Jetzt war die Meldestelle Thema in einer Debatte im Hessischen Landtag. Innenminister Roman Poseck (CDU) führte in dieser aus: „Die Meldestelle dient Bürgern seit nunmehr rund fünf Jahren als Anlaufstelle, um antisemitische, extremistische oder volksverhetzende Inhalte zu melden. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Verrohung der Debattenkultur und insbesondere nach dem Terrorakt der Hamas auf Israel hat es einen Anstieg an Meldungen gegeben. Seit Gründung der Meldestelle sind rund 85.000 Inhalte bei Hessen gegen Hetze eingegangen, darunter viele eindeutig strafbare Posts. Nicht zuletzt war die Meldestelle in den vergangenen Wochen kritisiert worden, da eine dort eingegangene Meldung zu einer Hausdurchsuchung geführt hat. Für mich ist die Kritik daran durchaus nachvollziehbar. Wir stellen uns der Kritik und werden die Meldestelle grundsätzlich neu aufstellen.
Wir sollten die Zukunft der Meldestelle sachlich diskutieren. Die Bewertungen und Entscheidungen, die zur Durchsuchung geführt haben, sind durch die Berliner Justiz getroffen worden. Die Meldestelle entscheidet nicht. Sie nimmt lediglich eine erste unverbindliche Bewertung vor. Danach werden die Meldungen zur strafrechtlichen Würdigung an das Bundeskriminalamt oder an die Generalstaatsanwaltschaft weitergeleitet. Mit ihrer Filter- und Sammelfunktion entlastet die Meldestelle Polizei und Justiz und sorgt dafür, dass potenzielle Straftaten zur weiteren Bearbeitung an die richtige Stelle gelangen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Auch dort müssen Recht und Gesetz durchgesetzt werden. Die Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein hohes Gut und sie schützt vielfältige Ansichten und auch harsche Kritik. Es gibt aber auch Grenzen, wenn die Rechte und die Sicherheit anderer verletzt werden. Schließlich sind Aufrufe zur Gewalt, das Verbreiten von Propagandamittel verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, volksverhetzender Inhalt sowie verhetzende Beleidigung strafbar.
Ich möchte Opfer von Hass und Hetze nicht im Regen stehen lassen. Deshalb befinde ich mich auch im intensiven Dialog mit Betroffenen. Unter anderem habe ich beispielsweise die jüdischen Gemeinden in Hessen zu einem Gespräch über eine Neuausrichtung der Meldestelle eingeladen.
Bei der Neuausrichtung kommt es mir darauf an, dass wir die Zuständigkeit der Meldestelle auf den im Interesse der Opfer notwendigen Bereich beschränken. So ist für mich denkbar, dass wir die Zuständigkeit auf Fälle mit Hessenbezug beschränken. Bei 93% der Meldungen ist dies gegenwärtig nicht der Fall. Es ist aus meiner Sicht fraglich, dass wir hier eine Serviceleistung für ganz Deutschland übernehmen müssen, zumal auch andere Länder entsprechende Angebote haben. Die von der Polizei eingerichtete Online-Wache kann ebenso aktiv eingebunden werden wie Beratungs- und Informationsangebote. Diese und weitere Möglichkeiten werden wir nun prüfen. Mein Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres ein Update der Meldestelle vorzustellen und dabei vor allem auch einen Mehrwert für diejenigen zu erreichen, die in unserem Bundesland von Hass und Hetze betroffen sind.“



Kommentare
Kommt einem verdächtig bekannt vor, oder?
Aber keine Sorge – unsere selbsternannten Muster-Demokraten rufen ja tapfer: „Nie wieder ist jetzt!“
Ironischerweise klingt das inzwischen eher wie eine Bedienungsanleitung.
Nicht, dass ich besonders religiös wäre.
Aber ich bin für gleiches Recht für alle.
Die Verfolgung in diesem System nimmt sehr einseitige Züge an.
Bei der gegenwärtigen Bedrohungslage im Innern finde ich es z.B. absolut richtig, verschwurbelte Gewaltankündigungen und Drohungen zu melden. Wir wissen auch, dass nicht alle noch alle Kerzen auf der Lampe haben, die sich hier ins extreme echauvieren. Also, das ist nicht so schwarz weiß, wie hier manche tun.
Richtig finde ich Posecks Reaktion, Kritik ernst zu nehmen und zu schauen, wie man es besser machen kann. Guter Mann.
Wie schon so oft.
Ihr Beitrag könnte als Hass /Hetz Posting verstanden werden je nach Auslegung auch wenn er 100 mal richtig ist.
In einem Land in dem wir gut und gerne Leben.
Mit einer einer "Meldestelle" wie die, die Minister Poseck glaubt verteidigen zu müssen (weil die Landesregierung damit bundesweit und gar international Spott auf sich gezogen hat?), hat man ein Instrument geschaffen, das offensichtlich die Gefahr birgt, hauptsächlich der Denunziation zu dienen.
Ist der nächste Schritt vielleicht einer literarischen "Anregung" folgend ein Wahrheitsministerium? Werden dann unbequeme Wahrheiten nicht mehr nur inoffiziell sanktioniert?