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Gelnhausen: Veritas AG beginnt mit Stellenabbau

Gelnhausen: Veritas AG beginnt mit Stellenabbau

„Strategische Optimierung des Produktionsnetzwerkes“ lautet das Ziel einer Neuausrichtung der Veritas AG, wodurch die Position des Unternehmens auf dem Automobilzulieferermarkt in Zukunft gesichert werden soll. Das Konzept beinhaltet erhebliche Einsparungen auf der Kostenseite und damit verbunden wie bereits angekündigt eine Reduzierung des Personalbestandes.

VORSPRUNG - Anruf genuegt

Vorstand und Betriebsrat haben noch vor Ostern einen Sozialplan sowie den dazugehörigen Rahmeninteressenausgleich verabschiedet, der zunächst die Streichung von 80 bis 90 Stellen in Gelnhausen vorsieht.

Im Februar hatte das Unternehmen bereits über ein konzernweites Umstrukturierungsprogramm informiert und den Abbau von 250 „von mehreren hundert abzubauenden Stellen“ in Gelnhausen angekündigt. Dass es jetzt zunächst weniger werden sollen, ist laut Vorstandssprecher Bernhard Beck die Folge einer „harten, strammen, konstruktiven“ Verhandlungsführung des Betriebsrates. „Wir haben uns mit vielen Forderungen durchgesetzt“, sieht sich der Betriebsratsvorsitzende Glenn Lawrence bestätigt. Allerdings: Auf einer Pressekonferenz verkündeten Vorstand und Betriebsrat am Mittwoch nur das Ergebnis einer „1. Welle“, von denen es bis zum Abschluss des Umstrukturierungsprogrammes Ende 2017 insgesamt sechs geben soll.

Unbestritten ist, dass es nicht bei der jetzt angekündigten Streichung von 80 bis 90 Stellen bleiben wird. Wie viele von den derzeit 1861 Beschäftigungsverhältnissen in Gelnhausen in zweieinhalb Jahren noch bestehen werden, soll sich aber erst aus dem Prozess der Standortoptimierung ergeben. Vorstandssprecher Beck spricht von „schwierigen Zeiten, die wir derzeit miteinander gut bewältigen“ und kündigt den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in Gelnhausen an. Da die Veritas AG aber über einen extrem hohen Produktionsanteil in Deutschland verfüge, „müssen wir uns grundlegend dieser Thematik nähern“. Die beeinflussbaren Kosten sollen erheblich reduziert werden, „die Gesamtanzahl der Belegschaft in Gelnhausen wird zurückgehen“, will sich Beck aber auf keine konkreten Zahlen festlegen.

„Kein Headquarter, keine reine Denkzentrale, sondern weiterhin Produktionsstätte“, lautete seine Vorgabe für Gelnhausen, kündigt aber zugleich an, dass ein Teil der derzeit in der Barbarossastadt produzierten Komponenten und Systeme zukünftig auch in Ungarn oder Mexico hergestellt werden könnten. „Unser Ziel ist es, die Veritas AG in seiner Wertigkeit neu aufzustellen“, soll das Unternehmen in der Pyramide der Automobilzulieferer weiter nach oben klettern, um die Verhandlungsposition mit den Fahrzeugherstellern zu verbessern. Die Auftragslage sei aktuell gut, die Anzahl der Schichten wurde unlängst sogar erhöht.

„Wir sehen die Notwendigkeit für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“, bezeichnet es der Betriebsratsvorsitzende Glenn Lawrence als Erfolg, dass der Stellenabbau in der „1. Welle“ deutlich reduziert wurde, „betriebsbedingte Kündigungen wird es dabei noch viel weniger geben“. Rentennahen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll zunächst ein abschlagsfreier Ruhestand angeboten werden, wenn dieser binnen 24 Monaten sowieso ansteht. „Die betroffenen Kolleginnen und Kollegen können also zwei Jahre früher in den Ruhestand gehen, ohne Geld zu verlieren“, so Lawrence. Ist das ausgeschöpft, müssen zunächst den Mitarbeitern der Stammbelegschaft Arbeitsplätze im Unternehmen angeboten werden, die derzeit von Leiharbeitern oder befristet beschäftigten Mitarbeitern besetzt sind. Bei einer niedrigeren Eingruppierung behalten die Mitarbeiter ihr letztes Bruttomonatsgehalt, nehmen an zukünftigen Tarifsteigerungen aber erst wieder teil, wenn dieser Betrag in der niedrigeren Entgeltsstufe erreicht ist.

Die Beschäftigten, die das Unternehmen verlassen müssen, können für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft wechseln, bekommen so 75 bis 80 Prozent ihres letzten Nettogehaltes und sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Einzige Aufgabe der Transfergesellschaft ist es, diese Männer und Frauen in neue Jobs zu vermitteln. Zudem haben die betroffenen Mitarbeiter einen Anspruch auf eine Abfindung. Abschließend heißt es in einer Stellungnahme der Mitarbeitervertretung: „Der Betriebsrat sieht die aktuelle Situation nach wie vor sehr kritisch. Im Interessenausgleich hat sich die Veritas verpflichtet, den Betriebsrat im gesamten Restrukturierungsprozess eng einzubinden. Wir haben also auch zukünftig Einflussmöglichkeiten, um dabei mitzuhelfen, die Veritas zurück in die Erfolgsspur zu bringen.“

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