In diesen Tagen feiert sie hier ihren zweiten Geburtstag und ist in der neuen Umgebung inzwischen vollständig angekommen. Die Eingewöhnung dauerte nur wenige Wochen und das neue Familienmitglied hatte die Herzen von Melanie und Markus Ost erobert. Auch die neunjährige Tochter hat ihre Rolle als „große Schwester“ schnell gefunden und ist sehr glücklich über den plötzlichen Zuwachs.
Zwar hatte sich die neue Pflegefamilie gemeinsam mit dem Jugendamt auf die neue Herausforderung vorbereitet, doch „dann ging alles ganz schnell“, berichtet Markus Ost. Ursprünglich hatte das Paar über eine Adoption nachgedacht und dazu in der Kreisverwaltung eine Informationsveranstaltung besucht. Hier ging es dann auch um die Hintergründe zum Thema Pflegefamilien und den ständig wachsenden Bedarf an geeigneten Bewerbungen.
„Die Schilderungen haben uns sehr berührt und zum Umdenken gebracht“, sagt Melanie Ost. So hat sich das Ehepaar dann näher mit dem Thema „Pflegeeltern“ beschäftigt und sich kurzerhand für diesen Weg entschieden. Der wesentliche Unterschied ist die Tatsache, dass die familiäre Bindung mit dem Pflegekind befristet sein kann. Unter Umständen sind auch die berechtigten Belange und Bedürfnisse der Herkunftsfamilie zu berücksichtigen.
Das hat das Ehepaar aus Freigericht auch bereits erlebt, denn sowohl zur leiblichen Mutter als auch zu einer älteren Schwester gab es bereits Kontakt. Aber solche Begegnungen werden in der Regel vom Jugendamt organisiert und begleitet. Auch das Familiengericht ist in vielen Fällen beteiligt. „Diese Konstellation ist zwar mitunter eine Herausforderung, aber kein wirkliches Problem“, berichtet Markus Ost und äußert Verständnis für die „nachvollziehbaren Umstände“.
„Wer sich dieser Aufgabe stellt, muss sich im Klaren sein über die Unterschiede zu einem eigenen Kind und sollte diese besonderen Tatsachen von Beginn an möglichst offen und ehrlich vertreten“, schildert das Ehepaar seine Erfahrungen. Die entsprechende Beratung und Unterstützung leistet das Jugendamt, aber im Alltag müssen die Pflegeltern die Herausforderungen selbst meistern. Für Familie Ost waren das bisher „keine großen Hürden“ und es überwiegen die Freude über die gute Entwicklung der kleinen Lisa und die vielen fröhlichen Stunden.
Dabei ist sich das Ehepaar bewusst, dass sie mit der aktuellen Situation großes Glück haben, denn nicht selten bringen die Pflegekinder auch ihre Belastungen und negativen Erlebnisse mit in die neue Umgebung. Zwar versucht das Jugendamt die Rahmenbedingungen und Erwartungen der künftigen Pflegeeltern zu berücksichtigen, aber das kann erwartungsgemäß nicht immer gelingen.
Außerdem muss man bereit sein, die Prioritäten und auch die Lebensumstände den neuen Gegebenheiten anzupassen. So hat Melanie Ost in ihren Beruf eine Pause eingelegt, um sich ohne Einschränkungen der gewachsenen Familie zu widmen. Und auch ihr Mann ist mit gleicher Überzeugung und großer Leidenschaft dabei, um das gemeinsame Glück zu gestalten. „Wir können hier unmittelbar erleben, wie unser gemeinsamer Einsatz wirkt und die kleine Lisa sich positiv entwickelt“, beschreiben sie ihre Motivation.
Ein hilfreicher Aspekt sind auch die regelmäßigen Treffen mit anderen Pflegefamilien im Main-Kinzig-Kreis, wo sich die Eltern mit ähnlichen Aufgaben und die Kinder mit vergleichbaren Hintergründen begegnen. „Dieser offene Erfahrungsaustausch ist ein wirksamer Beitrag zur Normalität, denn so wird deutlich, dass ein Leben in einer Pflegefamilie gar nicht so außergewöhnlich ist“, erläutert Melanie Ost. Zudem vermittelt der Kontakt zu älteren Pflegekindern auch die Perspektive, was unter den vielleicht als „schwierig“ betrachteten Umständen möglich sein kann.
Unter dem Strich sehen sich Melanie und Markus Ost in ihrer Entscheidung in vollem Umfang bestätigt und würden auch wieder so handeln. Mit ihrer Erfahrung wünschen sie sich, dass sich weitere Familien finden, die sich im Sinne der betroffenen Kinder der Herausforderung stellen. Das Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises bietet dafür die entsprechende Beratung und im zweiten Schritt auch die notwendige Qualifikation.
Erste Informationen finden sich auf der Homepage des Main-Kinzig-Kreises unter dem Stichwort Pflegekinderdienst oder per Mail: pflegekinder-adoption@mkk.de.




Kommentare
Meine Eltern wollten gerne den kleinen Kerl adoptieren,aber es ging nicht. Nach einem Jahr müssten wir das Kerlchen 2 Jahre alt an seine Mutter abgeben. Er sagte zu meiner Mutter Butti, wir meine Geschwister und ich sagten zu ihr Mutti.
Ja wir mussten ihn abgeben und es war so traurig,dass ich in Erinnerung immer noch weinen muss. Mittlerweile bin ich 44 Jahre älter und meine Eltern verstorben. Es war als ob wir ein Kind verlieren würden. Es war so schlimm. Dann war die Mutter mit ihm 1 Jahr verschwunden und dann kam jemand vom Jugendamt um meine Mutter zu befragen. Er war dann bei einer neuen Pflegefamilie und wir hätten ihm zu gerne ein schönes zu Hause geschenkt.
ihr Artikel ist sehr schön geschrieben und auch wir erfreuen uns an unseren Pflegekindern, aber sie hätten deutlicher herausstellen können, dass zwischen Bereitschaftspflege und Dauerpflege unterschieden werden muss. Dauerpflegekinder kehren nicht in ihre Herkunftsfamilien zurück, sondern bleiben in ihren Pflegefamilien bis sie erwachsen sind. Wie oft würden wir gefragt, ob wir unsere Kinder wieder abgeben müssen! Nein, das wird niemals passieren. Aber dieser Irrglaube ist weit verbreitet und hemmt wahrscheinlich viele Familien Kinder aufzunehmen.
Alles Gute!