Wenn der Prälat der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) am Ende dieses Monats in den Ruhestand tritt, dann blickt er auf unzählige Passagen aus dem „Buch der Bücher“ zurück, die für ihn prägend waren. Nach rund 40 Jahren im Dienst der EKKW ist es auch diese: „Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27,1). Am Montag, 31. Januar 2022, wird Böttner, der 2018 das Amt des Prälaten übernommen hatte, in den Ruhestand verabschiedet. In dem Gottesdienst, der per Livestream auf www.ekkw.de aus der Christuskirche in Kassel-Wilhelmshöhe übertragen wird, wird zugleich sein Nachfolger Burkhard zur Nieden eingeführt.
Bernd Böttner stammt aus Grebendorf im Werra-Meißner-Kreis. Es sei das Engagement eines neuen, jungen Pfarrers gewesen, das ihn begeistert und geprägt habe, berichtet der 65-Jährige rückblickend. Am Ende der 10. Klasse habe er sein Vorbild wissen lassen: „Ich möchte Pfarrer werden so wie Du.“ Nach dem Abitur im Jahr 1974 studierte Böttner folglich Evangelische Theologie, zunächst in Göttingen, dann in Heidelberg. Die „Erziehung zum Frieden“, das Thema seiner Examensarbeit, sollte ihn weiter begleiten: Über viele Jahre hat er Kriegsdienstverweigerer beraten. „Fromm sein und politisch sein, das gehört zusammen“, resümiert Böttner. Nach seinem Vikariat in Kassel war er 15 Jahre als Gemeindepfarrer in Jesberg im Schwalm-Eder-Kreis im Einsatz – dort auch als Kreisjugendpfarrer. Es folgten 13 Jahre als Dekan in Korbach im damaligen Kirchenkreis des Eisenbergs. Das Propstamt im Sprengel Hanau führte Bernd Böttner 2010 in den Süden der Landeskirche, bevor er 2018 als Prälat die Verantwortung für den gesamten pfarramtlichen Dienst der Landeskirche und die Vertretung des Bischofs, später der Bischöfin übernahm.
Als Manager habe er sich in seinen Leitungsämtern nie verstanden. „Ich habe versucht, Seelsorger zu bleiben und mit seelsorgerischem Ansatz zu leiten.“ Darüber hinaus hat sich Böttner in vielen kirchlichen Gremien engagiert, unter anderem als Mitglied der Landessynode und im Rat der Landeskirche. Auf ungezählte Gremiensitzungen, Gespräche, Hochzeiten und Taufen blickt er nach rund 40 Jahren im Dienst der EKKW zurück. Auch auf zahlreiche Beerdigungen. Die habe er gerne übernommen, auch – oder gerade weil – er mit vielen Erwartungen konfrontiert und als Seelsorger, Redner, Gestalter und Berater gefordert gewesen sei, sagt Böttner. „Dabei gab es immer die Chance, ganz unterschiedlichen Menschen etwas mitzugeben.“ Dass solche und andere Kontaktflächen in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit pandemiebedingt weggefallen sind, schmerzt den scheidenden Prälaten. Einen Plan für den Ruhestand habe er nicht. In jedem Falle aber mehr Zeit für die Familie, zu der inzwischen fünf Enkelkinder gehören. Was er „seiner“ Kirche wünscht? „Möglichst viele Menschen, die was bewegen wollen.“
Dabei hat er selbst vieles in Bewegung gebracht: Als „Macher, mit hoher Tatkraft und starkem Durchsetzungsvermögen, mit viel Energie und manchmal großer Ungeduld“ beschreibt Bischöfin Dr. Beate Hofmann Bernd Böttner. Dass so viele der 183 Reformbeschlüsse von 2015 schon umgesetzt sind, verdanke die Landeskirche in großen Teilen ihm. Vor allem aber sei er ein „leidenschaftlicher Pfarrer“ gewesen, geprägt von einem starken Gottvertrauen und der Hoffnung, „dass es gut gehen wird“.
Nachfolger Burkhard zur Nieden wird ins Amt des Prälaten eingeführt
Der Verabschiedungsgottesdienst ist zugleich ein Einführungsgottesdienst: Böttners Nachfolger wird, wie berichtet, Burkhard zur Nieden, der ebenfalls im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen ist. Zur Nieden war zuletzt Dekan des Kirchenkreises Marburg. Er wolle den Übergang in einen „neuen Zustand von Kirche“ begleiten, den Pfarrerinnen und Pfarrern „weite Räume öffnen und den Rücken frei halten“, hatte der 58-Jährige nach seiner Berufung durch den Rat der Landeskirche im vergangenen September angekündigt. Er werde ein gut bestelltes Feld, aber auch große Aufgaben vorfinden, stellt Bischöfin Hofmann in Aussicht. Dazu bringe zur Nieden viel mit: „reichhaltige Gemeinde- und Leitungserfahrung, große Leidenschaft für Theologie und Gottesdienst gepaart mit einem guten analytischen Blick und scharfem Intellekt“.
Fast 38 Jahre im Dienst der EKKW: Dezernent Rainer Obrock wird verabschiedet
Ferner wird am 31. Januar auch Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Obrock in den Ruhestand verabschiedet. Der gebürtige Ostwestfale, der Rechtwissenschaften in Bielefeld studierte und dort auch promoviert wurde, war seit 1984 im Dienst der EKKW, seit 1987 als Dezernatsleiter. Seit der Neuordnung der theologischen und juristischen Dezernate des Landeskirchenamtes im Jahr 2006 war Obrock Leiter des Dezernats Dienst- und Besoldungsrecht. Als „sorgfältigen Juristen mit einem großen Herz für die Anliegen der Pfarrerinnen und Pfarrer“ und ausgestattet mit „heiterer Gelassenheit“ würdigt Bischöfin Hofmann den scheidenden Dezernenten.
Fotos: medio.tv/schauderna


