Der in Amsterdam lebende Schmuckmacher beschäftigt sich seit Beginn seines Schaffens mit der Frage, warum Schmuck und Objekte weit mehr als dekorative Elemente am Körper oder im Raum sind. Das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau widmet ihm – als erstes Haus in Deutschland – eine umfassende Ausstellung, die sein Œuvre aus Schmuck, Silbergerät und Objekten in seiner ganzen Bandbreite zeigt.
Sonderausstellung: Paul Derrez. Celebrating Life
5. Juni bis 20. November 2026
im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau
Charakteristisch für Derrez’ Arbeiten sind klare, reduzierte Formen und die Kombination von edlen mit unedlen Materialien. Viele seine Arbeiten beinhalten symbolische Verweise. Sein Œuvre steht für das Feiern von Schönheit und Lebensfreude. Zugleich greift es immer wieder gesellschaftliche Themen wie Protest und Solidarität auf. Es spiegelt seine persönlichen Erfahrungen und Haltungen wider und lädt dazu ein, über Schmuck als politisches und kommunikatives Medium nachzudenken. Derrez’ Arbeiten zeichnen sich durch einen persönlichen, oft humorvollen Blick auf das Leben aus, sie sind direkt, zugänglich und zugleich vielschichtig.
Dies verdeutlichen die Broschen aus der „Dot Collection“ von 2014, deren bunte Farbpunkte für Vielfalt und Lebensfreude stehen und zugleich als visuelle Codes fungieren. Sie kommentieren die Regressionen von Regierungen, die Menschen beim Tragen der Regenbogenflagge in vielen Teilen der Welt drohen. Wiederkehrende Themen in Derrez’ Werk sind außerdem das selbstbewusste Leben von Identität und Sexualität, ebenso wie Trauer und Verlusterfahrungen während der AIDS-Krise. So verweist etwa seine „Kondom-Monstranz“ aus dem Jahr 2005 ironisch auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem HIV-Virus und Verhütung, indem sie mit der Symbolik und Funktion religiöser Objekte spielt. In Derrez’ Variationen von Löffeln zeigt sich sein forschender Blick auf alltägliche Dinge: Das Besteck als Sinnbild eines ständigen Begleiters und Trägers von Erinnerungen im gesamten Leben des Menschen. Scheinbar Gewöhnliches wird von ihm im Bedeutungsgehalt durchdrungen und findet eine Darstellung.
Paul Derrez begann in den 1970er Jahren seine Passion für Schmuck, Handwerk und Design auszuleben. Er absolvierte von 1972 bis 1975 seine Ausbildung zum Goldschmied in Schoonhoven und studierte performative Künste in Utrecht. Neben seiner Tätigkeit als Künstler war er als Dozent und als Vorsitzender der Françoise van den Bosch Stiftung aktiv. Sein Werk formt sich aus über 50 Jahre kontinuierlichem Schaffen, das international in Sammlungen vertreten ist und vielfach ausgezeichnet wurde. Mit seiner Galerie Ra in Amsterdam prägte er über drei Jahrzehnte hinweg maßgeblich die internationale Schmuckszene.
Anlässlich der Ausstellung in Hanau und im Kontext des Pride Month entwickelte Paul Derrez zudem den „Hanau Pride Ring“, dessen farbige Punkte im Licht ein regenbogenartiges Farbspiel entstehen lassen. Der Ring ist an der Museumskasse des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau und beim Festival des CSD Hanau auf dem Gelände des Olof-Palme-Hauses am Samstag, dem 27. Juni 2026 erhältlich. Er kostet 60,00 Euro, von denen 10,00 Euro an den CSD Hanau gespendet werden.
Rahmenprogramm:
Artist Talk mit Paul Derrez
am Donnerstag, dem 25. Juni, um 18.30 Uhr im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau
Eintritt frei
Mit Paul Derrez sprechen wir über seine Inspirationsquellen, die Hintergründe seiner Arbeiten und seine Schaffensphasen der letzten fünf Jahrzehnte. Wir erfahren, welche Bedeutung das Handwerk, Schmuck und Gerät in Derrez’ Leben einnehmen. In einer lockeren Runde ergibt sich die Möglichkeit, mit dem Künstler bei Wein oder Wasser ins Gespräch zu kommen und sein Werk näher kennenzulernen.
Rainbow Chains
Fotoaktion mit Paul Derrez und der Fotografin Laura Brichta auf dem CSD Hanau
am Samstag, dem 27. Juni, ab 15 Uhr auf dem Freiheitsplatz Hanau
und ab 16:30 auf dem CSD-Festival auf dem Gelände des Olof-Palme Hauses, Pfarrer-Hufnagel-Straße 2, 63454 Hanau
Anlässlich des Hanauer CSDs lädt Paul Derrez dazu ein, seine bunten „Rainbow Chains“ oder den „Hanau Pride Ring“ zu tragen und sich von der Fotografin Laura Brichta fotografieren zu lassen. Derrez‘ „Rainbow Chains“ und der „Hanau Pride Ring“ stehen für Vielfalt und für das Recht auf Entfaltung von Identität. Mit den Ketten und Ringen drückt Paul Derrez Solidarität sein Engagement gegen Queerfeindlichkeit aus.
Wer sich fotografieren lassen möchte, bekommt einen kostenlosen Polaroid Abzug. Zudem werden nach der Aktion Fotos ausgewählt, die in einer Publikation veröffentlicht werden, die 2027 erscheint.
Paul Derrez wird während der Aktion persönlich anwesend sein.



