Nach 44 Jahren hat sich Karl-Heinz Schneider aus der aktiven Kreispolitik verabschiedet. „Meine politische Tätigkeit begann freilich schon viel früher. 1962 bin ich im Alter von 19 Jahren den Jungsozialisten im Unterbezirk Friedberg beigetreten. Zwei Jahre später erfolgte dann der Eintritt in die SPD, 1968 wurde ich mit 25 Jahren als jüngster Gemeindevertreter in das Parlament meiner Heimatgemeinde Gambach gewählt.“ Danach war Karl-Heinz Schneider 27 Jahre Gemeindevertreter in Gambach und nach der Gebietsreform Stadtverordneter in der Stadt Münzenberg. Die Kommunalpolitik in den 60er Jahren unterschied sich maßgeblich von der von heute. „Wir dachten damals, die akzentuiertere Politik, die findet im Kreistag statt, das hat mich gereizt. Deshalb wollte ich da auch dabei sein.“
Schließlich bewarb sich Karl-Heinz Schneider um ein Kreistagsmandat und wurde auf Anhieb in das Parlament des neugebildeten Landkreises gewählt. Die Rahmenbedingungen waren für Karl-Heinz Schneider nicht gerade günstig. Mit 29 kam er als junger Spund in den Kreistag, der Jüngste in der Kreistagsfraktion. „Ich glaube, ich war auch der Jüngste im ganzen Parlament.“
Damals hatte er zwei Kinder, das dritte kam erst einige Jahre später. Für das gerade gekaufte Haus stand ein gründlicher Umbau bevor. Zudem stand eine berufliche Weiterentwicklung an. Karl-Heinz Schneider hat zu der Zeit noch in seinem gelernten Beruf als Werkzeugmacher gearbeitet. „Das wollte ich aber nicht immer machen. Deshalb habe ich mich auf dem kaufmännischen Gebiet fortgebildet, wurde zunächst Verkaufsleiter für den Bereich Apparatetechnik und später Einkaufsleiter eines mittelständischen Unternehmens in Butzbach. In der Verkaufszeit war ich oft für das Unternehmen europaweit unterwegs. Dennoch habe ich fast alle Partei- und Parlamentstermine geschafft. Das war eine wirklich harte Zeit, und ohne die Unterstützung meiner Frau hätte ich das niemals schaffen können.“
Ehrenamtliche Arbeit wird nicht genug gewürdigt
Die ehrenamtliche Arbeit in der Kommunalpolitik ist in der Öffentlichkeit unterbewertet, und reich wird man auch nicht. Rund 400 bis 500 Stunden jährlich hat Karl-Heinz Schneider für die politische Arbeit aufgewandt. „Reich wird man dabei nicht.“ Die Sitzungsgelder sind seit Jahrzehnten unverändert, ein Gutteil muss man zudem an die Partei abführen. Aber darum geht es auch gar nicht. Was es braucht, ist eine gehörige Portion Idealismus und den Wunsch, für andere zu wirken und etwas zu verändern. Dabei waren die ersten Jahre keineswegs einfach. „Wir jungen Parlamentarier mussten die bedeutenden Vertreter der Fraktionen, alte gestandene Bürgermeister zumeist, fragen, ob wir mal was sagen dürfen. Für uns Abgeordnete aus den Gemeinden war die Verknüpfung von Sachthemen mit politischen Grundsatzdiskussionen eine positive Erfahrung. Das hat einfach Spaß gemacht, auch andere Menschen von seinen Überzeugungen zu begeistern. Da gab es auch viele Übereinstimmungen mit meiner Arbeit im Unternehmen, andere Menschen zu gewinnen, von seinen Ideen zu überzeugen. Das war mein Job, und so habe ich’s auch bei meiner politischen Arbeit gemacht.“
Von 1985 bis 1997 gehörte Karl-Heinz Schneider dem Kreisausschuss, der Regierung des Wetteraukreises, an. Danach kandidierte er als hauptamtlicher Kreisbeigeordneter, unterlag aber seinem innerparteilichen Konkurrenten Bardo Bayer. „Ich habe dann den Fraktionsvorsitz übernommen. Das war eine richtig gute Zeit. Wir haben in der Großen Koalition vieles erreicht. Es gab eine sehr vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit.“ Gefragt, was zu den größten Erfolgen seines politischen Wirkens zählt, nennt Karl-Heinz Schneider spontan die Realisierung des Vulkanradweges auf der Wetterauer Seite, die Neuregelung der Abfallwirtschaft Anfang der 90er Jahre nach einem jahrelangen Stillstand, sowie die Entscheidung zur Wetterau als Tourismusregion und die Reaktivierung der Bahnstrecke Friedberg - Friedrichsdorf. Lachend ergänzt er dann, zu den Erfolgen zählt auch die letzte Legislaturperiode, bei der Rot-Grün im dritten Anlauf bis zum Ende gehalten hat.
Große persönliche Enttäuschungen sind ihm in seinem politischen Leben erspart geblieben. Was bleibt, sind mehr als 40 Jahre engagierten politischen Wirkens und die Gewissheit, etwas bewegt zu haben. „Gerade die Jahre als Fraktionsvorsitzender zwischen 1997 und 2007 waren nochmal besonders intensiv. Damals habe ich auch die Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung aufgegeben, weil die Arbeit in zwei Parlamenten einfach zu viel geworden wäre. Als Fraktionsvorsitzender muss man immer auf alle Themen gut vorbereitet sein, auch wenn mein Credo war, dass die Vorsitzenden der Arbeitskreise ihre Themen selbst präsentieren müssen. Zur Not hätte ich aber zu jedem Thema in die Bütt gehen können“, und das tat Karl-Heinz Schneider auch recht ausgiebig. Seine Beiträge waren stets von hoher Kompetenz geprägt. Man merkte, wie intensiv er sich auf die Sitzungen vorbereitet hatte. Polemik gehört zur Arbeit eines Fraktionsvorsitzenden natürlich auch dazu, aber ohne verletzend oder bösartig zu sein. Insofern wird Karl-Heinz Schneider auch bei vielen anderen Mitgliedern des Kreistages in guter Erinnerung bleiben.
Ganz wird er der Politik noch nicht verlorengehen, bis in die zweite Jahreshälfte wird er weiter Verbandsvorsitzender des ZOV bleiben. Seine Tätigkeit als Aufsichtsrat der OVAG und als Aufsichtsratsvorsitzender der Verkehrsgesellschaft Oberhessen endet im kommenden Jahr. „Dann bin ich 74 und es ist Zeit, das Staffelholz an andere weiterzugeben.“ Das Leben ohne Politik kann sich Karl-Heinz Schneider ganz gut vorstellen. „Ich werde mehr Zeit für meine Familie haben, für Radtouren, für Reisen mit meiner Frau und mein Hobby, das Züchten von Agaven. Trotzdem wird es eine geraume Zeit dauern, bis ich mich an eine inaktive Politikzeit gewöhnt habe.“
Foto: Karl-Heinz Schneider an seiner alten Wirkungsstätte, im Kreistag des Wetteraukreises.



