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Wetterau: Wasserqualität in Flüssen muss besser werden

Wetterau: Wasserqualität in Flüssen muss besser werden

Das Thema Wasserqualität war Tagesordnungspunkt der letzten Sitzung des Ausschusses für Regionalentwicklung, Umwelt und Wirtschaft.

Harth & Schneider

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Thomas Buch, Fachingenieur in der Fachstelle Wasser- und Bodenschutz, referierte über die Ergebnisse des Verbundprojektes „NiddaMan - Entwicklung eines nachhaltigen Wasser-Ressourcen-Managements am Beispiel des Einzugsgebiets der Nidda“. Das seit drei Jahren laufende Großprojekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit der Goethe-Universität Frankfurt, dem Wetteraukreis und weiteren Partnern umgesetzt. Hintergrund ist die Forderung der Europäischen Union, bis zum Jahr 2027 alle Gewässer in der Union in „einen guten ökologischen Zustand“ zu versetzen.

Weniger als zehn Prozent der Gewässer erfüllen hohe Standards

In Europa sieht die Realität ganz anders aus. Am schlechtesten ist es um die Wasserqualität in den Beneluxländern und den nördlichen Bundesländern bestellt. Hier entsprechen weniger als zehn Prozent der Gewässer dem „Status eines guten ökologischen Zustandes“. Im mittleren und südlichen Deutschland erfüllen 70 bis 90 Prozent der Gewässer diese Anforderung nicht, eine Situation, wie sie für fast ganz Mitteleuropa zutrifft. Im südlichen und nördlichen Europa entsprechen zwischen 50 und 70 Prozent nicht dem geforderten Zustand. Besser ist die Situation nur im nördlichen Finnland und in einigen Teilen Spaniens, Italiens und Griechenlands sowie der Republik Irland.

Ziele des Projekts

Zum Untersuchungsgebiet von NiddaMan zählten die Nidda sowie die Nebenflüsse Horloff, Usa, Erlenbach, Eschbach und Urselbach. Dabei wurden Schadstoffe und Belastungsfaktoren für die Biodiversität erfasst. Ebenso wurden auch Untersuchungen anhand der Mortalität des Wachstums und des Fortpflanzungsverhaltens von Bachflohkrebsen und Schnecken ermittelt.

Stoffcocktails belasten Tiere und Pflanzen

Größtes Problem ist die Belastung der Gewässer mit regelrechten Stoffcocktails, vor allem Einleitungen aus Kläranlagen. Das betrifft Arzneimittel, Industriechemikalien, Haushaltschemikalien, Nahrungsergänzungsmittel, Körperpflegemittel und Pflanzenschutzmittel. Fakt ist auch, dass diese Spurenstoffe in den Kläranlagen nur mit Hilfe einer vierten Reinigungsstufe eliminiert werden können.

„Wir konnten ein deutlich gehemmtes Wachstum, verminderte

Fortpflanzung, Stoffwechselstörungen und Beeinträchtigungen des Hormonhaushaltes bei den untersuchten Tieren feststellen, die bis zum Tod der Tiere führten“, erläuterte Thomas Buch die Ergebnisse der Untersuchung. Problematisch wird die Anreicherung der Spurenstoffe in der Nahrungskette, die letzten Endes auch beim Menschen landen kann.

Tonnenweise Schmerzmittel in deutschen Gewässern

Deutlich wurde die Belastung der Gewässer anhand einzelner Stoffe, wie etwa dem Schmerzmittel Diclofenac, das in Tabletten, aber auch in Gels vorhanden ist. Diese Mittel werden nach der Einnahme oder Einreibung wieder ausgeschieden, entweder über die Toilette oder über das Duschen. 80 Tonnen reiner Wirkstoff werden so in die Gewässer Deutschlands gespült und sind tatsächlich an den verschiedenen Messstellen nachweisbar. So beträgt der Vorschlag der „Umweltqualitätsnorm“ für die Belastung mit Diclofenac 50 Nanogramm pro Liter, tatsächlich wurde an manchen Messstellen aber der zehnfache Wert ermittelt.

Auch die Belastung mit Bioziden und Pestiziden, meist aus der Landwirtschaft, liegt vor allem am Unterlauf der Nidda um das Dreifache höher als empfohlen. Für die Bachflohkrebse hat das fatale Folgen; je höher die Belastung ist umso höher ist auch die Mortalität, die bis auf 50 Prozent steigt. Noch schlimmer ist die Fortpflanzung der kleinen Tiere betroffen, sie sinkt bei der stärksten Belastung auf null.

Problem Kläranlagen

Das größte Problem für Pflanzen und Tiere in Gewässern sind niedrige Wasserstände. Dann beträgt der Anteil des Abflusses aus Kläranlagen bis zu 90 Prozent. Das heißt, 90 Prozent des enthaltenen Wassers sind schon einmal durch eine Kläranlage gegangen mit entsprechender Belastung von Stoffen, die aus diesen Anlagen nicht herausgefiltert werden können. Fazit: Einträge aus kommunalen Kläranlagen führen zu einer relativ konstanten „Belastung“ mit anthropogenen (von Menschen gemachten) Spurenstoffen, mit teilweiser Überschreitung kritischer Konzentrationen.

Investitionen für die Umwelt

Höhere Abwasseranteile verändern Lebensgemeinschaften. Um die Belastung zu reduzieren, muss der Abwasseranteil entweder reduziert oder effektiver behandelt werden. Ein Beitrag ist die Stilllegung kleiner, wenig effizienter Kläranlagen, wie am Beispiel der Kläranlage in Wallernhausen deutlich gemacht wurde.

Die Nachrüstung einer vierten Reinigungsstufe für Kläranlagen, die nach der mechanischen, biologischen und chemischen Reinigung auch anthropogene Spurenstoffe eliminiert, verursacht natürlich Kosten. „Aber um die EU-Vorgaben eines guten ökologischen Zustandes zu erreichen, werden sich diese kaum umgehen lassen und sind grundsätzlich in der Perspektive eine gute Investition der Umweltvorsorge“, sagte Landrat Jan Weckler in der Sitzung des Ausschusses für Regionalentwicklung, Umwelt und Wirtschaft. „Wir werden zu diesem Thema auch die Kommunen vor Ort sensibilisieren.“

Fotos: Welche positive Folgen Renaturierungsmaßnahmen an Flüssen haben, das zeigen die beiden Vergleichsbilder von der Horloff aufgenommen in den Jahren 2001, dem Beginn der Renaturierungsarbeiten an diesem Abschnitt und 2014.

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