TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Landwirtschaft, Artenvielfalt und Verantwortung für kommende Generationen im Mittelpunkt

Landwirtschaft, Artenvielfalt und Verantwortung für kommende Generationen im Mittelpunkt
Ökolandwirt Matthias Härter, wie er mit den Teilnehmenden über ökologische Landwirtschaft und Artenvielfalt diskutiert.

Wie funktioniert ökologische Landwirtschaft in der Praxis? Welche Bedeutung haben Artenvielfalt und geschlossene Stoffkreisläufe für die Zukunft unserer Ernährung?

Keiler Bier

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden der Demokratiewerkstatt Flörsbachtal der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH (BiP) bei ihrem jüngsten Treffen auf dem Ökohof Mosborn. Matthias und Jakob Härter führten die Besucherinnen und Besucher über Hof, Weiden und Ackerflächen und gewährten dabei Einblicke in die Prinzipien ökologischer Landwirtschaft. Matthias Härter hat den Betrieb inzwischen an seinen Sohn Jakob übergeben, der den Hof heute mit seiner Familie weiterführt. Die Teilnehmenden erfuhren unter anderem, welche wichtige Rolle Klee, Lupinen oder Linsen für die Bodenfruchtbarkeit spielen. Durch die Zusammenarbeit mit speziellen Bodenbakterien wird Stickstoff aus der Luft gebunden und dem Boden auf natürliche Weise zur Verfügung gestellt.

„Es ist mir ein Anliegen, darüber aufzuklären, wie wir mit der Natur umgehen“, betonte Matthias Härter während der Führung. „Wir tragen Verantwortung – auch für die nachfolgenden Generationen.“ Neben Fragen der Bodenbewirtschaftung wurden aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft thematisiert. Die Landwirte berichteten von Schutzmaßnahmen für ihre Tierbestände und äußerten ihre Sorge über die zunehmende Ausbreitung des Wolfs. Auch die wachsende Zahl von Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde diskutiert. Der Ausbau erneuerbarer Energien sei wichtig, gleichzeitig müsse der Zielkonflikt zwischen Energiegewinnung und Lebensmittelproduktion differenziert betrachtet werden.

Die Demokratiewerkstätten der BiP sind ein Konzept aufsuchender und partizipativer politischer Bildung. Die Themen werden von den Teilnehmenden eingebracht und gemeinsam diskutiert. Entsprechend vielfältig war auch die Zusammensetzung der Besuchergruppe auf dem Ökohof. Neben Bürgerinnen und Bürger aus Flörsbachtal waren Gäste der Demokratiewerkstätten (DW) Hasselroth und Brachttal vertreten. Inzwischen bestehen sieben lebendige DW im Main-Kinzig-Kreis. „Das Interesse wächst stetig. Besonders erfreulich ist, dass die Menschen zunehmend auch Veranstaltungen in anderen Kommunen besuchen“, berichtete Matthias Müller-Stehlik von der BiP Die dadurch entstandene Vernetzung fördere den Austausch über Gemeindegrenzen hinweg und stärke den demokratischen Zusammenhalt in der Region.

Den Abschluss der Hofführung bildete ein gemeinsames Beisammensein im Hofcafé des Ökohofes. Bei Kaffee und hofeigenen Produkten entwickelte sich eine angeregte Diskussion über Landwirtschaft, Naturschutz und Artenvielfalt. Einen Blick in die Geschichte Mosborns warf dabei Udo Weiß, Teilnehmer der DW und engagierter Hobby-Historiker. Er erläuterte die Entstehung des sOrtsteils im Zusammenhang mit dem Bergbau in Bieber. Die Versorgung der dort beschäftigten Bergleute habe maßgeblich zur Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe in Mosborn beigetragen. Viele Gebäude zeugen noch heute von dieser Geschichte. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie eng Pflanzen- und Tierwelt miteinander verknüpft sind. „Jedes Kraut hat sein Insekt“, erläuterte Matthias Härter. Viele Insektenarten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen und bilden wiederum die Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere. Werden diese Pflanzen verdrängt, verschwinden häufig auch die von ihnen abhängigen Tierarten. Auch sogenannte Beikräuter erfüllen wichtige ökologische Funktionen und geben Hinweise auf die Beschaffenheit des Bodens. Die Vegetation kann damit als natürlicher Anzeiger für die Bodenverhältnisse dienen.

Die Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt von den vielfältigen Einblicken in die ökologische Landwirtschaft und nutzten die Gelegenheit für zahlreiche Nachfragen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Landwirtschaft, Naturschutz und Ernährungssicherheit zentrale gesellschaftliche Themen sind, die einen offenen Dialog zwischen Produzenten und Verbrauchern erfordern. Das nächste Treffen der Demokratiewerkstatt Flörsbachtal findet am Dienstag, 12. August 2026, um 18:00 Uhr im Landgasthof Ziegelhütte in Lohrhaupten statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, teilzunehmen und eigene Themen, Fragen und Ideen einzubringen.

Informationen erhalten Interessierte unter demokratiearbeit@bildungspartner-mk.de.

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
Interkulturelle Wochen im Main-Kinzig-Kreis