Fotos von Grabungsfunden machten die Lebensweise und Handelsbeziehungen der Kelten und früherer Siedler in unserer Region lebendig.
Zunächst ging Dr. Schmitt auf die bedeutenden Bodendenkmäler in Freigericht ein und verwies auf die bekannten Grabhügel in den Wäldern von Horbach, Neuses und Somborn. Die Funde aus der späten Jungsteinzeit, 3. Jahrtausend v. Chr., dürfte den archäologisch Interessierten bereits bekannt sein. Wesentlich älter sind die Funde, die am Hof Trages 1992 gemacht wurden. Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins sowie ehrenamtliche Mitarbeiter der Kreisarchäologie führten dort unter fachlicher Anleitung Bergungen durch. Die Siedlungsstelle aus der Zeit der bandkeramischen Kultur – ca. 5700 bis 4900 v. Chr. - erbrachte zahlreiche Keramikscherben, Steinwerkzeuge, Mahl- und Reibesteine, die eindeutig der jüngeren bandkeramischen Kultur zugeordnet werden konnten. Dieser Siedlungsplatz ist ein wichtiges Zeugnis für den Beginn der Sesshaftigkeit, womit Rodungen, Ackerbau und Viehzucht und erstmals Keramikherstellung verbunden waren.
Einen Schwerpunkt des Vortrages legte der Referent auf die Zeit, als die Kelten unsere Heimat besiedelten. Mit Erläuterungen zu den Grabungsfunden aus 1993 am Ortsrand von Altenmittlau erhielten die Besucher einen näheren Einblick in die Zeit der Kelten. Der Nachweis eines keltischen Grubenhauses und zahlreicher Keramikscherben von Vorratsgefäßen, von Ess- und Trinkgeschirr, Schüsseln und Schalen geben Zeugnis vom alltäglichen Leben in der Latènezeit, der Zeit der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends vor Christi Geburt. Träger der Latène-Kultur waren die Kelten, die vom 8. Jh. bis zum 1. Jh. v. Chr. Mitteleuropa besiedelten. Es sind Kelten, die Caesar, in heftige Kämpfe mit ihnen verwickelt, als Gallier bezeichnet. Bereits in frühkeltischer Zeit, der sogenannten Hallstattzeit, gab es rege Kontakte mit Griechen und Etruskern. Beste Beispiele in unserer Region sind Funde vom Glauberg und die keltische Saline von Bad Nauheim.
Im 4. und 3. Jh. v. Chr. stießen keltische Stämme nach Italien vor und bedrohten sogar Rom. Andere Stämme zogen über den Balkan nach Griechenland und in die Türkei. Dort dienten sie als Söldner unter verschiedenen Herrschern. Attalos I. von Pergamon bezwang ein keltisches Heer und errichtete ein Siegesdenkmal mit Darstellungen besiegter, heldenhafter Kelten, die auf Grund ihrer Niederlage den Freitot wählen. Andere keltische Gruppen, in Schriftquellen als Galater bezeichnet, siedelten sich in der Gegend von Ankara an. Ein Brief des Apostels Paulus ist an die Galater gerichtet und in einem Kommentar zu diesem Galaterbrief erwähnt der Kirchenvater Hieronymos, dass in seiner Zeit, d. h. im 4. Jh. n. Chr., noch keltisch gesprochen wurde. Es verwundert deshalb nicht, dass der bekannte türkische Fußballklub „ Galatasaray Istanbul“ die Kelten im Vereinsnamen trägt.
Mit kräftigem Applaus bedankten sich die Besucher herzlich für den interessanten und kurzweiligen Vortrag.



