Seit zwei Jahren geht die Gesamtschule Gedern deshalb neue Wege: Vom Klassenraum zum Fachraum. Schuldezernent Jan Weckler hat sich bei einem Besuch vor Ort über den Gederner Weg informiert.
An amerikanischen Schulen hat jede Lehrkraft ihren Raum für den eigenen Unterricht und die Schüler wechseln zur jeweiligen Lehrkraft. An deutschen Schulen überwiegt das Klassenraumprinzip. Ausnahmen gibt es nur für einzelne Fächer wie Physik, Chemie oder Musik. Mit dem Effekt, dass hierzulande „die Lehrkraft am Ende der Unterrichtsstunde quasi wie ein Packesel zum nächsten Klassenraum hetzt“, wie Sabine Braun, Leiterin der pädagogischen Schulprogrammgruppe und Rektorin an der Gesamtschule Gedern erläutert.
Unter dem Motto „Lernumgebung für kompetenzorientierten Unterricht“ hat man sich an der Gesamtschule für das Fachraumprinzip entschieden. Jedem Raum wird ein Unterrichtsfach zugeordnet, er wird den Inhalten des Faches entsprechend gestaltet und größtenteils sind Fachräume einem oder mehreren Jahrgängen zugeordnet.
„Die Gesamtschule Gedern hat ein interessantes Raumkonzept und es ist gut, dass Schulen hier frei darin sind, die räumliche Gestaltung ihren Bedürfnissen anzupassen“, sagt Schuldezernent Weckler. „Von Seiten des Kultusministeriums gibt es keine Vorgaben, dass etwa das Klassenraumprinzip, wie es die meisten von uns in ihrer Schulzeit erlebt haben, unbedingt einzuhalten ist.“
Was versprach sich die Schule davon?
In den jeweiligen Fachräumen sind die Schulbücher, die für das Unterrichtsfach gebraucht werden, in mindestens einer halben Klassenstärke vorhanden. Sie müssen also nicht von zu Hause in die Schule mitgenommen werden, die Schultaschen werden leichter. Alles Anschauungsmaterial wie Karten, Bücher, Bilder, Modelle oder technische Geräte, die für ein Fach benötigt werden, bleiben im Raum und müssen nicht hin- und hergetragen werden. Die Schüler wechseln nach dem Fachunterricht den Raum und hinterlassen ihn sauberer. Denn erfahrungsgemäß wird in Klassenräumen gerade in den unbeaufsichtigten Zwischenpausen der meiste Unfug getrieben.
Zwei Jahre hat die pädagogische Schulprogrammgruppe (Vertreter von Lehrerschaft, Schulleitung, Eltern, Schülern und weitere Interessierte) an dem Fachraumkonzept gearbeitet. Das Konzept durchlief alle Schulgremien und wurde zum Schuljahr 2015/16 eingeführt. 35 Fachräume wurden zu den bereits vorhandenen (Chemie, Physik, Biologie, Musik, Werken, IT, Küche) neu gestaltet: Je sechs für die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik, je zwei für Erdkunde, Politik und Wirtschaft, Geschichte und je einer für Französisch, Latein, Arbeitslehre und Biologie.
Bei Lehrkräften, Schülern und Eltern überwiegt das Lob
Unterrichtet wird in Doppelstunden, mit jeweils drei Fächern am Tag. Weil dadurch mehr Zeit zur Verfügung steht, die Themen umfassend durchzunehmen, gibt es für Schüler weniger Hausaufgaben und damit auch weniger Stress zu Hause. Arbeitsmaterialien und Lehrbücher stehen in den Fachräumen, Sportsachen können in Schließfächern hinterlegt werden. Mit dem Effekt, dass die Schultaschen leichter werden.
Der Vorteil des neuen Fachraumkonzepts für die Lehrkräfte: Die Räume sind thematisch gestaltet und haben eine fachbezogene Atmosphäre. Die Schüler arbeiten entspannt, Materialien können gemeinsam von mehreren Klassen genutzt werden und die Räume werden stärker ausgelastet als im herkömmlichen System.
Foto: Schulleiter Walter Scheibner, Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler, Jutta Bals (Leiterin des Gymnasialzweiges), Alexander Eckhardt (Mitglied der Schulprogrammgruppe), Mike Kalbhenn (Stellv. Schulleiter), Sabine Braun (Pädagogische Leitung und Rektorin), Silke Kraft (Schulelternbeirat).



