die Tatsache, Wölfe jagen im Rudel und galten bis vor wenigen Jahren hier als ausgestorben.

Dies nicht allein wegen der Bejagung. Wolfrudel brauchen ein weitläufige Jagdreviere. Dies steht heute in unseren Breiten nicht mehr zur Verfügung. Vor allen Dingen ist dies der engen Besiedlung geschuldet. Dessen ungeachtet, ist die Spezies Wolf insgesamt nicht vom Aussterben bedroht. In Osteuropa beispielsweise ist bei deutlich dünnerer Besiedlung ein bestandserhaltender Lebensraum vorhanden. Hier existieren auch die natürlichen Feinde der Wölfe, Bären beispielsweise, aber auch Adler, die sich an den Wolfs-Welpen gütlich tun.

Den Wolf als Raubtier hier wieder anzusiedeln, mag ein Wunschtraum von Umweltschützern mit der Begründung von „natürlichem Lebensraum“ sein. Dieser naturbelassene Raum existiert in Mitteleuropa so nicht mehr. Dies mag man bedauern, die Zeit lässt sich allerdings nicht mehr zurückdrehen. Nicht bedacht werden oft auch die logischen Konsequenzen, die sich durch die Neuansiedlung von Wolfsrudeln ergeben. Was dem Wolf recht ist, ist für Bären billig.

Das Jäger und Landwirte der Wolfsansiedlung kritisch gegenüber stehen, ist verständlich, die Motive sind aber sehr unterschiedlich. Während die Jäger in erster Linie um ihre Beute bei der Jagd auf Rotwild fürchten, geht es bei den Bauern oft um das wirtschaftliche Überleben. Schafzucht in unmittelbarer Nachbarschaft von Wolfsrudeln oder Einzeltieren macht keinen Sinn. Das beginnt bei der Einzäunung großer Flächen und endet nicht zuletzt bei Verlust von Tieren durch Wolfsriss. Außerdem hat die Erfahrung gezeigt, der Wolf richtet oft ein Blutbad in der Schafherde an, und dies durchweg nicht zur Befriedigung des Hungers. So gesehen ist der Kommentar des Gelnhäuser Tierarztes, Dr. Michael Weiler, durchaus zutreffend: Es ist nicht nachvollziehbar, darum man für die nicht vom Aussterben bedrohte Tierart Wolf alle Errungenschaften der tierwohlgerechten Weidetierhaltung über Bord werfen soll“. Wolfsrudel und weitläufige Weiden sind Gegensätze, die wir in unserer Gesellschaft mit dichter Besiedlung nicht auflösen können.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (70) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2011 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.

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