„Allein in Deutschland gibt es etwa 250.000 Betroffene mit pädophilen Neigungen und hochgerechnet ca. 50.000 Missbrauchsfälle im Jahr. Die Opfer solcher Handlungen leiden ein Leben lang. Solche Taten hinterlassen seelische und körperliche Schäden, die die betroffenen Kinder und Jugendlichen über ihren ganzen Lebensweg schmerzlich begleiten. Jeder ‚Klick‘ auf solche Inhalte sorgt für einen wachsenden Markt, der immer mehr Kinder zu Opfern macht. Eine wirksamere Bekämpfung von Kinderpornographie ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die eine strafschärfende und gleichzeitig eine präventive Dimension haben muss“, so die Justizministerin in ihrer Rede im Bundesrat.
„Für eine stärkere Bekämpfung von Kinderpornographie müssen nicht hinnehmbare Strafbarkeitslücken zeitnah geschlossen werden. Insbesondere bei sogenannten Posing-Bildern im Internet von Kindern und Jugendlichen und der kommerziellen Verbreitung von Kindernacktbildern besteht dringender Handlungsbedarf. Es ist nicht hinnehmbar, dass Bilder von schlafenden Kindern allein aufgrund der fehlenden Handlungsqualität des abgebildeten Geschehens nicht strafbar sein sollen, obwohl die unbedeckten Genitalien den Mittelpunkt des Bildes ausmachen.
Es ist auch nicht hinzunehmen, dass Nacktbilder von Kindern straflos gehandelt und getauscht werden können und Kinder auf diesem Weg – mit langfristigen Folgen für ihre körperliche und seelische Entwicklung – zu Objekten sexueller Begierde degradiert werden“, so die Justizministerin. Das Internet ist längst der größte Tatort der Welt geworden. Die internetbasierte Kriminalität hat dabei hinsichtlich ihres Organisationsgrades und der Quantität eine neue Dimension erreicht. Die konsequente Verfolgung von Kriminalität im Internet bedarf daher auch einer engen Zusammenarbeit von Polizei und Justiz.
Hessen hat als erstes Bundesland mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) eine schlagkräftige Spezialeinheit von Staatsanwälten und Internetfachleuten geschaffen, die selbst ermittelt, Täter verfolgt und Anklagen erarbeitet. Neben einer Stärkung der Strafverfolgung sind gleichzeitig präventive Maßnahmen notwendig. Denn ohne Täter gibt es keine Opfer. Daher gilt es, insbesondere gefährdete Männer zu erreichen und ihnen therapeutische Hilfe anzubieten, bevor sie aufgrund ihrer Neigung Missbrauchstaten an Kindern begehen.
Die Justizministerin verwies auf das bundesweite Forschungs- und Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ der Charité Berlin. Ziel des Projektes ist es, Sexualstraftaten an Kindern sowie den Konsum von Missbrauchsabbildungen bereits im Vorfeld zu verhindern. Auch in Hessen gibt es seit vergangenem Jahr am Universitätsklinikum Marburg-Gießen eine Anlaufstelle für gefährdete Personen. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, im Dezember 2013 auch für Hessen einen Standort des Präventionsnetzwerkes zu gründen“, so die Justizministerin weiter.
„Zur Prävention gehört aber auch, dass Kinder und Jugendliche, aber auch ihre Eltern, stärker für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren und einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesem Medium verinnerlichen“, betonte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann abschließend.


