Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ein Zukunftsthema

Wetterau

Über 100 Besucherinnen und Besucher und aktiv Beteiligte konnten Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch und Kornelia Schäfer, Leiterin des Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit bei dem Infotag „Beruf und Pflege vereinbaren“ am vergangenen Donnerstag im Plenarsaal des Wetteraukreises begrüßen.

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Personalverantwortliche von Unternehmen und Verwaltungen waren ebenso vertreten wie pflegende Angehörige und ehrenamtlich Engagierte. Die Veranstaltung wurde vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit und den im Arbeitskreis Wiedereinstieg vertretenen Organisationen, wie der Agentur für Arbeit, Jobcenter Wetterau, RDW Wetterau, FAB Wetterau, VHS und Wirtschaftsförderung in Kooperation mit dem Pflegestützpunkt Wetterau vorbereitet.

„Um die Unterstützung von pflege- und hilfebedürftigen Menschen werden wir uns aufgrund der demografischen Entwicklung stärker kümmern müssen. Die Weiterentwicklung der Angebote und eine Erweiterung des Pflegestützpunktes Wetterau sind notwendig. Hier wäre ein Ausbau des Pflegestützpunktes im westlichen Teil des Wetteraukreises zum bestehenden Pflegestützpunkt in Büdingen sinnvoll“, so die Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch.

Diese Einschätzung konnte Dr. Cornelia Seitz von der Forschungsstelle des Bildungswerkes der Hessischen Wirtschaft anhand der statistischen Zahlen unterstreichen. Denn schon heute ist die Zahl der pflegebedürftigen Menschen mit rund 2,7 Millionen höher als die Zahl der Kinder unter drei Jahren mit rund 2 Millionen. Nicht nur die Zahl der zu pflegenden Menschen wird bis 2030 auf etwa 3,4 Millionen steigen, sondern auch die Pflegezeiten verlängern sich.

 „Der größte Pflegedienst ist die Familie, denn rund 75 Prozent pflegedürftige Menschen in Hessen werden zuhause versorgt und dies zu 73 Prozent von Frauen. Wir erleben zunehmend, dass Frauen, die nach der Kindererziehung noch einmal beruflich durchstarten wollen, dann mit der Pflege und Unterstützung von Angehörigen konfrontiert sind“, so Kornelia Schäfer.

Frauen sind heute wesentlich häufiger und länger berufstätig  als in früheren Zeiten. „In Zukunft ist immer weniger damit zu rechnen, dass Frauen und Männer ihre Erwerbsarbeit aufgrund von Pflegeverpflichtungen langfristig unterbrechen oder ganz aufgeben wollen oder können“, so Dr. Cornelia Seitz in ihrem Vortrag. Sie stellte die Hessische Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ vor, die kleine und mittlere Unternehmen zum Thema Pflege informiert und berät, um z.B. Angebote und gemeinsame Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege für pflegende Beschäftigte zu entwickeln. So werden im Rahmen der Initiative Pflege-Guides, das sind erste Ansprechpersonen im Unternehmen, geschult. Ihr Fazit: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist ein Zukunftsthema, das mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Alexandra Puchta von Hess Natur und Nadia Gabriel von der Schunk Group berichteten von ihren Erfahrungen als PflegeGuides und Verantwortliche für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in ihren Unternehmen. „Wichtig ist, dass das Thema im Unternehmen ein Gesicht hat und eine konkrete Person dafür ansprechbar ist“, so Nadia Gabriel.

„Vor allem sind es die flexiblen Arbeitszeiten, die Möglichkeit, auch zeitweise von zuhause zu arbeiten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege erleichtern“, berichtete Ingrid Kellner von der Kreisverwaltung des Wetteraukreises. Alle drei Unternehmen bieten Informationsveranstaltungen für pflegende Angehörige an und informieren zur Pflege. Damit signalisieren die Unternehmen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass das Unternehmen an einer guten Lösung zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege interessiert ist. Ohne Entlastung und Unterstützung von professionellen Pflegediensten oder anderen Alltagshilfen ist die häusliche Pflege oft nicht zu leisten.

Christina Keller und Armin Auth stellten den Pflegestützpunkt Wetterau vor, eine gemeinsame Einrichtung des Wetteraukreises und der Pflege- und Krankenkassen, die als Anlauf- und  Servicestelle unabhängig und kostenlos und auf Wunsch auch zuhause pflege- und hilfsbedürftige Menschen und deren Angehörige berät. Die Beratung rund um das Thema Pflege umfasst z.B. Informationen zu den Ansprüchen und Leistungen aus der Pflegeversicherung, Leistungen zur Verbesserung des Wohnumfeldes, wie zum Beispiel barrierefreie Umbauten, ambulante, teilstationäre und stationäre Betreuung. So gibt es Zuschüsse zur barrierefreien Gestaltung der Wohnung, des Bades oder zum Einbau eines Treppenlifts. Ebenso informierten sie über die Änderungen des Pflegestärkungsgesetzes, die Verbesserungen bei den Leistungen aus der Pflegeversicherung bringt, zum Beispiel im Bereich der zusätzlichen Betreuungsleistungen, wie Hauswirtschaftliche Hilfen, Einkaufs- und Fahrdienste.

Anschließend konnten sich die Besucherinnen und Besucher bei den ausstellenden Organisationen über Unterstützungsangebote bei der Pflege informieren. Als Ambulanter Pflegedienst war die Sozialstation Ortenberg und der Pflegedienst Wirsing vertreten. Über Haushaltsnahe Dienstleistungen konnte man mehr bei FABis Wetterau und den Diakonie Dienstleistungen Nidda erfahren. Der Arbeiter Samariter Bund Karben und das Deutsche Rote Kreuz Büdingen stellten die Angebote ambulanter Pflegeunterstützung, Hausnotrufsysteme und Essen auf Rädern vor. Das Seniorenzentrum Haus am Wannberg in Hirzenhain und das Seniorenzentrum Haus Taunusblick in Niddatal informierten zur Tagespflege sowie Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Es gab eine Übersicht zu den Vermittlungsstellen für Pflegekräfte. Die Agentur für Arbeit war durch ihre Wiedereinstiegsberatung vertreten. Der Caritasverband informierte zum Thema Ehrenamtliche Betreuung. Die Gesprächskreise für pflegende Angehörige von FABis und der Selbsthilfekontaktstelle Bad Vilbel, das Demenzcafé des Freiwilligenzentrums in Bad Nauheim und der Arbeitskreis Demenz rundeten das umfassende Informationsangebot ab.  

Informationen zum Thema unter www.berufundpflege.hessen.de
www.wetteraukreis.de
www.frauenseiten.wetterau.de

Foto. Das Organisationsteam AG Wiedereinstieg Helga Fuchs, Agentur für Arbeit, Swaantje Mika und Marita Ache, Jobcenter, Kornelia Schäfer, FD Frauen und Chancengleichheit der Kreisverwaltung, Irmhild Neidhardt, FAB Wetterau, Christina Keller, Pflegestützpunkt Wetterau, Tina Wege, RDW Wetterau.

Foto: Infotag im Plenarsaal der Kreisverwaltung.


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