Klimafrage darf keine Sozialfrage werden

Vogler
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Das Jahr ist noch (fast) neu. Die Themen, die die Menschen umtreiben, sind weitgehend die alten geblieben: Corona ist nach wie vor in aller Munde, passend dazu der Streit, ob Impfungen nun Pflicht werden sollen oder besser nicht. In der Außenpolitik sind viele Augen auf die russisch-ukrainische Grenze gerichtet, über Menschenrechte in China spricht kaum jemand und wenn doch, dann im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen.

In Anbetracht der winterlichen Jahreszeit geistern „Klima und Erderwärmung“ derzeit deutlich weniger durch die Schlagzeilen. Dafür ist es draußen einfach zu kalt. Dennoch rückt derzeit ein Fragenkomplex immer stärker in den Fokus: Die Kosten für eine auskömmliche Energieversorgung sind regelrecht explodiert. Deutlichstes Zeichen: Der Preis für einen Liter Heizöl nähert sich bedrohliche der „Ein-Euro-Grenze“. Damit müssen sich viele Menschen der Frage stellen: Warmes Essen oder warme Stube?

Dies betrifft insbesondere Rentner, deren Einnahmen festgeschrieben sind. Die Kosten für Heizung, elektrischen Strom und warmes Wasser sind für einen durchschnittlichen Bezieher von Ruhestandsbezügen neben der Miete für Wohnraum kaum noch zu stemmen. Erdrückend werden diese Kosten mittlerweile aber auch für Durchschnittsverdiener.

Einzig der Staat hat sich als Profiteur dieser rasanten Preisrallye entpuppt. Der Fiskus kann sich mit jedem verkauften Liter Heizöl, jedem Liter Treibstoff die Hände reiben und Mehreinnahmen verbuchen. Neben der CO2-Steuer schlägt schließlich obendrein die Mehrwertsteuer zu Buche, von weiteren Abgaben – wie Mineralölsteuer etc. – ganz zu schweigen. Zum Jahresbeginn ist die sogenannte CO2-Steuer erneut gestiegen. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat dies Heizöl und Diesel um 1,6 Cent pro Liter und Erdgas um 0,1 Cent pro Kilowattstunde verteuert, der Benzinpreis nimmt folgerichtig Kurs auf die „Zwei-Euro-Marke“. Und das alles ist bei weitem nicht allein auf die Rohölpreise zurückzuführen. So gesehen macht Agitation an Schulen für neue und immer tiefgreifendere Klimaschutzprojekte nur dann Sinn, wenn man dem Finanzminister neue Einnahmequellen eröffnen möchte. Es wäre sicherlich für Schülerinnen und Schüler einmal interessant zu untersuchen, wie einzelne soziale Gruppen mit den Auswirkungen eines offensiven, kostenintensiven Klimaschutzes im täglichen Leben zurechtkommen.

Damit stellt sich eine provokante Frage: Will Deutschland auf Kosten seiner sozial Schwachen, seiner Rentner und Geringverdiener das Weltklima retten? Auf jeden Fall ist die Regierung jetzt am Zuge. Es gilt zeitnah die am meisten beeinträchtigten sozialen Schichten fühlbar zu entlasten. Gelingt dies nicht, droht der viel beschworene weltweite Klimawandel hierzulande zu einer soziale Katastrophe zu mutieren. Um dies zu verhindern sind Entscheidungen erforderlich, die mit manch idealistischen Vorstellungen gründlich aufräumen.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn Töchter wohlhabender Familien mit missionarisch-pseudoreligiösem Eifer für eine vermeintlich bessere Welt demonstrieren. Wer über ein geringes Einkommen verfügt, für den wird die Welt erst dann wieder besser, wenn er im Winter ein behagliches, bezahlbares Zuhause hat und sich täglich eine warme Mahlzeit leisten kann.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (71) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere und nach Stationen als Redaktionsleiter und Mitarbeiter mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von vier Büchern arbeitet der gelernte Redakteur bis heute in Biebergemünd als "Freier Autor" für namhafte Fachpublikationen. Seine enge Verbundenheit zu den lokalen Medien hat er dabei nie verloren: Als Redakteur betreut er gegenwärtig das Mitarbeitermagazin "WIR" der Oikos-Gruppe (Bien-Zenker Living- und Hanse Haus) und leistet für mehrere Unternehmen in ganz Deutschland "Formulierungshilfe" für deren Öffentlichkeitsarbeit. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an. Partei und aktiver Politik hat er seit langem den Rücken gekehrt.