Superschnelles Internet für Wetterau und Vogelsberg

Wetterau

Die Versammlung des Zweckverbandes Oberhessischer Versorgungsbetrieb (ZOV) hat unlängst seine Geschäftsführer Rainer Schwarz und Rolf Gnadl beauftragt, die Schaffung und den Betrieb einer Glasfaserinfrastruktur vorzubereiten sowie die Vermarktung und den Verkauf von Telekommunikationsdiensten vorzubereiten.

Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis

kupfer arnoldkupfer arnold1Landrat Joachim Arnold hält diesen Beschluss für richtig und wirbt intensiv in Kreis und Kommunen für das OVAG-Modell.

Deutschland nur Mittelmaß

„Die bestehenden Kupferleitungen sind an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Selbst für heute schon übliche Anwendungen bieten die Leitungen leider noch an zu vielen Orten im Wetteraukreis zu geringe Bandbreiten.“ In Deutschland habe man in den letzten Jahren viel zu wenig in die Infrastruktur investiert, stellt Arnold fest. Bei der Verfügbarkeit von Bandbreiten mit mehr als 30 Mbit/S nimmt Deutschland im europäischen Vergleich nur Platz 14 ein. Bei Glasfaserbreitbandanschlüssen liegt Deutschland weit abgeschlagen auf einem der letzten Plätze im europäischen Vergleich. Dabei sind hohe Übertragungsraten der Internetverbindungen von grundlegender Bedeutung und mittlerweile zu einem unverzichtbaren Teil der Daseinsvorsorge geworden.

Arnold: „Besonders der ländliche Bereich braucht eine leistungsfähige Infrastruktur!“

„Insofern möchte ich mich auch nicht auf die privaten Anbieter verlassen, die vor allem die kurzfristige Rentabilität im Blick haben. Mehr noch als in den städtischen Regionen brauchen wir in den weniger dicht besiedelten Gebieten eine leistungsfähige Kommunikationsinfrastruktur, auch wenn damit nicht der schnelle Euro verdient werden kann. Die privatwirtschaftlichen Akteure auf dem Telekommunikationsmarkt handeln bisher allerdings nach dem Motto: Nur dicht besiedelte Räume versprechen genügend Rendite und eine schnelle Amortisation der Investitionen. Mit Besorgnis betrachte ich deshalb von wichtigen Akteuren betriebene Prioritätensetzungen aus den ländlich strukturierten Bereichen, die wenigen attraktiven Teilgebiete gezielt herauszulösen und isoliert zu erschließen.“ Nach einer solchen Rosinenpickerei, fürchtet Landrat Arnold, blieben nur noch die besonders ungünstig strukturierten und dünn besiedelten und wirtschaftlich schwach ausgeprägten Orte mit den höchsten Erschließungskosten übrig, welche für sich genommen keinen marktgerechten Anreiz mehr auf den Ausbau von Telekommunikationsinfrastrukturen bieten. „Wir brauchen aber insbesondere im ländlichen Raum eine IT Infrastruktur die höchsten Ansprüchen genügt. Nur dann werden unsere ländlich strukturierten Gemeinden und Kleinstädte langfristig in der Konkurrenz mit den Großstädten und stark verdichteten Ballungsräumen bestehen können!“

Glasfaserkabel im kommunalen Besitz

„Deshalb möchte ich, dass die kommunale Familie in Wetterau und Vogelsberg mit der OVAG als Partner ein eigenes Glasfasernetz errichtet“. Nach dem von der ZOV vorgeschlagenen Geschäftsmodell würden 51 % der Anteile einer Infrastrukturgesellschaft bei der ZOV (im Besitz der Kreise Wetterau, Vogelsberg und Gießen) und 49 % bei den beteiligten Kommunen liegen. „Das würde bedeuten, dass Zuschüsse anders als bei den auf dem Telekommunikationsmarkt etablierten Unternehmen nicht verlorengehen, sondern die Kommunen würden mit ihren Beiträgen eigenes Vermögen schaffen. „Ich setze mich bei den OVAG Vorständen Schwarz und Gnadl besonders dafür ein, dass diese die Telekom als strategischer Partner gewinnen. Im Grunde könnten wir mit der OVAG aber ein solches Netz auch selbst betreiben und eigene Dienste anbieten, wenn sich dieses als vorteilhafter für die Sache und die kommunale Familie darstellt“, so Landrat Arnold.

Hintergrund: Die Nähe zur Glasfaser bestimmt die Übertragungsgeschwindigkeit

Alle Internetanschlüsse sind an den größten Internetknoten der Welt, an DE.CIX, mit Sitz in Frankfurt am Main, angeschlossen. Die Telekom leitet von DE.CIX mehrere Glasfaserleitungen an einige wenige Hauptverteiler in der Wetterau. Von dort gehen dann weitere Kabel, allerdings bisher nur im Ausnahmefall auf Glasfaserbasis, an die etwa 1500 Kabelverzweiger, von denen dann die Endkunden angeschlossen werden. „Glasfaser leiten die Informationen durch Lichtimpulse nahezu verlustfrei weiter. Anders ist es bei Leitungen aus Kupfer oder bei Funklösungen.“, so Arnold. Die sogenannten Dämpfungsverluste führen zu rapide sinkenden Bandbreiten, je weiter die Endkunden vom Kabelverzweiger entfernt sind. Erst wenn die rund 1.500 Kabelverzweiger, das sind die grauen Kästen am Straßenrand, in Wetterau und Vogelsberg mit Glasfaser direkt oder indirekt per Glas an das DE.CIX angeschlossen sind, kann einigermaßen flächendeckend mit einer Bandbreite von bis zu 50 Mbit/s gerechnet werden.

Die glasfasergestützte Erschließung der Kabelverzweiger wird in Fachkreisen Fiber-to-the-Curb (FttC) genannt und wäre die erste Entwicklungsstufe des von Landrat Arnold vorgeschlagenen Weges. Nach heutigen Anforderungen ist das ausreichend. „Da jedoch die Entwicklung gezeigt hat, dass die Anforderungen nach schnellen Übertragungsgeschwindigkeiten immer höher werden, bietet letztendlich nur das Glasfaserkabel bis ins Haus die nötige Bandbreite (genannt Fiber-to-the-Building, FttB), um zukunftssicher die notwendige Bandbreite erzielen zu können“, hat der Wetterauer Landrat auch eine klare Vorstellung über die angestrebte Ausbauart. „Das ist eine Herausforderung, wie wir sie bisher nur bei der Errichtung von anderen flächendeckenden Netzinfrastrukturen kennen. Die FttB-Versorgung stellt den übernächsten Entwicklungsschritt dar, der mittelfristig bei weiter steigender Nachfrage nach immer höheren Bandbreiten erforderlich werden dürfte. Es gilt aber aus Gründen der Nachhaltigkeit der erforderlichen hohen Investitionen schon jetzt, bei der Errichtung eines FttC-Netzes den nächsten Schritt mit zu bedenken und im Auge zu behalten“, so abschließend der Landrat Arnold.

Fiber to the curb (FTTC) bedeutet Glasfaser bis zum Bordstein/Straßenrand

Fiber-to-the-Building (FTTB) bedeutet "Glasfaser bis zum Gebäude". Die FTTB-Architektur sieht vor, dass das Glasfaserkabel innerhalb des Gebäudes endet

Foto: Bei Glasfaser-Leitungen werden die Daten nicht wie etwa bei Kupfer-Kabeln durch elektrische Impulse, sondern mit Lichtsignalen übertragen superschnelles Internet benötigt Glasfaser möglichst nah zu den Verbrauchern.


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