Diese Frage wurde häufig an den Rodenbacher Buchhändler Detlef Knoll herangetragen, so dass er beschloss, der deutschen Lokalkrimiszene mit „Wald-Sterben“ ein weiteres Werk hinzuzufügen. Vorgestellt hat es der 63jährige Jungautor im Medientreff Rodenbach. Da Rodenbach über keine Polizeistation verfügt, greift der findige Autor zu einem Trick und verlegt den Wohnsitz des Hanauer Kommissars Dietmar Kondrus nach Rodenbach. Seine Kollegin Marion Wichert ist in Langenselbold ansässig, das erschließt neue Zielgruppen und erweitert den Tatort. Aufregend für den Autor ist sein erster Mord: dieser findet im Rodenbacher Wald in der Nähe des Altenzentrums statt, Annemarie Rosenberg, die Dame am Empfang belibt cool: „Tote sinn mer hier gewöhnt, es is schließlich es Altenzentrum.“
Nach der Lesung des Mord-Kapitels referiert Knoll über die unterschiedlichen Krimi-Kategorien: A) Der Wohlfühlkrimi – Es wird zwar gemordet, aber mit Stil und in attraktiver Umgebung. Der eigentliche Kriminalfall ist eher Beiwerk. Die Hauptrolle spielt das Ambiente, eine attraktive Stadt oder Landstrich wie Venedig, Provence oder das Allgäu. Beispiel: Kluftinger-Krimis. B) Der Psychothriller – erzeugt den ultimativen Nervenkitzel ohne physische Komponenten, wichtiger sind die Leiden, die das Opfer erduldet. Letztendlich C) Schlitzer-Krimis – werden von Frauen bevorzugt, Blut fließt im Überfluss, so dass man die Krimi immer waagrecht halten sollte, um zu verhindern, dass rote Flüssigkeit austritt. Wald-Sterben ist eine Mischung aus Kategorie A und B, Vorbild ist Inspector Barnaby. im weiteren Verlauf lernt das Publikum zwei dubiose Verdächtige kennen, davon einen mit Schäferhund: „ D’Rex ist ka Bestie. Der passt nur uff, so wie er soll“ und es passiert ein zweiter Mord. Nachdem sich das Publikum nach den ersten aufregenden Passagen in der Pause gestärkt hat, erfährt es mehr zur Entstehung und Veröffentlichung. Wie hat man sich die Entstehung vorzustellen? Dazu der Schöpfer:“ Der bereits ergraute Jungautor sitzt sonntagsmorgens – die entscheidenden Dinge in diesem Roman habe ich mir haupt-sächlich sonntagsmorgens ausgedacht – er sitzt also sonntagsmorgens an seinem Schreibtisch. Die Finger schweben über der PC-Tastatur und er hat die feste Absicht, jetzt die ersten Zeilen zu Papier zu bringen – und schon sind die ersten Zweifel da: Du schreibst ein Buch, für wen eigentlich? Wirst Du überhaupt jemand finden, der es veröffentlicht? Wirst Du eine Druckerei finden, die es druckt?“ Der Schriftsteller entschließt sich, das Buch im Eigenverlag herauszugeben und ist damit Autor, Verleger, Lektor, Produktionsleiter und Drucker in Personalunion.
Er vergleicht es mit einer Geburt , nur dass er Vater, Mutter, Hebamme Arzt und Kind in einem ist. Natürlich gibt es auch „Stellen“ im Buch, ohne die man seit „Fifty Shades of Grey“ nicht mehr auskommt, die Frage, die der Autor sich stellt, ober er Sexszenen schreiben kann, beantwortet er mit ja und äußert die Befürchtung, dass er sogar über das Ziel hinausschießt. Aber „Sex sells“ gilt schließlich auch für Rodenbach-Krimis. Die „Stellen“ bleiben dem Publikum während der Lesung leider vorenthalten, da der Autor zu genant ist. Nach Fertigstellung des Romans beginnt die eigentliche Arbeit. Der Duden Korrektor ist ein doofes Computerprogramm, das Schreibfehler entdeckt, aber Zusammenhänge nicht erkennt. Und die Kommaregeln 101 und 106 treiben den Schaffenden zur Verzweiflung bis er die Kommaregel 107 entdeckt: „Oft können die Schreibenden durch die Kommasetzung selbst entscheiden, ob sie Wörter oder Satzteile als Zusatz kennzeichnen wollen oder nicht.“ Er wusste es doch: „Setz die Kommas so, wie du es denkst.“ Detlef Knoll beschließt seine Lesung mit dem Hinweis, dass „Wald-Sterben“ Pflichtlektüre für jeden Rodenbacher sei, schon alleine deshalb, damit eine zweite Auflage nötig wird, um die Fehler korrigieren zu können. Eine begeisterte Zuhörerin fordert einen Folgeband des Krimis, allerdings mit Tatort Oberrodenbach. Der Autor wird darüber nachdenken.






