Umso problematischer sei es, dass die Verlässlichkeit der Verbindung seit langer Zeit von vielen Bürgerinnen und Bürgern als unzureichend erlebt werde: "Zugausfälle, Verspätungen, ausbleibende Anschlüsse und die seit Monaten eingeschränkte Verbindung mit Endpunkt Bad Vilbel führen für Pendlerinnen und Pendler sowie für Schülerinnen und Schüler immer wieder zu erheblichen Belastungen im Alltag. Besonders kritisch wird wahrgenommen, dass die Züge der Niddertalbahn seit Monaten überwiegend bereits in Bad Vilbel enden und Fahrgäste dort auf die S-Bahn umsteigen müssen. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit nach Frankfurt erheblich und die zusätzlichen Umstiege erhöhen das Risiko weiterer Verspätungen und Anschlussverluste. Wie anfällig diese Situation ist, zeigt sich aktuell erneut: Aufgrund einer Störung im Stellwerksbereich kommt es derzeit auch auf der S-Bahn-Linie S6 zu erheblichen Einschränkungen mit Verspätungen und Teilausfällen. Hiervon sind die Fahrgäste der Niddertalbahn in besonderem Maße betroffen, da sie wegen des derzeitigen Endpunktes in Bad Vilbel auf die S6 angewiesen sind. Treten auf beiden Linien gleichzeitig Störungen auf, verstärken sich die Auswirkungen gegenseitig. Dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig stabile Direktverbindungen und ein insgesamt verlässliches Verkehrssystem für die gesamte Region sind."
Der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Niederdorfelden nimmt diese Entwicklung zum Anlass, das Thema über die Gemeindevertretung aufzugreifen. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu einen Antrag eingebracht, mit dem der Gemeindevorstand beauftragt werden soll, über die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal eine schriftliche Anfrage an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur aktuellen Betriebssituation auf der Niddertalbahn zu richten und eine regelmäßige Berichterstattung einzufordern. Der Antrag wurde in der Gemeindevertretung zunächst in den Planungs-, Umwelt- und Kulturausschuss (PUKA) verwiesen.
„Als Grüne setzen wir uns für eine kommunale Verkehrspolitik ein, die sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiert. Dazu gehört für uns auch, den RMV als zuständigen Aufgabenträger in die Pflicht zu nehmen, für qualitativ hochwertige, stabile und verlässliche Mobilität auf der Niddertalbahn zu sorgen – nicht nur für Niederdorfelden, sondern für alle Gemeinden entlang der Strecke bis Glauburg-Stockheim“, erklärt Martina Spießl, Vorsitzende des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen Niederdorfelden.
Aus Sicht der Grünen handelt es sich längst nicht mehr nur um einzelne Störungen oder kurzfristige Einschränkungen. Vielmehr ist das Vertrauen in die Bahnverbindung auf der Niddertalbahn in Teilen bereits nachhaltig beschädigt. Immer wieder berichten Bürgerinnen und Bürger, dass sie sich aufgrund der anhaltenden Unzuverlässigkeit alternative Wege organisiert haben – häufig in Kombination mit dem Auto. Für eine nachhaltige Verkehrspolitik ist dies ein alarmierendes Signal.
Gerade für Niederdorfelden ist eine verlässliche Schienenanbindung von hoher Bedeutung – für den Schulweg, für den Arbeitsweg, für klimafreundliche Mobilität im Alltag und für die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs insgesamt. Wer Menschen dauerhaft für Bus und Bahn gewinnen will, muss dafür sorgen, dass diese Verkehrsmittel im Alltag auch tatsächlich funktionieren.
Mit dem eingebrachten Fragenkatalog wollen die Grünen Transparenz über die tatsächliche Betriebsqualität der Niddertalbahn schaffen, eine klare Ursachenanalyse der wiederkehrenden Störungen einfordern und belastbare Perspektiven für Verbesserungen auf der Strecke erhalten. Gleichzeitig soll über die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Niddertal eine regelmäßige Berichterstattung gegenüber den Kommunen angestoßen werden.
„Wir erwarten vom RMV nicht nur Antworten auf unsere Fragen, sondern auch eine klare Strategie, wie die Verlässlichkeit der Niddertalbahn wieder nachhaltig verbessert werden kann. Die Menschen entlang der Strecke brauchen keine allgemeinen Absichtserklärungen, sondern eine funktionierende und zuverlässige Bahnverbindung. Mobilitätswende gelingt nur, wenn sich die Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr verlassen können“, so Martina Spießl abschließend.




