Konflikte in Gegenwart und Zukunft tragen nicht mehr die Züge herkömmlicher bewaffneter kriegerischer Auseinandersetzungen, vielmehr zielen die Aktionen wie Cyberangriffe und Desinformation zur Verwirrung und Desorientierung der Bevölkerung bei: Einen Vorgeschmack lieferte beispielsweise die Sabotage im Berliner Stromnetz zu Jahresbeginn oder jüngst in Reutlingen. Vermeintlich kleine versteckte Sabotageakte genügen, dass es kein Trinkwasser mehr gibt, Heizungen, Licht oder Kühlung ausfällt, eine geordnete Verwaltung unmöglich wird und die selbstverständliche Kommunikation erloschen ist. Zivilschutz heißt es dann, die Zivilgesellschaft stößt sehr schnell an ihre Grenzen, Katastrophen ereignen sich in der Folge. Die Rettungs- und Hilfsorganisationsstruktur ist auf überschaubare, abgrenzbare Situationen vorbereitet, was aber, wenn das ganze Land betroffen ist? Diese Szenarien problematisierte der Referent aus erster Hand und klärte die Prozesse auf, die folgen müssten und könnten, wenn die Strukturen einmal stehen werden. Denn gegenwärtig sei die gesamte Infrastruktur in Deutschland für die angemessene Reaktion auf diese Ereignisse schlicht nur marginal ansatzweise vorhanden. Aktuelle Informationen aus den Ministerien flossen in dieses Referat mit ein.
Im Anschluss lud der Leiter der Akademie, Thomas-Otto Schneider, Vertreter und Repräsentanten dieser Verantwortlichkeiten zum Podiumsgespräch. O. Habekost erläuterte als Vorsitzender der Kreiswerke Main-Kinzig die regionalen und lokalen Aspekte, die z.B. bei einem Blackout auftauchen, Stadtrat Jürgen Heil nannte Beispiele aus der Bauphase eines Dorfgemeinschaftshauses, wie Vorsorge und Umsicht bereits in kleinen Schritten für Resilienz sorgen müssten, Carsten Ullrich, der aktuell eben kein Bürgermeisteramt bekleidet, diskutierte über die Verantwortlichkeit, die sich aus der kommunalen Zuständigkeit eben für einen Bürgermeister oder Landrat ergebe, Constantin von Brandenstein als Ehrenpräsident der deutschen Malteserhilfsdienste verwies auf den Aufgaben- , Belastungs- und Verantwortungszuwachs für alle Hilfsorganisationen gleichermaßen.
Jörg Dreger, Sicherheitsexperte und –berater mit eigenem Unternehmen skizzierte das Umfeld, das sich vom kleinsten Detail wie der persönlichen Trinkwasseraufbereitung bis hin zur gesamtgesellschaftlichen Stärkung der Resilienz erstreckt. Die Materialien des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz wurden den rund 65 Teilnehmenden wärmstens ans Herz gelegt, da alles auf dem neuesten Stand gehalten werde. Die Veranstaltung zeigte, dass das Thema unmittelbar brennt, Innenminister Dobrindt präsentierte Tage zuvor den 10 Milliardenplan für Katastrophen- und Zivilschutz der Öffentlichkeit. Akademieleiter Schneider schloss mit den Worten, dass keiner einen Krieg herbeirede, die Weltlage sich aber gegenwärtig alles andere als friedlich darstelle. Mit gleicher Energie, wie manche politische Kräfte den Krieg befeuern, sollte man für den Frieden kämpfen. Gleichwohl Katastrophen von Natur aus nicht danach fragen, ob man sie wolle oder nicht, vorbereitet sein jedoch sei ein Gebot der praktischen Vernunft. Weitere Informationen unter www.bbk.bund.de.



