





Professor Bernhard Fleckenstein, Vorsitzender des Kunst- und Kulturvereins Kaleidoskop, hatte sich für eine entsprechende Würdigung des zu Lebzeiten weltberühmten Künstlers aus Freigericht stark gemacht und im Heimat- und Geschichtsverein sowie schließlich auch bei der Gemeinde und dem Kreis Unterstützer gefunden. „Nun steht es da und hoffentlich diesmal auch fest“, wäre die kleine Gedenkstunde samt Denkmal-Enthüllung allerdings fast ausgefallen, da der Gedenkstein von Rabauken in der vergangenen Woche umgestoßen wurde.
Amberg wurde 1874 in Hanau geboren und lernte zunächst an der dortigen Zeichenakademie. Seine Ausbildung erhielt er zudem an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums, an der Académie Julian in Paris und zuletzt als Meisterschüler des Bildhauers Louis Tuaillon an der Akademie Berlin. Berühmt wurde er als Gestalter und Modelleur für Tafelschmuck aus Edelmetallen und Porzellan. Zum einem herausragenden Vertreter des Jugendstils machten ihn seine Entwürfe für Figuren, die ab 1908 von der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin gefertigt wurden. In dieser Zeit hat er auch die Neuseser Dorfkirche und die Taufkapelle im bäuerlichen Stil ausgemalt und mit Fresken ausgeschmückt.
Berühmt ist bis heute sein Porzellanzyklus „Hochzeitszug“, der bis heute erhalten ist. Der Tafelaufsatz aus 20 Figuren und acht weiteren Teilen, den Amberg anlässlich der Hochzeit des deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm mit Cecilie von Mecklenburg-Schwerin in den Jahren 1904/1905 entworfen hatte, wurde bei der Brüsseler Weltausstellung 1910 mit der Goldmedaille ausgezeichnet und sind bei Sammlern bis heute sehr begehrt. Viele seiner Werke, darunter das von ihm gestaltete Trauzimmer im Heilbronner Rathaus, gingen allerdings im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges verloren, und auch in Freigericht ist von seinem Wirken nichts mehr zu sehen. Seine Malereien und Fresken in der Kirche wurden, von Feuchtigkeit angegriffen, 1952 abgekratzt und übertüncht und nach dem 1962 das Grab seiner Eltern in Neuses entfernt wurde, verschwand auch die von Amberg gefertigte Bronzeplastik „Madonna mit Kind“. Tragisch war auch das Lebensende des Künstlers: 1913 wurde er aus ungeklärten Umständen tot im Berliner Grunewald gefunden, über seine letzte Ruhestätte ist nichts Genaues bekannt.
„Wir setzen Adolph Amberg hier ein Gedenkstein und Grabstein zugleich“, betonte Fleckenstein, dass das Denkmal im Park in Neuses der einzige öffentlich zugängliche Ort der Erinnerung an den Künstler ist. Das vor einigen Jahren einmal angedachte Museum werde es nicht mehr geben, da die noch vorhandenen Werke von Amberg zu sehr verstreut seien. Fleckenstein dankte besonders Ortsbeiratsmitglied Manfred Reus, der Sockel und Bodenplatte gespendet hatte, sowie Franz Josef Peter, der die beiden Bronzetafeln mit dem Flachrelief des Profils von Amberg unentgeltlich gefertigt hatte.
„Die Gemeinde hatte ihren großen Sohn bisher vernachlässigt“, war Fleckenstein daher froh, dass er nun endlich gemeinsam mit Bürgermeister Joachim Lucas, dem Künstler Franz Josef Peter und Rudolf Schilling vom Heimat- und Geschichtsverein in einer Gedenkstunde, die von der Gruppe „Viertel vor Sax“ musikalisch umrahmt wurde, das Denkmal enthüllen durfte.
Foto (von links): Künstler Franz Josef Peter, Professor Bernhard Fleckenstein (Vorsitzender Kaleidoskop), Bürgermeister Joachim Lucas und Rudolf Schilling (Heimat- und Geschichtsverein) enthüllten das Denkmal für Adolph Amberg im Park in Neuses.



