Zirka 150 Besucherinnen konnten die Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch und Kornelia Schäfer, Leiterin des Fachdienstes Frauen und Chancengleichheit, bei der Eröffnung des 5. Infotages „Beruflicher Wiedereinstieg“ der in der Friedberger Kreisverwaltung stattfand, begrüßen.
Zehn Institutionen von Arbeitsagentur Gießen/Friedberg, Jobcenter Wetterau bis hin Bildungsträgern wie FAB, RDW, vhs wetterau, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Grone Altenpflegeschule, Wirtschaftsförderung Wetterau und Evangelische Familienbildungsstätte standen für Gespräche zur Verfügung. Sie informierten zu Qualifizierung und Weiterbildung, offenen Stellenangeboten und gaben Tipps für die Bewerbung.
Besonders das Angebot die mitgebrachten Bewerbungsunterlagen auf einem USB-Stick gemeinsam mit Fachleuten zu überarbeiten wurde rege genutzt. Auch die fünf angebotenen Workshops waren gut besucht, besonders wurden die Tipps für das Vorstellungsgespräch und die Jobsuche im Internet nachgefragt.
„Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen zum Angebot von den Besucherinnen aber auch von den Unternehmen erhalten. Das macht deutlich, wie wichtig das Thema des beruflichen Wiedereinstiegs nach einer Familienphase ist und dass unterstützende Angebote gebraucht werden. Viele Teilnehmerinnen wünschten sich noch mehr Unternehmen vor Ort. Das versuchen wir beim nächsten Infotag umzusetzen“, so Kornelia Schäfer für die Arbeitsgruppe Wiedereinstieg.
Mit Unternehmen im Gespräch
Das besondere an den Infotagen ist, dass Unternehmen und Wiedereinsteigerinnen auf kurzem Weg und in lockerer Atmosphäre ins Gespräch kommen. Stefan Fuchs, Einrichtungsleiter des Altenpflegeheims, Elisabethhaus in Bad Nauheim warb bereits zum zweiten Mail auf dem Infotag mit Überzeugung für Berufe in der stationären Altenpflege: “Die Altenpflege ist viel besser als ihr Ruf, denn es gibt viele Perspektiven und sie ist ein gutes Sprungbrett in weitere Qualifikationen“, so Fuchs. Für viele Beschäftigte, die Teilzeit arbeiten möchten sei die Schichtarbeit oft eine gute Lösung, da sie nicht von 9 bis 17 Uhr am Arbeitsplatz sein müssen.
Auch Christa Wirsing, Leiterin des ambulanten Pflegedienstes Wirsing in Altenstadt erzählte, dass ihr Pflegedienst die Arbeitszeiten so anpasse, dass bei ihnen beispielsweise Mütter ihre Kinder erst in die Schule oder den Kindergarten bringen können, bevor sie zu den zu pflegenden Menschen fahren. Wichtige Voraussetzung in der Ambulanten Pflege ist ein Führerschein und eine gute soziale Kompetenz, denn oft sei auch das familiäre Umfeld mit zu betreuen. Interessierte Wiedereinsteigerinnen, die sich nicht sicher sind, ob ein Beruf in der Pflege in Frage kommt, können zunächst auch ein kurzes Praktikum machen, um den Arbeitsalltag hautnah kennenzulernen.
Einig waren sich alle ArbeitgeberInnen darin, dass gute deutsche Sprachkenntnisse eine wichtige Vorrausetzung für den beruflichen Einstieg sind. Fachliche Qualifikationen sind bei vielen Tätigkeiten nicht allein entscheidend und können noch erworben werden. So bietet zum Beispiel die Evangelische Familienbildungsstätte einen Grundbildungslehrgang in Hauswirtschaft an, der auf die Prüfung zur staatlich anerkannten Hauswirtschafterin vorbereitet. „Hauswirtschafterin ist ein sehr vielseitiger, interessanter und unterschätzter Beruf“, so Andrea Hauck, Hauswirtschaftsmeisterin und Lehrgangsleiterin. Gute Berufsaussichten für Hauswirtschafterinnen konnte Frau Rützel-Lentes von FABIS bestätigen. Die Beschäftigungsmöglichkeiten bei den Haushaltsnahen Dienstleistungen sind gut und werden vermehrt von alten Menschen und Familien nachgefragt.
Petra Marx, Geschäftsführerin der CTM Group, einem Telemarketingunternehmen, warb ebenfalls um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die vor kurzem eröffnete Niederlassung in Friedberg. Sie betonte, dass bei ihnen auch Frauen und Männer ohne formalen Ausbildungsabschluss und ungewöhnlichen Lebensläufen Chancen auf eine Anstellung haben, auf Wunsch auch in Teilzeit. „Jede neue Mitarbeiterin und jeder neue Mitarbeiter bekommt eine dreitägige Vertriebs- und Verkaufsschulung. Nach einem 14-tägigen Praktikum können Sie entscheiden, ob die Tätigkeit Verkauf am Telefon an Geschäftskunden etwas für sie ist.“
Ein breites Spektrum an Berufen bot Hans-Joachim Nowak von der Orizon GmbH, einer klassischen Zeitarbeitsfirma mit einer Niederlassung in Linden, die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im gesamten Rhein-Main Gebiet sucht. „Zeitarbeit ist eine sehr gute Chance, auch in Teilzeit, auf einen gelungenen Wiedereinstieg. Auch der Verdienst ist völlig okay“, so Nowak.
Ingrid Kellner, Leiterin des Fachdienstes Personal beim Wetteraukreis berichtete, dass der Wetteraukreis Menschen mit sehr verschiedenen Qualifikationen suche, zum Beispiel Sozialarbeiterinnen, Ingenieurinnen und Schulsekretärinnen. Die Arbeitszeiten seien in fast allen Bereichen sehr flexibel. Für einen Wiedereinstieg als Quereinsteigerin eigne sich die Tätigkeit als Schulsekretärin. Hier bietet der Wetteraukreis auch ein umfangreiches Qualifizierungskonzept an.
Hoch motiviert rief eine Besucherin den Arbeitgebern spontan zu: „Ich bin geeignet“. Sie und viele weitere Wiedereinsteigerinnen in spe nutzten nach der Vorstellungsrunde der Arbeitgeber die Gelegenheit und suchten den Kontakt, stellten sich vor und vereinbarten Bewerbungsgespräche oder Praktika. Besonders die Erfahrungsberichte von anwesenden Wiedereinsteigerinnen machten den Teilnehmerinnen Mut. Sie zeigten, dass ihre Fähigkeiten gefragt sind und nicht nur der gerade berufliche Lebenslauf zum Ziel führt.
Der Infotag findet alle zwei Jahre statt und wird vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises in Kooperation mit Jobcenter Wetterau, Agentur für Arbeit Gießen und Friedberg, Frauen Arbeit Bildung gGmbH, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V., vhs-wetterau, RDW und der Wirtschaftsförderung Wetterau durchgeführt. Finanziell unterstützt wird das Angebot durch die Sparkasse Oberhessen und ovag Energie. Infos gibt es unter www.frauenseiten.wetterau.de.
Foto: Sabiene Döpfner, Moderation, Christa Wirsing, Pflegedienst Wirsing, Hans-Joachim Nowak, Orizon GmbH, Petra Marx, CTM Group, oben: Ingrid Kellner, Fachdienst Persona des Wetteraukreises, Stefan Fuchs, Diakoniewerk Elisabethhaus, Kornelia Schäfer, Fachdienst Frauen und Chancengleichheit Wetteraukreis.