Es sei ein Skandal, dass der Regionalplanung diese wichtigen Informationen bei der Suche nach Vorrangräumen für den Bau von Windkraftanlagen vorenthalten werden. Der öffentliche Wald sei „Bürgerwald“ und nicht Eigentum des Landesbetriebs. Wenn wertvolle alte Waldbestände beim Bau von Windkraftanlagen geschützt werden sollen, müssten diese den Planungsbehörden bekannt sein, forderte der NABU.
Mit Hinweis auf die Vertraulichkeit von Betriebsdaten lehne der Landesbetrieb die Herausgabe dieser wichtigen Informationen ab, teilten Vertreter der Regionalplanung anlässlich eines Gesprächs mit den Naturschutzverbänden zum Ausbau der Windkraft in Mittelhessen mit.
Alte Laubwaldbestände haben einen hohen Naturschutzwert: Die dicken Baumstämme und zahlreiche Baumhöhlen ermöglichen erst die Besiedlung durch viele verschiedene Tierarten wie Hohltaube, verschiedenen Eulen-, Specht- und Fledermausarten. Gerade Vogelarten, die durch ihr Verhalten durch den zunehmenden Bau von Windkraftanlagen gefährdet sind, wie der Rotmilan und der Schwarzstorch, bauen ihre Horste bevorzugt in alten Laubwald-Beständen. Daher fordert der NABU, den Bau von Windkraftanlagen grundsätzlich nur in Wäldern zuzulassen, die jünger als 140 Jahre sind oder die mit Nadelholz bestockt sind.
Nadelwälder machen in Hessen 43 % des Waldes aus. Konflikte mit dem Artenschutz könnten so leicht von vorneherein vermieden werden. „Wir erwarten, dass Umweltministerin Lucia Puttrich den Landesbetrieb rasch anweist, die erforderlichen Walddaten an die Fachbehörden herauszugeben, damit die staatlichen Stellen fachlich ordentlich arbeiten können“, so Mai. Die NABU-Position zur Windkraft findet sich im Internet unter www.NABU-Hessen.de.
Hintergrundinfo
Der NABU empfiehlt zur Vermeidung von Konflikten bei der Umsetzung der Energiewende Ausschlussgebiete aus Artenschutzgründen zu definieren. Dazu gehören neben den alten Wäldern auch alle EU-Vogelschutzgebiete, die kleiner als 10.000 ha sind, Naturschutzgebiete, überregional bedeutsame Brut- und Rastgebiete europaweit geschützter Arten und überregional bedeutsame Vorkommen kollisionsgefährdeter Fledermausarten.
Dies ersetzt nicht die Einzelfallprüfung beim Bau von Windkraftanlagen außerhalb dieser „Tabu-Bereiche“, erleichtert aber die Bewertung bei der Abwägung verschiedener Interessen bei den Behörden. Seine Vorschläge zur Beschleunigung der Energiewende hat der NABU Hessen bereits im August 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt – ein halbes Jahr vor der Atomkatastrophe von Fukushima (11. März 2011) und der neu eingeläuteten Energiewende. 2011 betrug die Fläche von Buchenbeständen über 140 Jahren in den öffentlichen Wäldern 56.481 ha (Quelle: Kleine Anfrage Bündnis90/Die Grünen, Drucksache 18/5470).



