Zur Erinnerung an das Ende der Belagerung am 13. Juni 1636 wird seit Beginn des 19. Jahrhunderts im Juni das Lamboyfest gefeiert. Das sechstägige Begleitprogramm „Lamboyfest historisch“ erinnert von Dienstag, 9. Juni, bis Sonntag, 14. Juni, mit Bildern, Dioramen, Vorträgen und Führungen in der Alten Johanneskirche und der Marienkirche an das historische Ereignis.
"Die Erinnerung lebendig zu halten, aus der Geschichte zu lernen und sich bewusst zu machen, welche Herausforderungen unsere Gesellschaft bereits bewältigt hat, sind Themen, die aktueller und wichtiger nicht sein könnten", so Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Und weiter: "‚Lamboyfest historisch‘ macht deutlich, dass Geschichte nicht nur in Büchern stattfindet, sondern an den Orten, an denen wir heute leben und feiern."
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648), der aus einer Verzahnung verschiedener Gegensätze und Interessen unter den deutschen und europäischen Mächten hervorging, belagerten kaiserlich-habsburgische Truppen unter der Führung von Wilhelm von Lamboy (Guillaume de Lamboy) Hanau. Die Blockade dauerte fast ein Dreivierteljahr, bis Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel im Bündnis mit schwedischen Truppen die Stadt am 13. Juni 1636 befreite. Aus Dank für diesen "Entsatz der Stadt" ordnete Graf Philipp Moritz von Hanau-Münzenberg einen jährlichen Dank-, Bet- und Bußtag am 13. Juni an – damals bereits in der Hanauer Marienkirche - und daraus ging das Lamboyfest hervor.
Während das Lamboyfest am Freitag, 12. Juni, mit dem offiziellen Freibieranstich durch Oberbürgermeister Kaminsky (18:30 Uhr an der Sparkasse Hanau-Bühne am Goldschmiedehaus) beginnt, lädt "Lamboyfest historisch" bereits ab Dienstag, 9. Juni, zum historischen Tiefgang in die Hintergründe des Festes ein.
An diesem Dienstag erfolgt die Eröffnung des Begleitprogramms ab 18:30 Uhr in der Marienkirche (Am Goldschmiedehaus 1) mit dem Theaterstück "Simplicissmus" des artENSEMBLE THEATER aus Bochum. Die Bühnenfassung des bahnbrechenden Barockromans "Der abenteuerliche Simplicissmus Teutsch" von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, dessen 350. Todestag sich im Jahr 2026 jährt, packt die Themen Krieg, Verheerung und Vertreibung in zwei Stunden voll Epik, Dramatik, Humor und Tragödie. Die grundlegende Frage, ob die Welt heute krisenärmer und übersichtlicher geworden ist und ob das simplicianische Motto "Der Wahn betrügt?" noch gilt, stellen den Rahmen des Stücks.
Feste Tradition von Lamboyfest historisch ist die umfangreiche Ausstellung in der Alten Johanneskirche im Elisabeth-Schmitz-Saal, die ab Mittwoch, 10. Juni ab 17 Uhr bis zum Ende des Lamboyfestes am Sonntag, 14. Juni, zu sehen ist. Mit zahlreichen Texten, eindrucksvollen Abbildungen und anschaulichen Dioramen vermittelt sie allen Interessierten unter dem Titel "Die schlimmsten Jahre des Großen Krieges in der Grafschaft Hanau-Münzenberg" einen Eindruck der schrecklichen Ereignisse. Die detaillierten Schaubilder zeigen Begebenheiten, die in Zusammenhang mit der Blockade Hanaus stehen. In diesem Jahr erhält das Thema der Neubesiedelung der Region mit dem neuesten Diorama von Rainer Stephan eine hervorgehobene Präsentation.
Diverse Lesungen, Vorträge, Führungen durch die Ausstellung, die Stadt und den Chorraum und die Gruft der Marienkirche runden das sechstägige Rahmenprogramm ab. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.
Das vollständige Programm zum Lamboyfest und zu "Lamboyfest historisch" mit einem Übersichtsplan gibt es im Internet unter www.lamboyfest.hanau.de.


