Die Diktatur der Ungeimpften

Vogler
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Es ist Herbst und das Corona-Virus greift mit aller Macht wieder in unser Leben ein.

Der aktuelle Stand der Dinge besagt, dass die Quote der ungeimpften Corona-Patienten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser um den Faktor 17 (!) höher ist, als die der Geimpften. Ein weiterer besonders wichtiger Aspekt wird von Wissenschaftlern und Medizinern herausgestellt: Wer komplett geimpft ist, bei dem ist im Fall des Falles ein wesentlich schwächerer Verlauf dieser tückischen Infektionskrankheit zu erwarten. Auch das bedeutet, Beschwerden können auftreten. Aber: das Risiko eines schweren respektive tödlichen Verlaufs ist deutlich geringer.

Mittlerweile steht auch nach dem holprigen Start der Impfkampagne ausreichend Serum zur Verfügung, um eine „Herdenimmunität“ zu erreichen. Mit anderen Worten, nur wenn rund 85 Prozent der Menschen in Deutschland erfolgreich geimpft sind, ist mit einer spürbaren Unterbrechung der Infektionsketten zu rechnen. Von diesem Wert sind wir allerdings sehr, sehr weit entfernt. Obwohl der Impfschutz kostenfrei angeboten wird, gibt es derzeit mehr als 30 Prozent „Impfverweigerer“. Sie leben nach dem Motto: „Mein Körper gehört mir und ich allein entscheide über meine Gesundheit.“ Dass die Freiheiten der gesamten Bevölkerung eingeschränkt werden muss, um eine Masseninfektion doch noch zu vermeiden interessiert dabei nicht. Viele Argumente, die ins Feld geführt, erinnern an längst vergangene, sehr dunkle Zeiten.

Ein Weiteres kommt hinzu: Die Geimpften müssen als Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung für das abstruse und rücksichtslose Verhalten der Impfverweigerer aufkommen. Zu leiden haben überdies die vielen Kranken, deren medizinisch notwendige Eingriffe verschoben werden müssen, weil Krankenhausbetten mit Corona-Patienten überfüllt sind. Dieses Verhalten kann man mit Fug und Recht als „Diktatur der Ungeimpften“ bezeichnen. Bislang hat das staatliche Gesundheitswesen noch keine adäquate Antwort auf dieses asoziale Verhalten entwickelt.

Offenbar muss erst eine fühlbare Kostenbeteiligung der Impfverweigerer im Infektionsfall her. Das bringt sicherlich nicht mehr Verständnis, wohl aber die Bereitschaft für die schützende Impfung. Bereits durch den Wegfall der kostenlosen Testung hat sich manch einer/eine dazu entschlossen, eine Impfung durchzuführen. Auf jeden Fall kann es nicht endlos weitergehen, dass sich eine Gruppe von Egozentrikern auf Kosten der Mehrheit einer vernünftigen Gesundheitsvorsorge verweigern. Auf jeden Fall sollten wir diese Menschen dann aber an den Kosten für ihr asoziales Verhalten beteiligen. Diesen politischen Mut muss die neue Ampelkoalition als eine erste Bewährungsprobe aufbringen.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (71) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker Living- und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.