

Trotz Faschingszeit waren viele Besucher gekommen, um einerseits seine Erzählungen zu hören und anderseits Fragen stellen zu können. Der Forstamtmann im Ruhestand überraschte am Anfang seiner Ausführungen mit der Feststellung, dass die Gemarkung Rodenbach mit 57% Waldanteil die waldreichste Gemeinde des Altkreises Hanau ist und das Mischungsverhältnis zwischen Alt- und Jungbaumbeständen in einem gesunden Verhältnis stehen.
„Der Wald, von der Bevölkerung gerne als Erlebnis- und Erholungsraum wahrgenommen, gilt es zu schützen und vielfältige Bedrohungen von ihm fernzuhalten“ ist Denich fest überzeugt! So gelang es dem engagierten Forstmann Denich und seinen Mitstreitern im Jahr 1975 durch die Gründung einer Initiative die Trassenführung der A 45 zwischen Nordring und Naturschutzgebiet „Steinbrüche“ zu verhindern. Aus dieser Bürgerinitiative entstand später die Rodenbacher Ortsgruppe „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“.
Die forstlichen Maßnahmen, wie z.B. Neuanpflanzungen, Holzeinschlag und Feindbekämpfung, gemeint sind vor allem Borkenkäfer und Engerlinge, dienen einzig und allein der Erhaltung eines über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Naturraums von besonderer Qualität, der unter anderem auch vor Rodungsabsichten und Straßenbaumaßnahmen zu verteidigen ist. Die Gemeinde Rodenbach, die so einzigartig von Wald umgeben ist, partizipiert von diesem Standortvorteil, um den sie andere, insbesondere die im städtischen Raum lebenden Menschen, beneiden. Nicht zu vergessen ist die wertvolle Schutzfunktion des Waldes als Staub- und Luftfilter. Die prägenden Baumarten im Rodenbacher Forst sind Buche, Kiefer, Eiche, Fichte und Erle. Der Naturraum Wald nimmt insgesamt in der BRD zu. Im vergangenen Jahr waren es 20.000 ha, die insbesondere als Ausgleichsflächen neu geschaffen werden mussten. Die Formel lautet: vergrößert sich z. B. der Rhein-Main Flughafen, vergrößert sich auch der Waldbestand im Umland.
Heinrich Denich begann seinen Berufseinstieg im alten Forsthaus zwischen Nieder- und Oberrodenbach. Dort erlebte er noch seinen Vorgängerkollegen, einen ehemals königlich-sächsischen Revierförster, der in Hessen eine neue Anstellung fand. 1975 wurde das romantisch wirkende, jedoch hinsichtlich seiner hygienischen Ausstattung veraltete Gebäude als Forsthaus aufgegeben und zusammen mit dem jetzigen Forstamt Hanau-Wolfgang ein neuer Forstamtsbezirk gebildet. Dort arbeitete Heinrich Denich unter der Leitung mehrerer Forstamtsdirektoren, die mit Dr. Hermann Messer, Dr. Reinhard Walkenhorst und Dr. Dieter Müller auch heute noch der älteren Generation bekannt sind.
Dem Gastreferenten konnte man es bei seinen Ausführungen anmerken, dass er sich im Wald wohler als am Schreibtisch fühlte. Nicht von ungefähr hat Moderator Walter Geppert die Behauptung aufgestellt, Heinrich Denich sei im Laufe seiner Berufszeit schrittweise mit den Bäumen und den Tieren des Waldes „per du“ geworden. „Die Waldmenschen haben Dreck an den Stiefeln, die Büromenschen glänzende Lackschuhe“ war einer der markigen Sprüche, die an diesem, für das Publikum amüsanten Abend, aus dem Munde des Referenten zu hören waren.
Ein aufgeräumter Wald ist den Äußerungen des Försters zufolge kein guter Wald, denn absterbendes Holz bietet wiederum zahlreichem Kleingetier eine natürliche Nahrungs- und Lebensquelle. Die oftmals am Wegesrand lagernden Bäume sind in aller Regel bereits verkauft und warten, wenn auch manchmal sehr lange, auf ihren Abtransport. Es wird in diesem Zusammenhang keineswegs in Abrede gestellt, dass der Wald auch ein wirtschaftliches Potential darstellt, insbesondere für Privatwaldbesitzer, die jedoch in Rodenbach wegen ihrer dort anzutreffenden zu geringen Nutzungsfläche kaum zählbare Gewinne erzielen. Erstaunt waren die interessierten Zuhörer als sie erfuhren, dass es gerade in Oberrodenbach so genannte „Löser“ von geringer Breite, jedoch erheblicher Länge gibt.
Sehr engagiert antwortete Heinrich Denich auf die Fragen des Moderators Walter Geppert, als es um die Tiere des Waldes ging. Einigermaßen überrascht waren die Zuhörer, als sie aus berufenem Munde erfuhren, dass die Wilderei früher wie heute in gleichem Ausmaße betrieben wird. Bedauerlicherweise fallen jedoch auch zahlreiche Tiere, insbesondere Rehe und Wildschweine dem Straßenverkehr zum Opfer. Keineswegs sei es dagegen eine Nachlässigkeit der Jäger, wenn die geforderte Abschussmenge nicht erreicht wird. Zum einen erhöht sich durch das überreiche Nahrungsangebot, auch von Menschen vorbereitet, der Wildbestand und zum anderen ist nicht auf allen Flächen unseres Naturraums das ungehinderte und vor allem Menschen nicht gefährdete Schießen möglich.
Das interessierte Publikum stellte an Heinrich Denich die Fragen, die sie schon immer an einen leibhaftigen Förster stellen wollten. Er war damit nie in Verlegenheit zu bringen. Zum Abschluss überreichte der Vorsitzende des „Trägervereins Schützenhof Oberrodenbach e.V“, Richard Uhl, dem Referenten ein Weingeschenk. Die zahlreichen Besucher gingen mit dem Eindruck nach Hause, wieder einmal ein amüsantes „Oberrodenbacher Erzählcafé“ mit Moderator Walter Geppert erlebt zu haben. Dieser kündigte bereits seinen nächsten Gast an. Erster Polizeihauptkommissar i. R. Klaus Schneider wird in Kürze über seine polizeiliche Tätigkeit im Altkreis Hanau berichten und sich insbesondere bemühen, das Berufsbild des Polizeibeamten der Öffentlichkeit näher zu bringen.
Foto: Es ging rund um und über den Wald sowie die heimische Tierwelt beim 18. Oberrodenbacher Erzählcafe´ im Schützenhof. Fragen an Forstamtmann i.R. Heinrich Denichs (links) von Moderator Walter Geppert und den zahlreichen Besuchern.
Foto: Forstamtmann i.R. Heinrich Denichs (links) beantwortete beim 18. Oberrodenbacher Erzählcafe´ im Schützenhof alle Fragen rund um und über den Wald sowie die heimische Tierwelt von Moderator Walter Geppert und den zahlreichen Besuchern.
Foto: Forstamtmann i.R. Heinrich (links) stellte sich den Fragen rund um den Wald.
Text und Fotos: Anton Hofmann




