TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

„Investitionen in Unternehmergeist und neue Geschäftsmodelle“

„Investitionen in Unternehmergeist und neue Geschäftsmodelle“

Hätten Sie’s gewusst? Die deutsche Veranstaltungswirtschaft hat 2019 fast ebenso viel Umsatz gemacht wie die Bauindustrie, nämlich rund 130 Milliarden Euro.

sritaheideneu.jpg

Sie ist damit die sechstgrößte Branche des Landes." In der allgemeinen Wirtschaftsberichterstattung spiegelt sich diese Bedeutung freilich nicht wieder. Es braucht schon Prof. Roland Koch, den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten, um wenig bekannte Sachverhalte zu benennen, um die Situation besser einschätzen zu können", so die Überzeugung der MIT Hanau.

Nicht umsonst hatte die Hanauer CDU-Politikerin und Kreistagsabgeordnete Srita Heide, zugleich Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Hanau, Roland Koch als Hauptredner des virtuellen MIT-Sommergesprächs eingeladen. Es ging in der Video-Diskussion darum, wie der deutsche Mittelstand die Corona-Krise dazu nutzen kann, sich wieder an die Spitze des globalen Wettbewerbs zu stellen. Zahlreiche Unternehmer aus Hanau und der Region waren der Einladung gefolgt. „Auch hier in Hanau befinden sich die Unternehmen mitten in einer Lernphase, die vor allem Flexibilität und neue Ideen erfordert“, so Heide. „Die Politik ist aufgefordert, kluge Entscheidungen zu treffen.“

Roland Koch, der heute als Rechtsanwalt und Aufsichtsrat für bekannte Unternehmen tätig ist, analysierte die aktuelle Wirtschaftslage mit der ihm eigenen Klarheit: „Die Bundesregierung hat eine Billion Euro zur Unterstützung der Unternehmen aufgewendet – so viel wie die Deutsche Einheit zwischen 1989 und 2000 gekostet hat. Das können wir uns leisten, aber nicht endlos wiederholen.“ Seine Forderung: Von jetzt an müsse die Politik zielgerichtet so investieren, dass neue Geschäftsmodelle zügiger eine Chance bekommen und verstärkt Unternehmergeist geweckt werde. Als Beispiele nannte er Bürgschaftserklärungen, Kapitalbeteiligung für mittelständische Beteiligungsgesellschaften sowie Firmengründungsdarlehen und Förderung von Start-ups. Kritisch sieht er die Fristverlängerung für Insolvenzanträge und das Kurzarbeitergeld: „Damit richten wir uns für längere Zeit bequem ein in geringer Leistungskraft bei gleichzeitig hohen Subventionen.“

Hermann Köck, Vorstandsmitglied Vertrieb/Treasury bei der Sparkasse Hanau, berichtete aus Sicht eines regional verwurzelten Kreditinstituts von seinen Erfahrungen in den vergangenen Monaten. Allein bis Mitte März seien über 400 Anfragen auf Fördermittel eingegangen, fast 1.000 Kredite seien vorübergehend tilgungsfrei gestellt worden. Und auch diese Erkenntnis hat er gewonnen: „Es ist nicht für jedes Unternehmen leicht, einfach mal so sein Geschäftsmodell zu ändern.“ Der Beratungsbedarf sei selbst unter gestandenen Unternehmern hoch. Das hat auch Marco Reuter, Vorsitzender der MIT Hessen, beobachtet: „In den ersten Monaten der Pandemie standen bei uns die Telefone nicht mehr still. Hier konnten wir dank unserer Kompetenz in Sachen Mittelstand und unserem direkten Draht zur Politik oft ganz konkret helfen.“

Und auch heimische Unternehmer sowie Landes- und Lokalpolitiker aus Hanau und Umgebung kamen zu Wort und erläuterten ihre Erfahrung in der Corona-Praxis. Srita Heides Fazit: „Der deutsche Mittelstand ist mehr denn je gefordert, seine Wertschöpfungsketten zu aktualisieren, neue Geschäftsstrategien einzuführen und bereit zu sein, sich flexibel an unerwartete Situationen anzupassen.“

Foto: Srita Heide

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis