Bereits im Jahr 2014 wurde sie durch ähnliche Einrichtungen in anderen Orten dazu inspiriert, auch in Langenselbold einen Bücherschrank zu etablieren. Schnell fand sie in Clivia Schmidt, einer guten Bekannten und Kundin, eine Sponsorin, die ihr in der Gartenstraße Nr. 2 die Ausstellungsfläche im Eingang zum „Raum Glück“, dem früheren Hi-Fi & TV-Fachgeschäfts ihres Vaters, anbot. Nach kurzer Überarbeitung des Schaufensters wurden die ersten Bücher eingestellt.
SPD-Bürgermeisterkandidat Timo Greuel traf sich in entspannter Atmosphäre mit Bärbel Tarai und wollte als erstes wissen: „Was ist die Motivation einer Buchhändlerin, die schließlich vom Bücherverkauf ihren Lebensunterhalt bestreitet, einen Bücherschrank zu betreiben?“ Für Bärbel Tarai steht dabei der soziale Aspekt ganz klar im Vordergrund: „Ich sehe den Bücherschrank, der dazu gedacht ist, den Selbolder Bürgern den kostenlosen Austausch von Büchern zu bieten (Motto: Bring ein Buch, nimm ein Buch), nicht als Konkurrenz, sondern als wertvolle Einrichtung für Langenselbolder Bürger, die sonst aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Zugang zu teuren Büchern haben.“ Greuel lobt ihr Engagement und auch die Bereitschaft, fast täglich den Schrank zu überprüfen, mit nicht mehr benötigten Büchern zu bestücken und Exemplare zu entfernen, die ihre beste Zeit bereits überlebt haben. „Dieses soziale Engagement kann man ohne weiteres mit einem Ehrenamt vergleichen“, betonte Greuel im weiteren Gesprächsverlauf.
Im Februar 2019 musste Tarai den Bücherschrank schließen: „Trotz entsprechender schriftlicher Hinweise, darauf zu achten, nur aktuelle Bücher einzustellen, entwickelte er sich immer mehr zum Altpapier-Container und die Entsorgung der Bücher wurde für mich zu einer großen Belastung.“ Umso mehr freute sich Greuel, dass sich Tarai dann im letzten Monat entschlossen hat, den Bücherschrank, wenn zunächst auch nur unter Vorbehalt, wieder zu öffnen. Tarai bestätigte auf seine Nachfrage: „Der Bücherschrank befindet sich derzeit in einem tadellosen Zustand.“, was auch bei der Ortsbegehung ersichtlich wurde. Er bietet Platz für ca. 300 Bücher, und der Bücherumsatz pro Woche beläuft sich auf ca. 50 – 100 Bücher, was zeigt, dass der Bücherschrank hervorragend angenommen wird. Das zeigten auch die viele Nachfragen, die Tarai während der immerhin siebenmonatigen Schließung erhielt. Greuel ließ es sich nicht nehmen, den Bücherschrank mit einem Exemplar von „Helmut Schmidt – Der Weltkanzler“ zu bestücken.
Abschließend bedankte er sich bei Tarai für ihren Einsatz und resümierte: „Bärbel Tarai wirkt im Stillen und bewirkt dabei viel Gutes. Sie ist eine von vielen Heldinnen und Helden des Alltags, die Langenselbold so liebens- und lebenswert machen.“




