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Rechenzentrum in Birstein: Wo soll das enden?

Rechenzentrum in Birstein: Wo soll das enden?

Zum geplanten Rechenzentrum in Birstein äußert sich VORSPRUNG-Leserin Stefanie Müller in ihrem Leserbrief.

Hanau News

"Das geplante 200 MW Rechenzentrum in Birstein wird als wirtschaftliche Chance dargestellt. Gleichzeitig bleiben viele wichtige Fragen offen und genau das sorgt bei vielen zunehmend für Unverständnis. Auf der Bürgerversammlung wurden erneut neue Fakten bekannt: unter anderem drei bis zu 60 Meter hohe Schornsteine für das notwendige Gaskraftwerk und zusätzlich die Verwendung von Brennstoffzellen. Gleichzeitig wird bereits über weitere Gewerbeflächen mit ähnlicher Nutzung gesprochen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wo soll das enden? Welche Flächen stehen als nächstes zur Diskussion?

Besonders kritisch ist die unmittelbare Nähe des geplanten Standorts zu unseren Schulen. Kinder und Jugendliche verbringen dort täglich viele Stunden. Aus anderen Regionen wird von Anwohnern bestehender Rechenzentren über eine dauerhafte Geräuschkulisse und tieffrequente Vibrationen berichtet, die teilweise als erheblich belastend empfunden werden. Genannt werden Konzentrationsprobleme, Unruhe und Schlafstörungen – obwohl die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Welche Auswirkungen werden die Anlagen haben und wie können die Kinder geschützt werden? Fragen zur Luftqualität, möglichen Emissionen sowie zu Bau- und Betriebslärm durch Generatoren und Kühlsystemen müssen deshalb vor einer Entscheidung beantwortet werden. 

Wie belastbar sind die bisherigen Aussagen zu Stromversorgung, Wasserverbrauch, Platzbedarf und Emissionen? Gibt es verbindliche Vorgaben für einen späteren Rückbau der Anlage? Welche Einnahmen für die Gemeinde sind tatsächlich gesichert – und welche nur Prognosen? Wer trägt die weiteren Kosten für Infrastruktur und mögliche Folgekosten?  Wer trägt die Kosten für die Fernwärmeleitung zum Freibad, wenn die Kosten über 750.000€ liegen? Zu welchen Konditionen wird die Wärme künftig bezogen? Und was bleibt der Gemeinde nach Ablauf der 15 Jahre, wenn die Zahlungen in den Klimafonds enden?

Gerade angesichts trockener Sommer und sinkender Grundwasserstände braucht es zudem verbindliche Aussagen zum Wasserverbrauch. Was geschieht, wenn die von der Gemeinde zugesagten zehn Millionen Liter Wasser pro Jahr nicht ausreichen? Zudem muss erläutert werden wie der von den Windkraftanlagen erzeugte Strom aus der Aurora zum Rechenzentrum transportiert werden soll und an welchem Standort hierfür ein neues Umspannwerk erforderlich ist.

Die angekündigten ca. 18 Millionen Euro für den Klimafonds über einen Zeitraum von 15 Jahren erscheinen angesichts eines Milliardenprojekts vergleichsweise sehr gering. Der Verweis auf Heusenstamm, das lediglich fünf Millionen Euro erhält, greift nicht als Vergleich. Dort handelt es sich um eine kleinere Fläche und eine geringere Leistung. 

Offenbar besteht auch von anderen Seite Interesse an der Entwicklung der Fläche, wieso wird hier nicht das Gespräch gesucht? Es könnte ein klimafreundliches Konzept ohne Gaskraftwerk entwickelt werden. Die Gemeinde sollte die Gelegenheit nutzen, verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen und könnte so deutlich bessere Konditionen unter Beachtung des Klima- und Umweltschutzes erzielen.

Gerade in Zeiten knapper Kassen ist die Versuchung groß, sich von hohen Investitionssummen beeindrucken zu lassen – ohne alle langfristigen Folgen für Infrastruktur, Energieversorgung, Klima und Gemeindeentwicklung vollständig abschätzen zu können. Niemand bestreitet, dass Birstein wirtschaftliche Perspektiven braucht. Aber Entscheidungen mit Auswirkungen über Jahrzehnte dürfen nicht unter Zeitdruck und nicht über die Köpfe der Menschen hinweg vorbereitet werden, insbesondere so lange mehr Fragen offen sind, als Antworten vorliegen.

Legen Sie alle relevanten Informationen transparent dar und lassen Sie anschließend die Bürgerinnen und Bürger über das Vorhaben entscheiden."

Stefanie Müller
Birstein

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