Als noch Salatköpfe durch den Parlamentssaal flogen

Vogler
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Hans Rüger, der erste Landrat des 1974 aus der Taufe gehobenen Main-Kinzig-Kreises ist vor wenigen Tagen im stolzen Alter von 95 Jahren verstorben.

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Dies ist eine gute Gelegenheit, seine Persönlichkeit zu würdigen. Damals in den 70er Jahren war es mir vergönnt, als junger Kreistagsabgeordneter die „Geburtswehen“ des größten hessischen Landkreises hautnah mit zu erleben und auf diese Weise mit zu gestalten. Für alle Fraktionen in dem neuen Kreisparlament war es damals nicht leicht, die ersten notwendigen – aber zum Teil auch unpopulären – Schritte zu gehen. Das „Zusammenraufen“ beschränkte sich dabei nicht allein auf den Kreistag. Auch innerhalb der damals gewählten Fraktionen dominierte das Denken in den Kategorien der einst selbstständigen Kreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern sowie der Stadt Hanau, die ihre Eigenständigkeit ebenfalls aufgeben musste.

Hans Rüger, der Regierungschef an der Spitze des neuen Landkreises, übernahm kein leichtes Erbe. Ihn erwarteten mehrere Mammutaufgaben zur gleichen Zeit: Die Abfallbeseitigung war weitgehend ungeklärt, der größte hessische Landkreis verfügte über keinen einzigen Kilometer Autobahn, die finanzielle Situation des Kreises war höchst prekär und die Schulsituation war in den vier Kreisteilen höchst unterschiedlich. Hinzu kam, dass es zwischen CDU und SPD zu extrem scharfen Kontroversen kam. Eine Ursache war sicherlich in der Tatsache zu suchen, dass die Sozialdemokraten ihre seit Jahrzehnten gewohnten Mehrheiten verloren hatten und die Christdemokraten als „Regierungspartei“ zumindest im Raum Hanau und in Schlüchtern über wenig Erfahrung verfügten.

Vor diesem Hintergrund ist es eine besondere Leistung von Landrat Hans Rüger, der dieser neuen Gebietskörperschaft Leben eingehaucht hat und die sehr unterschiedlichen Strömungen kanalisiert hat. Das hat ihm zu seiner Amtszeit nicht nur Freundschaften eingetragen. Gegen seine Pläne zur Abfallbeseitigung beispielsweise regte sich heftiger Widerstand. Da gab es stürmische Debatten im Kreistag und Zeitgenossen erinnern sich vielleicht noch, wie Salatköpfe als Zeichen des Protestes durch den Parlamentssaal flogen. Diese harten Auseinandersetzungen sind Teil der Amtszeit von Hans Rüger und gehören der Vergangenheit an. Was bleibt ist die Trauer um und der Respekt für eine Persönlichkeit, die sich um unser Gemeinwesen ohne Zweifel verdient gemacht hat.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (70) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2011 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.

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