TPL_VORSPRUNG_SKIP_NAV
Keiler Bier

Hanauer Verkehrsinitiative Kinzdorf: Stadt ignoriert 400 Unterschriften

Hanauer Verkehrsinitiative Kinzdorf: Stadt ignoriert 400 Unterschriften

"Am 30.10.2024 fand ein Treffen zwischen dem Verkehrsdezernat der Stadt Hanau und Vertretern der Verkehrsinitiative Kinzdorf statt. Stadträtin Isabelle Hemsley (CDU) hatte, wie anlässlich der Übergabe von über 400 Unterschriften für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Frühjahr zugesagt, eingeladen, um über zwischenzeitliche Aktivitäten der Stadt zu berichten", meldet die Verkehrsinitiative Kinzdorf in einer Pressemitteilung.

Vorsprung - WhatsApp Kanal
Gilde der Marktschreier

Demnach hat es im Sommer eine Verkehrszählung und Geschwindigkeitsmessungen. Ergebnisse gegeben: "Die Anzahl durchfahrender Autos ist gegenüber früheren Messungen leicht gesunken, bleibt aber in der Größenordnung von knapp 10.000/Tag immer noch ähnlich wie bei früheren Messungen und damit unzumutbar hoch für die Anwohner. Die zulässige Geschwindigkeit wurde nur in geringem Umfang überschritten. Mit 150 LKW ist die Anzahl passierender LKW aber relativ hoch. Es wurden auch Schilder auf den Bürgersteigen angebracht, die die Radfahrer:innen und Autofahrer:innen darauf hinweisen sollen, dass der Radverkehr die Straße benutzen soll und nicht den Bürgersteig, mit entsprechender Behinderung der Fußgänger:innen. Allerdings: Die Schilder sind, wie auch die LKW-Verbotsschilder, schlecht sichtbar. Hier soll überprüft werden, welche Verbesserungen durchzuführen sind."

In der Diskussion habe sich Hemsley auch offen für zusätzliche Schutzmaßnahmen für den Radverkehr gezeigt: "Auf Anregung der Initiative soll nun wohlwollend untersucht werden, in welcher Weise Radpiktogramme auf der Fahrbahn angebracht werden können, die den Autofahr:innen anzeigen, dass Fahrräder auf der Straße fahren sollen. Hier wurde auf die besondere Bedeutung der Konrad-Adenauer-Straße als Radverbindung zwischen den Stadtteilen und der Innenstadt (im Radwegekonzept 'Lückenschluss' genannt) hingewiesen. Die genannten Maßnahmen begrüßt die Initiative natürlich. Allerdings ist damit keinerlei Reduktion der Belastung der Wohngebietsanwohner durch Lärm, Schmutz und Abgase gegeben. Verkehrstechnische Änderungen sind nicht vorgesehen, nicht durch eine Anliegerzone, nicht durch Erhöhung des 'Durchfahrtswiderstandes' und nicht durch die Verringerung der Zufahrten (zum Beispiel die Zufahrt von der Steinheimer Brücke in die Mainstraße nur noch für Busse vorzusehen, wie es der Ortsbeirat Innenstadt vorgeschlagen hatte). Stattdessen wird auf ein geplantes Verkehrskonzept verwiesen. Die über 400 Unterschriften wurden damit praktisch ignoriert. Es gab keine klare Antwort auf die explizit gestellte Frage, ob denn die Interessen von Anwohnern an ruhigerem Wohnen oder die Interessen der Autofahrenden Priorität haben sollen."

Hinzu komme: "Am 28.10.2024 hat das Land Hessen einen Lärmaktionsplan veröffentlicht, der nun auch für Hanau gilt, und der die Durchführung von Lärmreduzierungsmaßnahmen vorgibt. Das Kinzdorf, insbesondere die Konrad-Adenauer-Straße, ist davon, entsprechend der Lärmkartierung des Landes, auch betroffen. Aber auch aus diesem Aspekt sind offensichtlich keine konkreten Maßnahmen, die natürlich auch verkehrstechnischer Art sein können, vorgesehen. Vielmehr wird von der Stadt auf passiven Lärmschutz verwiesen (!). Fazit: Trotz über 400 Unterschriften betroffener Anwohner sind keinerlei Planungen zur Verbesserung der Situation der Anwohner in Sicht. Zählungen bringen noch keine Reduktion der Belastung, und Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger mindern auch nicht den Lärm. Viele der möglichen und bereits mehrfach diskutierten Maßnahmen, die bisher pauschal abgelehnt wurden, sind woanders – in Hessen, Deutschland und erst recht in anderen EU-Ländern - längst umgesetzt, mit meist positiver Resonanz. Mit der Weigerung, Entlastungen vom Autoverkehr umzusetzen, stellt sich Frau Hemsley gegen das kürzlich vom Parlament einstimmig beschlossene Leitbild 'Mobilität und Zukunft', in dem das Ziel 'Der Durchgangsverkehr in Wohnquartieren und innerstädtischen Bereichen ist zu reduzieren' ausdrücklich festgehalten ist. Wir geben daher die Hoffnung noch nicht auf, dass es auch in Hanau, beispielsweise im neuen Verkehrskonzept, doch noch Einsichten geben wird, und dass Planungen vorgesehen werden, die die Interessen von Anwohnern der von übermäßigem Verkehr in betroffenen Gebieten angemessen berücksichtigen. Eine Idee dazu kann sogar dem Radwegekonzept der Stadt entnommen werden: Der zuvor genannte 'Lückenschluss', mit deutlich markierten Radwegen und Vorrang für den Radverkehr, könnte das Durchfahren von Autos reduzieren. Für Frühjahr 2025 ist seitens Frau Hemsley ein weiteres Gespräch vorgesehen, wahrscheinlich mit Treffen vor Ort."

Artikel teilen: Teilen Tweeten Teilen
Ihnen ist etwas Interessantes aufgefallen im Main-Kinzig-Kreis? Schreiben Sie uns an info@vorsprung-online.de
Zeig dein Herz und spendiere der Redaktion einen Kaffee! Jede Unterstützung hilft uns, weiterhin unabhängig aus der Region zu berichten.
☕ Kaffee spendieren
MKK-Jobs