Jahr für Jahr treffen auf dem Küchensee Spitzenathleten aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Tschechien und zahlreichen weiteren Nationen aufeinander. Für die deutschen U23-Ruderer hatte die Regatta in diesem Jahr jedoch eine ganz besondere Bedeutung: Der Deutsche Ruderverband nutzte das Wochenende zur finalen Sichtung und Formierung seiner Nationalmannschaft für die U23-Weltmeisterschaften.
Bereits einen Tag vor Regattabeginn mussten alle deutschen U23-Skuller im Einer antreten, um über Vorlauf und Finale die nationale Rangliste auszufahren. Gemeinsam mit den Ergebnissen der Deutschen Kleinbootmeisterschaften Ende April in München sowie einem 2.000-Meter-Leistungstest auf dem Ruderergometer bildet diese Rangliste die entscheidende Grundlage für die WM-Nominierungen.
Für den großen Paukenschlag aus Sicht des Hanauer Ruderclub Hassia sorgte dabei Jakob Rastetter. Mit einem souveränen Vorlaufsieg qualifizierte sich der Hassia-Skuller zunächst für das Finale der Rangliste. Dort wollte er sich mit einem starken Rennen eigentlich einen sicheren Platz im deutschen Doppelvierer für die U23-Weltmeisterschaften sichern. Doch Rastetter hatte an diesem Tag deutlich größere Pläne.
Nach der Hälfte der Strecke lag er aussichtsreich auf Rang drei. Die wichtigsten Konkurrenten im Kampf um die WM-Tickets befanden sich allerdings noch in Schlagdistanz. Rastetter hielt unbeirrt das hohe Tempo aufrecht, setzte sich Meter um Meter von seinen Verfolgern ab und entwickelte im Endspurt einen packenden Zweikampf mit dem bis dahin schnellsten deutschen Einerfahrer. Mit einem beeindruckenden Finish entschied der Hassianer das Rennen für sich und sicherte sich sensationell den Sieg in der nationalen Rangliste.
Die Belohnung folgte unmittelbar: Der Deutsche Ruderverband nominierte Rastetter als neuen deutschen Einerfahrer und schickte ihn als DRV-Boot Nummer eins in die internationalen Rennen der Ratzeburger Regatta. Auch dort bestätigte der Hassia-Athlet seine außergewöhnliche Form. An beiden Regattatagen dominierte er die Finalrennen lange Zeit deutlich und führte jeweils bis kurz vor dem Ziel. Die enormen Belastungen der Vortage sowie die schwierigen, von starkem Wellengang geprägten Bedingungen forderten jedoch ihren Tribut. In beiden Rennen hatte Rastetter auf den letzten Metern mit verkrampfenden Unterarmen zu kämpfen und musste den Sieg jeweils noch knapp aus der Hand geben. Dennoch unterstrichen die beiden zweiten Plätze eindrucksvoll seine internationale Konkurrenzfähigkeit.
Ebenfalls in Ratzeburg am Start war Hassia-Skuller Julius Klein. Der Junioren-Vizeweltmeister des Vorjahres erwischte bereits im Vorlauf eine denkbar schwere Aufgabe. Gegen die stärksten deutschen Skuller der vergangenen Jahre fehlten am Ende nur wenige Meter zur großen Überraschung. Bis kurz vor der Ziellinie machte Klein den Favoriten das Leben schwer und schnupperte an einer echten Sensation. Im anschließenden B-Finale bewies der junge Hassianer dann starke Nerven. Hier galt es vor allem, die direkten Konkurrenten um die begehrten WM-Fahrkarten hinter sich zu halten. Diese Aufgabe löste Klein mit Bravour. Dank seiner starken Leistungen rangiert er nun auf Platz sechs im Gesamtranking des Deutschen Ruderverbandes.
Als Konsequenz aus den Ranglistenrennen wurde Klein vom Deutschen Ruderverband für den deutschen U23-Doppelvierer gesetzt. Dort konnte er seine Qualitäten unmittelbar unter Beweis stellen. Gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden überzeugte er bei der Internationalen Ratzeburger Ruderregatta auf ganzer Linie. Der deutsche Doppelvierer gewann seine Rennen an beiden Regattatagen jeweils souverän und mit deutlichem Vorsprung. Damit setzte das Boot ein starkes Ausrufezeichen im Hinblick auf die bevorstehenden U23-Weltmeisterschaften und bestätigte die Entscheidung der Bundestrainer eindrucksvoll.
Nun richtet sich der Blick auf die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Ende Juni. Ursprünglich sollten die Titelkämpfe auf dem Baldeneysee in Essen stattfinden. Aufgrund eines starken Wasserpflanzenbewuchses musste der Deutsche Ruderverband die Veranstaltung jedoch kurzfristig an den Elfrather See in Krefeld verlegen. Derzeit befinden sich beide Hassia-Spitzenskuller gemeinsam mit Trainer Volker Lechtenberg im Trainingslager an der Ruderakademie Ratzeburg. Dort bereiten sie sich sowohl auf die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften als auch auf das große Saisonziel, die U23-Weltmeisterschaften in Duisburg vor.
Trainer Volker Lechtenberg zeigte sich nach dem Wochenende entsprechend begeistert: „Das war ein Top-Wochenende in Ratzeburg. Wir wussten um die Stärke der beiden Athleten, denn die Vorbereitung verlief bereits sehr vielversprechend. Dass Jakob mit dem Sieg in der Rangliste einen solchen Paukenschlag landet und Julius gleichzeitig einen Platz im WM-Vierer erkämpft, übertrifft sogar meine Erwartungen. So kann es gerne weitergehen.“
Jakob Rastetter als erster DRV-Skuller im Ziel.
Jakob Rastetter nach der Siegerehrung.
Julius Klein legte im Einer den Grundstein zur Doppel-Vierer-Nominierung.






