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Trauminsel startet im Schloss: Sommernachtstraum „mal anders“

Trauminsel startet im Schloss: Sommernachtstraum „mal anders“
Die Schauspieler der Trauminsel.

Der Main-Kinzig-Kreis hat ein neues Theater-Ensemble – und das hat Charme: eine bunte Truppe, die direkt ins Schloss zieht. Trauminsel e.V., gegründet mit Sitz in Wächtersbach, vereint Mitglieder aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis: von 5 bis 70 Jahren, Nachwuchs-Feen neben Bühnen-Veteranen, Neugier neben Erfahrung. Allein diese Mischung verspricht Tempo, Reibung und viele „Wer ist jetzt nochmal wer?“- Momente – passend zu einem Stück, in dem das Chaos zur Dramaturgie gehört.

Das erste große Lebenszeichen gibt’s am 22. Februar um 20 Uhr im Schloss Wächtersbach mit „Sommernachtstraum – ein Versuch nach Shakespeare“. „Ein Versuch“ ist hier keine Ausrede, sondern Ansage. Shakespeares Klassiker wird modern gespielt, bleibt aber spürbar am Original angelehnt – nur eben nicht geschniegelt, sondern bewusst ungewöhnlich. Hier wird nicht nachgestellt, sondern ausprobiert, wie Klassiker im Hier und Heute klingen können. Auf der Bühne stehen ausschließlich Laien: einige mit Bühnenerfahrung, andere zum ersten Mal im Rampenlicht. Regie führt die freiberufliche Theaterpädagogin und Performerin Athena Schreiber mit Einfühlungsvermögen, Ideenreichtum und einem reichen Erfahrungsschatz. Geprobt wird im Jossgrund und in Wächtersbach – und wer einmal erlebt hat, wie ein Zauberwald zwischen Turnbeutel, Terminkalender und Textheft entsteht, weiß: Das ist weniger Hobby als Herzenssache.

Worum geht’s beim Sommernachtstraum? Keine Angst: niemand muss ein Elfen-Diplom haben. Kurz gesagt: um Liebe, die sich verirrt – und dabei erstaunlich viele Leute mitnimmt. In Athen plant Theseus die Hochzeit mit Hippolyta. Gleichzeitig geraten vier junge Menschen in einen Beziehungswirbel: Hermia liebt Lysander, soll aber Demetrius heiraten; Helena liebt Demetrius, der wiederum Hermia hinterherläuft. Der Fluchtplan führt alle in den Wald – eine Gegend, die bekanntlich selten zur Klärung beiträgt. Denn dort mischen sich die Feen ein. Oberon und Titania liegen im Clinch, und Kobold Puck sorgt für die praktische Umsetzung: Mit einer Zauberblume verteilt er Liebesglück nach dem Prinzip „Augen auf, Problem an“. Wer beim Aufwachen das falsche Gegenüber sieht, ist sofort überzeugt, es sei schon immer so gewesen. Heraus kommt ein Reigen aus Eifersucht, Verwechslung und dem leisen Verdacht, dass Romantik manchmal eine sehr schlechte Wegbeschreibung ist. Am Ende wird meist wieder entknotet: Die Zauberei lässt nach, die Paare sortieren sich neu, und der Hof bekommt seine Hochzeit – inklusive einer Handwerker-Aueührung, die so charmant danebenliegt, dass sie wieder genau richtig ist.

Und das ist das dritte Chaos-Element: Die Handwerkertruppe probt eine ihr eigenes Stück „Pyramus und Thisbe“ – Theater im Theater, so ehrgeizig wie unbeholfen und gerade deshalb urkomisch. Und hier wird’s besonders lokal: Eine der Rollen heißt tatsächlich „die Wand“ - mit Spalt, damit Liebende heimlich flüstern können. Bei Trauminsel übernimmt ausgerechnet der ehemalige Bürgermeister von Jossgrund diese Wand. Wer jahrelang zwischen Interessen vermittelt hat, steht damit nun buchstäblich dazwischen – und beweist: Man kann eben auch als Wand Haltung zeigen, ohne dass jemand eine Bürgerfragestunde beantragt.

Tickets gibt es online im Vorverkauf bei YesTicket: 13 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Jugendliche. Und falls jemand behauptet, er habe Shakespeare schon tausendmal gesehen: Ja. Aber haben Sie ihn schon mal gesehen, wenn die Wand aus Burgjoß stammt und im Schloss Wächtersbach steht?

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Die Schauspieler der Trauminsel.

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