Dabei erfasste sie auch, wie viele besetzt waren und wie viele Jungstörche dort leben. „Es war ein wunderschönes Gefühl, all diese Störche zu sehen.“ berichtet Lars Pohl, Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule in Langenselbold, der zurzeit ein Betriebspraktikum bei der GNA absolviert und den Naturschützern bei ihrer Arbeit zwei Wochen lang „über die Schulter“ schaut.
Insgesamt fand das zweiköpfige Team, zu dem auch der Artenschützer Günter Könitzer (GNA) zählte, insgesamt 14 Storchennester, von denen 12 besetzt waren. In jedem Nest saßen etwa zwei bis drei Storchenjunge, so dass die Anzahl an Jungvögeln auf etwa 26 bis 30 Exemplare geschätzt wurde.
Schwerer als ein Pferd
„Es ist einfach nur erstaunlich, wie schwer diese Nester werden können. Manche wiegen sogar über eine Tonne und sind damit schwerer als die meisten Pferde. Ein Grund ist, dass die Storcheneltern nie aufhören, an ihrem Nest zu bauen. Das kann aber für Probleme sorgen, wenn sie zum Beispiel auf einem zu schwachen Ast nisten, der abbricht. Dann müssen sie ein komplett neues Nest aufbauen.“ äußerte der Achtklässler.
„Was aber sehr gut war, dass wir kein einziges Storchennest auf einem Strommast gefunden haben. Störche sind nämlich Nistplatz-Traditionalisten. Wenn sie ihr Nest einmal auf einem Strommast bauen, machen sie das immer wieder. Die Küken, die in einem solchen Nest groß werden, sind darauf geprägt und werden dann ebenfalls an diesem Standort ein Nest bauen. Dieses Nistverhalten könnte zu Stromausfällen führen, aber vor allem können die Störche an Stromschlägen und Kollisionen mit den Hochspannungsleitungen sterben.“ berichtete Könitzer.
Störche sind Zugvögel
Es gibt zwei verschiedene Gruppen, die sich im Zugverhalten unterscheiden. Die „Westzieher“ und die „Ostzieher“. Eine genaue Grenze gibt es nicht. Wer wohin zieht, wird grob durch die Elbe und durch ihre genetische Herkunft entschieden. Wer westlich von der Elbe brütet, ist meist ein Westzieher und wer östlich der Elbe brütet, meist ein Ostzieher.
Die Routen könnten nicht unterschiedlicher sein
Die „Westzieher“ fliegen über Frankreich und Spanien nach Westafrika. Es gibt allerdings mittlerweile westziehende Störche, die den Flug verkürzen und auf der Iberischen Halbinsel überwintern. Der Klimawandel und Mülldeponien, die als Nahrungsquelle dienen, machen es möglich. Die „Ostzieher“ fliegen über den Bosporus und den Nahen Osten nach Ost- und Südafrika.
Artverwandt und doch verschieden
Weiß- und Schwarzstorch sind enge Verwandte, die nicht viel gemeinsam haben. Sie unterscheiden sich stark in der Lebensweise und im Verhalten. Während der geselligere Weißstorch offene Landschaften und die Nähe des Menschen sucht, ist der Schwarzstorch ein extrem scheuer Waldbewohner, der menschliche Siedlungen meidet. Auch bei der Ernährung gibt es Unterschiede: Der Weißstorch ernährt sich von Kleinsäugern, Amphibien, Reptilien und Insekten, während der Schwarzstorch sich hauptsächlich von Fisch ernährt.
Auch die Bestände sind sehr unterschiedlich. Der Schwarzstorch ist in Deutschland gefährdet. Es gibt nur noch etwa 800 bis 900 Brutpaare. Der Bestand der Weißstörche ist dagegen seit den 2000er Jahren immer weiter gestiegen. Weltweit gesehen ist der Schwarzstorch aber als nicht gefährdet eingestuft, da er von Europa bis nach Asien verbreitet ist.
Was den Schwarzstorch vom Weißstorch auch unterscheidet, ist sein Zugverhalten. Schwarzstörche verlassen etwas später als Weißstörche ihre Brutgebiete (Ende August bis Anfang September). Der größte Unterschied ist aber, dass der Schwarzstorch schon mal weitere Strecken über das Meer fliegt, was der Weißstorch nicht kann. Allein oder in kleinen Gruppen überwintern sie entweder in Westafrika oder sie bleiben in Europa und überwintern in Portugal oder Spanien.
Die GNA engagiert sich aktiv für den Naturschutz, den Erhalt wertvoller Lebensräume sowie für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Wer diese Ziele unterstützen möchte, kann die gemeinnützige Organisation mit einer Spende fördern. Die Spenden kommen konkreten Projekten zugute und sind steuerlich absetzbar. Die Bankverbindung lautet: Raiffeisenbank Rodenbach, IBAN: DE75 5066 3699 0001 0708 00. Weitere Informationen zu Projekten, Aktionen und Veranstaltungen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung des kostenlosen Newsletters finden sich unter www.gna-aue.de, E-Mail: gna.aue@web.de.



