Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten hat unterdessen einen Notdienst in der Stadt organisiert. Bürgermeister Schneider hat die Betriebsleitung des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) beauftragt, ein Modell für die Notdienstbetreuung zu entwickeln, welches sowohl in möglichst allen Stadtteilen ein Notbetreuungsangebot ermöglicht, als auch die unvermeidliche Belastung unter den betroffenen Eltern möglichst „fair“ verteilt. Hierfür wurde die Stadt in fünf Gebiete aufgeteilt. Für jedes Gebiet wurde ermittelt, wie viele Kinder der EKO dort jeweils vertraglich zu betreuen hat. Hieraus wurde abgeleitet, welcher Prozentsatz an Betreuungskindern – bezogen auf die Gesamtzahl der regelmäßig vom EKO betreuten Kinder stadtweit – sich für das jeweilige Gebiet ergibt. Die zu vergebenden Notdienstplätze pro Kita wurden nach dem gleichen Verfahren prozentual bestimmt.
Analog dieses Prozentsatzes wurden aus dem Gesamtpool der Nichtstreikenden des jeweiligen Gebiets beziehungsweise den dort befindlichen Notdienst-Kitas Personal zugeordnet. Auf der Basis der so ermittelten Personalausstattung für das jeweilige Gebiet wurde die Anzahl der jeweils in diesem Gebiet anzubietenden Notdienstplätze bestimmt. „Insoweit hat die Betriebsleitung erreicht, dass gemessen am Bedarf in den Gebieten und stadtweit halbwegs gleiche Chancen bestehen, einen Notdienst-Platz zu erhalten, soweit das vorhandene Personal dies noch ermöglicht“, so Bürgermeister Schneider. „Es entscheidet also nicht der Zufall darüber, ob jemand einen Platz in den einzelnen Einrichtungen bekommt oder nicht.“
Die Vergabe der Notfallplätze erfolgt nach Stufen der Dringlichkeit:
1. berufstätige Alleinerziehende
2. beide Elternteile berufstätig
3. andere nachweisliche Notlagen, wodurch Eltern nicht in der Lage sind, ihr Kind zu betreuen
4. berufstätig, aber mit Auffangmöglichkeiten über Familie, Freunde, Nachbarn etc.
Da leider davon auszugehen ist, dass die noch vorhaltbaren 715 Betreuungsplätze die Nachfrage nicht befriedigen können, werden die Plätze jeweils nur für drei Tage vergeben. Das damit mögliche Rotationsverfahren über die Notdienstplätze hinweg verhindert, dass für unter Umständen unversorgte Eltern der Kategorien 1 bis 3 die Notlage über den gesamten Streikzeitraum andauern muss.
Die Betriebsleitung hat die Einrichtung einer Hotline für Eltern wie Kitas veranlasst. Unter der Telefonnummer 069 8065-3633 ist eine der pädagogischen Leitungen des EKO täglich von 7.30 bis 13 Uhr erreichbar. Eltern in besonderen Situationen, denen vor Ort in den Notdienst-Kitas nicht geholfen werden kann oder die notwendige Informationen von dort nicht erhalten, können die Hotline nutzen. Die Betriebsleitung bittet, die Rufnummer nur in unabweisbar schwierigen Situationen zu nutzen, da diese sonst für die wirklichen Ernstfälle blockiert wird. Erster Ansprechpartner für die Eltern bleibt die jeweilige Notdienst-Kita.
„Die Notdienstplätze wurden gestern und heute vergeben und alle Eltern sind umfassend über den Streik und die organisatorischen Folgen informiert worden“, berichtet Schneider. „Trotz all dieser Bemühungen ist allen Verantwortlichen bewusst, dass in den kommenden Streikwochen für Eltern, Kinder wie verbleibende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des EKO erheblichen Belastungen eintreten werden.“ Auch sei zu erwarten, dass in dieser Zeit trotz allem Engagement des EKO Fehler oder Pannen vorkommen können sowie Unvorhersehbares hin und wieder dazu führen kann, dass selbst der Notbetrieb nicht nach Plan und absolut zuverlässig funktioniert. Bürgermeister Schneider bittet deshalb alle Eltern um Geduld und fairen Umgang mit den Kolleginnen wie Kollegen des EKO. „So bedauerlich dies ist: Die beste Lösung für die Eltern ist, wenn sie die Betreuung ihres Kindes oder ihrer Kinder in der Familie organisieren können.“
Schneider hofft auf ein baldiges Streikende und die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen. Gleichwohl hat er Verständnis für die Streikenden und hält eine Aufwertung des Berufsfeldes von Erzieherinnen und Erziehern sowie Mitarbeiterinnen wie Mitarbeitern im sozialen Arbeitsfeld für überfällig. „Es ist eine längst widerlegte Unterstellung, dass die Bildung und Entwicklungsunterstützung in der Elementarbildung und bei den Kleinsten weniger komplex und von geringerer professioneller Anforderung ist als beispielsweise die Arbeit mit Grundschülern.“ Nicht wenige Wissenschaftler vertreten vielmehr die Auffassung, dass diese Arbeit außerordentliche Qualifikationsvoraussetzungen erfordert, so Schneider. „Dem sollten die Tarifparteien Rechnung tragen.“



