Cancel Culture – was ist das?

Vogler
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Bei Cancel Culture geht es nach Angaben des Publizisten Gunnar Kaiser darum, mit Mitteln der Drohung, der Gewaltandrohung, tatsächlicher Gewalt, mit Mobbing oder Shitstorms Menschen unter Druck zu setzen, damit sie aus der Debatte gedrängt werden.

Unter Druck gesetzt werden oft Dritte, zum Beispiel Veranstalter, Verleger, Arbeitgeber oder Plattformen, um die Leute unmöglich zu machen, um die es eigentlich geht, ohne dass diese in den Diskurs direkt mit einbezogen werden. Was bei dem islamistischen Anschlag auf die Pariser Redaktion von Charlie Hebdo noch weltweit von einem Aufschrei der Entrüstung begleitet wurde, ist mittlerweile in abgemilderter Form „hoffähig“ geworden. Zu beobachten ist eine neue Qualität, so zum Beispiel, wenn Drohungen sich stark auf die Kunst und das Kabarett beziehen. Man dürfe bestimmte Filme nicht mehr zeigen, müsse Kunst abhängen oder dürfe Kabarettisten nicht mehr auftreten lassen oder man ändert Straßennamen und entfernt Denkmäler von ihrem seit vielen Jahren angestammten Platz.

Genau die Freiheit der Kunst, Meinungsfreiheit und die Präsentation von Filmen wurde gerade in Deutschland als „heilig“ gehalten. Gerade Satire darf vieles, und das wurde nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" doch hochgehalten. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Versuche der Einschränkung. Ein ehemaliger Bundesinnenminister wird von einer Uni ausgeladen, weil ein störungsfreier Veranstaltungsablauf nicht sichergestellt schien.

Selbst nach Auftritten von einem Künstler wie Dieter Nuhr kommt es zu Shitstorms übelsten Ausmaßes, weil er es gewagt hatte, Greta Thunberg satirisch aufs Korn zu nehmen. Bemerkenswert auch der Fall Lisa Eckhart. Gewiss, sie ist eine streitbare Kabarettistin, ihre Einschätzungen werden nicht von jedermann geteilt. Ein Auftritt der Kabarettistin wurde abgesagt, weil Nachbarn den Veranstaltern gesagt hatten, sie hätten Angst vor Protesten. Mehr war es nicht. Es gab keine Drohungen, keinen linken Mob - und trotzdem haben die Veranstalter in ihrer Absage den Begriff "Cancel Culture" untergebracht.

Damit verstärkt sich der Eindruck, wonach Cancel Culture zu einem Kampfbegriff wird, der letztendlich dazu dienen soll, unbequeme Meinungen mundtot zu machen.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (70) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2011 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.

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