Das besagt eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Stadt Hanau über die „Modellregion Inklusive Bildung in Hanau“, über die die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Montag abstimmen wird. Im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich das Land Hessen unter anderem zum Ziel gesetzt, den Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu erhöhen.
„Mit der beabsichtigten „Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Stadt Hanau über die „Modellregion Inklusive Bildung in Hanau“ wird der Inklusionsprozess für den Bereich Bildung und Schule weiter konkretisiert“, erläutert Werner Friederichs, Regierungsdirektor am Staatlichen Schulamt. In der Kooperationsvereinbarung werde unter anderem festgeschrieben, dass die - durch den Rückgang der Schülerinnen- und Schülerzahlen an der Elisabeth-Schmitz-Schule - frei werdenden Lehrerstellen in der Modellregion Hanau belassen würden. „Zukünftig sollen diese Lehrkräfte zur Stärkung und zum weiteren Ausbau des Inklusiven Unterrichts an den Hanauer allgemeinen Schulen eingesetzt werden“, erklärt der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts. Bisher besuchten Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf häufig die entsprechende Förderschule.Bereits in der Vergangenheit war der Besuch der allgemeinen Schule im Rahmen des gemeinsamen Unterrichts möglich. „Seit der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention sollen die Kinder jedoch verstärkt eine Schule in ihrem Einzugsgebiet besuchen. Besonders geschulte Lehrkräfte des zuständigen Beratungs- und Förderzentrums kommen an die allgemeine Schule, um sie zu fördern“, erläutert Friederichs das Konzept.
„Es ist gut, dass wir im Rahmen der Kooperationsvereinbarung die Lehrerstellen erhalten und die Fachkompetenz für inklusive Bildung in Hanau - trotz sinkender Schülerzahlen an der Elisabeth-Schmitz-Schule - bis 2020 sichern können“, so Stadtrat und Schuldezernent Axel Weiss-Thiel. In den letzten fünf Jahren sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf Lernen in der Grundstufe der ESS um fast 50 Prozent zurückgegangen. „Wir müssen den sinkenden Schülerzahlen und der Tatsache, dass Kinder mit Förderbedarf im Rahmen der Inklusion künftig an Regelschulen betreut werden sollen, Rechnung tragen“, erklärt Schuldezernent Axel Weiss-Thiel. Daher sei im Rahmen der Kooperationsvereinbarung vorgesehen im Schuljahr 2016/17 keine neuen Grundstufenschüler an der Elisabeth-Schmitz-Schule mehr aufzunehmen. Die Räumlichkeiten, die dadurch an der ESS frei würden, könnten zukünftig verstärkt von der Robinsonschule genutzt werden, die bereits im letzten Jahr in den Gebäudekomplex der Förderschule übergesiedelt ist. „Ob die Mittelstufe an der ESS bestehen bleibt, können wir derzeit noch nicht absehen“, erklärt der Stadtrat. Das hänge vom Bedarf und den zukünftigen Schülerzahlen ab. „Fest steht jedoch, dass die Stellung und Kompetenz der Elisabeth-Schmitz-Schule als Beratungs- und Förderzentrum für die Region durch die Umverteilung der Aufgaben gestärkt wird.“ Für die Elisabeth-Schmitz-Schule bedeute dies mittelfristig eine Fokussierung der Angebote auf die Berufsorientierungsstufe mit der Möglichkeit der Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern auf den Hauptschulabschluss mit externer Prüfung am Schulzentrum Hessen-Homburg, erläutert Schulleiter Gerd Lux. "Schüler mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung werden weiterhin gefördert, auch im gemeinsamen Unterricht mit Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen“, so Lux weiter.
Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung verpflichtet sich die Stadt Hanau zudem, die Sachausstattung an den Regelschulen zu verbessern, um eine möglichst umfassende inklusive Beschulung zu ermöglichen sowie Kosten für geschultes Personal mitzutragen. Unter anderem für die Fortsetzung der bereits erfolgreich etablierten sozialen Gruppenarbeit an Schulen in einem Mindestumfang von 50.000 Euro pro Schuljahr. Mit der Vereinbarung wird festgeschrieben, dass diese Maßnahme mindestens einen Bestand bis zum Ende der Laufzeit des Projektes „Modellregion Inklusive Bildung in Hanau“ im Juli 2020 hat. Ebenso werden die Mittel für den Einsatz von zwei sozialpädagogischen Vollzeitstellen aus der bereits laufenden Förderung des Förderzentrums für Erziehungshilfe Hanau (FEH) in das Projekt überführt.
Die Stadtverordnetenversammlung hat im April 2013 beschlossen, die Kostenübernahme für sozialpädagogisches Fachpersonal – das beim Staatlichen Schulamt angestellt ist - in Höhe von 114.000 Euro pro Schuljahr für die Schuljahre 2013/2014 bis 2015/2016 fortzusetzen. Mit der Kooperationsvereinbarung würde sich die Personalkostenförderung bis zum Ende des Schuljahres 2019/2020 verlängern. Das Land Hessen bzw. das Staatliche Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis und der Schulträger Main-Kinzig-Kreis streben ebenfalls aktuell eine entsprechende Vereinbarung an, so dass die Weiterentwicklung des inklusiven Unterrichts in der Region gewährleistet ist.
Hintergrund
Schülerinnen und Schüler mit dem Anspruch auf sonderpädagogische Förderung können entsprechen ihrem Leistungsvermögen und der Art der Beeinträchtigung an Förderschulen mit acht unterschiedlichen Bereichen (u.a. emotionale und soziale Entwicklung, Lernen, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören, Sprachheilförderung, kranke Schülerinnen und Schüler) unterrichtet werden.
In der Trägerschaft der Stadt Hanau gibt es folgende Förderschulen: Die Elisabeth-Schmitz-Schule als regionales Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) mit den Förderschwerpunkten Lernensowie körperliche und motorische Entwicklung das Förderzentrum Erziehungshilfe an der Hessen-Homburg-Schule mit dem Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung Friedrich-Fröbel-Schule (Standort Maintal-Dörnigheim) mit dem Förderschwerpunkten geistige und körperlich-motorische Entwicklung.
Ergänzt wird das Angebot in der Stadt Hanau durch die Paula-Fürst-Schule in Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbandes als Schule für kranke Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus gibt es in Hessen (z.B. in Friedberg) noch überregionale Förderschulen und Beratungs- und Förderzentrenu.a. für die Förderschwerpunkte Sprache, Sehen und Hören und körperlich-motorische Entwicklung.



