"Wenn man sich durch das Gestrüpp des Fliegerjargons zwischen dem Inspekteur der Luftwaffe Gerhartz und weiteren Offizieren gelesen hat und die vielen Ähs, Mms und Wenns weglässt, darf man im Wesentlichen Folgendes feststellen: Es gibt eine deutlich ausgesprochene Sympathie für die Protaurus-Position des Verteidigungsministers Pistorius, ja geradezu die Hoffnung, dass dieser sich durchsetze gegen die erklärte Absage einer Lieferung dieses bis in die Tiefe des russischen Raumes hineinreichenden Waffensystems durch den Kanzler, der fürchtet, dass Deutschland damit kriegsrechtlich sich zum Kombattanten macht. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat dies Bedenken geteilt. Gerhartz wörtlich: 'Der Verteidigungsminister will wirklich tief in Taurus einsteigen.' Und: 'Keiner weiß so richtig, warum blockt der Kanzler hier.'
Wir wissen es und ein von der Politik berufener Inspekteur sollte es gleichfalls wissen. Ein Glück, dass wir in einem Land leben, in dem die Luftwaffe nicht gleich den Reichstag und das Kanzleramt zerbombt, um Scholz zu stürzen wie dazumal in Chile Allende. Aber fragen darf man wohl, wer hier eigentlich regiert bei so viel Unterstützung in der Taurusfrage durch die Grünen und die FDP und, wenn es ein muss, auch noch ein paar SPDler im Lager der Regierungskoalition. Immerhin, Gerhartz schickt sich noch in die Lage und klagt: 'Wir werden das Ding nicht zum Fliegen bringen.' Um später zu spekulieren: 'Wenn wir uns dann mal politisch entscheiden würden...wie könnte dann die ganze Nummer am Ende laufen?'
Und das klären dann die Herren bis ins Detail und über viele Stunden. Die Kosten für den Taurus, viel höher als geplant, wird unangenehm auffallen im Verteidigungsausschuss. 'Frage, wer bezahlt das?' Vorschlag, der Hersteller bildet aus. Am besten mit den Briten gemeinsam. Planung und Schulung, Datenbanken, Satellitenbilder. Offizier Fenske: 'Das kann man theoretisch auch in Büchel machen.' Weiter Gerhartz: '50 in der ersten Tranche und wenn sie uns würgen.' Ich traue meinen Augen nicht, spricht er so von Ukrainern - 'würgen', ich hoffe, es ist ein Übertragungsfehler. Die Zwischenlösung bis zum Einsatz sollen, so die einhellige Meinung, die Engländer übernehmen. Wie peinlich für die Nato, hier der Hinweis darauf, dass bereits englische Soldaten auf ukrainischen Boden kämpfen. War eigentlich höchste Stufe Geheimhaltung. Dazu Gräfe: 'Stell dir vor, das kommt in die Presse.' Zum Thema Einbeziehung der Presse freut sich Florstedt: 'Pfenni schreibt gerade 'Bitte Inspekteur ausrichten, Interview mit der Süddeutschen Zeitung problemlos gelungen.' Wir kommen zum Schluss: Gerhartz hat einen Ratschlag für seine Kameraden: 'Bastelt was Visuelles (für den Ausschuss) und immer dran denken, die kommen aus einer ganz anderen Gedankenwelt als wir.' Da können wir dem Trupp Soldaten beipflichten. Uneingeschränkt."
Jörg Sternberg
Hanau
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Versucht man, die unbedarften und sicherheitspolitisch naiven Äußerungen der Mitglieder der Bundeswehrführungselite zu analysieren, spielen deren Überlegungen im Zusammenhang etwa mit der Zerstörung der Krimbrücke, deren Pfeilern im geleakten cast thematisiert werden, nur eine untergeordnete Rolle.
Wichtiger ist wohl, dass es an Problembewusstsein zu fehlen scheint, das man von Leuten erwarten muss, die ihre Finger an Knöpfen haben, die den 3. Weltkrieg und sogar das Ende der Menschheit einläuten könnten.
Das verantwortungslos anmutende Gerede darüber, den Krieg nach Russland tragen zu wollen (wie das auch viele lauten Stimmen der Ampel und der Christdemokraten für klug halten), macht vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Russland eine unbesiegbare Atommacht ist, die nur angegriffen werden sollte, wenn man gleichzeitig den Weltuntergang befürwortet, wenig Sinn.
Gleiches gilt für die Provokationen, die sich die deutsche Politik im Zusammenhang mit Moskau erlaubt. Dort werden nämlich die Stimmen lauter, die in Berlin wieder den "Erzfeind" sehen, der bekanntlich vor nicht allzu langer Zeit durch einen bestialischen Angriffskrieg mehr als 20 Millionen Sowjetbürger getötet hat.
Aber all das zählt nicht mehr, wie auch die Zustimmung zur Wiedervereinigung oder die Rede Putins im Bundestag, als der noch nicht als das Böse schlechthin identifiziert war und auf Kooperation mit dem Westen gesetzt hat.
Um einen anderen Literaten zu bemühen: Wir leben in kafkaesken Zeiten.
Herr Sternberg möge mir verzeihen, wenn ich nicht all seine klugen Hinweise richtig dargestellt habe.
Ich fürchte jedoch das es viele Überfordern würde weil es doch komplexer ist als Nazis raus zu brüllen.
Leiten wir es einfach so ab:
Nur Experten am Werk - In der Bundesregierung und Bundeswehr, NICHT.
Aber immerhin geht es nicht wie überall in Politik und Medien darum, dass abgehört wurde,
sondern mal um den eigentlichen Inhalt.
Das schlimme dabei, dass es inhaltlich darum geht, Deutschland bewusst in den Krieg zu führen.
Auch, dass die Offiziere scheinbar hinter dem Rücken des Ministers und des Kanzlers Pläne schmieden, den Krieg anzuzetteln.
Völlig ohne Konsequenzen für irgendwen.
Einfach nur lächerlich, was hier abläuft. Und aufgebauschte Skandal dreht sich nur ums Abhören.