Zeitzeugen der Leichtathletik über die Wetterau hinaus

Wetterau

Vor rund 80 Gästen übergab Landrat und Sportdezernent Joachim Arnold am Mittwoch (30. November) den Sportehrenpreis an das Bad Nauheimer Ehepaar Karin und Wolfgang Scheunemann. Der Sportehrenpreis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Höfler Fenster

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„Es ist der helle Wahnsinn, wenn ein Ehepaar 50 Jahre gemeinsam in der gleichen Sportart verbringt und immer noch Spaß daran hat“, sagte Günter Eisinger, ehemaliger Sportlehrer am Burggymnasium in Friedberg und in früheren Jahren als Mister Hochsprung der deutschen Leichtathletik bekannt. Eisinger ist Trainer bei der LG Eintracht Frankfurt und ließ in seiner Laudatio auf die beiden Preisträger 100 Jahre Scheunemann’sche Sportbegeisterung Revue passieren. Seit mehr als 50 Jahren sind Karin und Wolfgang Scheunemann beim LSC Bad Nauheim aktiv, „und nur als Doppelpack erhältlich“, wie Landrat Joachim Arnold in seiner Begrüßung hervorhob. „Ihre Rundumbetreuung im sportlichen und persönlichen Umfeld der nachwachsenden Sportlerinnen und Sportler bis hin zur Hilfe bei Hausaufgaben ist beispiellos.“

Karin Scheunemann, die das Sport-Virus von ihrem Vater geerbt hat, war mit 14 Jahren „schnellste Sprinterin und weiteste Springerin“, wie sie erzählte. Bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand war sie Sportlehrerin, zuletzt an der Ernst-Ludwig-Schule in Bad Nauheim. Beim LSC Bad Nauheim war sie Frauenwartin, Sportwartin, Vereinsvorsitzende, Kampfrichterin. Seit 1968 ist sie Trainerin beim LSC und konnte mit „ihren“ Schützlingen 20 Mal im Endkampf des hessischen Wettbewerbes „Jugend trainiert für Olympia“ teilnehmen. „Wir sind alle ein bisschen verrückt, aber wir haben es gerne gemacht“, sagte Karin Scheunemann in ihrer Erwiderung auf die Laudatio. Sie erzählte von Nächten, die die Familie gemeinsam vor dem Fernseher verbrachte um sich Weltmeisterschaften anzusehen; von einem Abstecher zu internationalen Wettkämpfen in Chicago, „weil jemand aus der Familie ohnehin grade in den USA war.“ Es sei eine Freude gewesen junge Menschen ein Stück des Weges zu begleiten. „Bei Ihnen habe ich Fliegen gelernt“, habe einer ihrer ehemaligen Schüler ihr einmal geschrieben. „Ich hoffe, ich habe vielen Kindern beim Fliegen geholfen“, sagte Karin Scheunemann.

Wolfgang Scheunemann, Lehrer für Latein, Französisch und Sport – zuletzt an der Augustiner-Schule Friedberg – blickt gleichfalls auf eine reiche Vergangenheit im Sport zurück: Übungsleiter, Sport- und Pressewart, Kampfrichter, zweiter Vorsitzender. Wie seine Frau ist er schon viele Jahre im Hessischen Leichtathletik Verband Kreis Wetterau im Vorstand vertreten. 1980 konnte er zusammen mit einem Team der Augustiner-Schule den Bundesentscheid „Jugend trainiert für Olympia“ gewinnen.

In seiner launigen, vom Sprachwitz geprägten Erwiderung, griff Scheunemann das Bild vom Ehrenamt als dem Kitt der Gesellschaft auf. Kitt stopfe Risse, halte zusammen, verbinde, würde aber auch irgendwann abbröckeln, wenn er alt wird. Wenn er, Wolfgang Scheunemann, abtrete, dann hoffe er, dass andere als Kitt an seine Stelle treten und weitermachen. Dass beide aber noch längst nicht ans Abtreten denken, wurde auch klar. Solange sie junge Leute motivieren können, werden sie weiter engagiert bleiben und sich nicht aufs Altenteil zurückziehen.

Sportlich und musikalisch war auch das Begleitprogramm: Friedger Schönberger und Sebastian Eberle von der Freien Waldorf Schule Bad Nauheim begeisterten mit ihrem Diabolo. Lara Fleißner und Svenja Werner vom Alternativen Tanzclub Bad Nauheim erweckten zu Klängen klassischer Musik die Phantasien von Schmetterlingen. Joachim Kunze und sein Blechbläserquartett mit Junah Wallbraun, Fiona und Leon Geissen spielte Musik von Glenn Miller bis zu den Beatles.

Foto: Wolfgang und Karin Scheunemann lauschen der Laudatio.

Foto: Glückliche Preisträger: Karin und Wolfgang Scheunemann, Landrat Joachim Arnold und Armin Häuser, Bürgermeister von Bad Nauheim.


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