Denn wenn Starkregen zur Gefahr wird, zählt jede Minute, und jede Schnittstelle muss funktionieren. Um auf solche Lagen vorbereitet zu sein, führte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen und dem Landkreis Gießen eine Stabsrahmenübung im Rahmen des Projekts KLIMPRAX Krisenvorbereitung durch.
In einem realitätsnahen Szenario trainierten die Krisenstäbe der Verwaltungen, sog. Verwaltungsstäbe der Behörden, wie sie bei einem extremen Starkregenereignis schnell, abgestimmt und wirksam reagieren können. Der Fokus lag darauf, Kommunikationswege zu testen, Entscheidungsprozesse zu überprüfen und das Zusammenspiel der beteiligten Stellen zu optimieren. Um zielgerichtet vorgehen zu können, müssen auch die Kaskadeneffekte und gegenseitigen Abhängigkeiten von Betrieben der Kritischen Infrastruktur berücksichtigt werden. Als Partner übte das Landeskommando Hessen der Bundeswehr mit.
„Die Übungen zu Hitze und Dürre waren sehr lehrreich und haben wichtige Impulse gesetzt. Starkregen bringt aufgrund seiner Dynamik jedoch ganz eigene Herausforderungen mit sich. Sie stehen im Mittelpunkt des aktuellen Übungszyklus“, betonte Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des HLNUG. „Die Folgen des Klimawandels können alle Lebensbereiche treffen – von Gesundheit und Verkehr über Logistik und Energieversorgung bis hin zum Bevölkerungsschutz. Umso wichtiger ist es, Verwaltungen und Kritische Infrastrukturen frühzeitig auf komplexe Krisenszenarien vorzubereiten.“
Staatssekretär Michael Ruhl aus dem hessischen Landwirtschafts- und Umweltministerium besuchte die Übungssteuerung in Wiesbaden und fasste zusammen: „Im Krisenfall ist es entscheidend, dass alle Akteure schnell und fachkundig reagieren. Die Stabsrahmenübung ist daher von größter Bedeutung, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Mein Dank gilt allen Beteiligten für ihren erfolgreichen Einsatz und die gute Zusammenarbeit.“
Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich erklärte: „Die Dynamik von Extremwettereignissen und ihre Folgen sind trotz aller technischen Möglichkeiten nie ganz vorhersehbar.“ Umso wichtiger sei es, solche Szenarien immer wieder zu trainieren und sowohl interne Abläufe, als auch die Abstimmungen mit externen Schnittstellen zu optimieren. „Die Stabsrahmenübungen im Projekt KLIMPRAX Krisenvorbereitung helfen uns dabei, Handlungsroutinen zu entwickeln, die bei Ereignissen mit außergewöhnlich hohem Bedarf an Koordination und Entscheidungen von elementarer Bedeutung sind.“
Landrätin Anita Schneider ergänzte: „Der Verwaltungsstab des Landkreises Gießen hat in den vergangenen Jahren mehrfach an der Bewältigung von Krisensituationen gearbeitet. Teilweise überschnitten sich die Lagen dabei, so die Corona-Pandemie, die Energiekrise und der Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine. Gemeinsam mit den Kommunen wurden Synergien in der Gefahrenabwehr geschaffen, auch die Städte und Gemeinden verfügen nun über Verwaltungsstäbe. Übungen sind eine gute Chance, bestehende Strukturen zu überprüfen, zu optimieren und vor allem das Bewusstsein für künftige Krisensituationen zu schärfen.“
Oberst Michael Felten, stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes des Landeskommandos Hessen stellte fest: „Im Szenario ist der Aufmarsch der NATO-Kräfte zur Abschreckung an der Ostflanke integriert. Ein solcher Aufmarsch hätte nur einen Zweck: Die Verhinderung eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen einen unserer NATO-Verbündeten. Neben der nach wie vor möglichen Hilfe der Bundeswehr bei Katastrophenfällen im Inland wird heute auch die Unterstützung der Streitkräfte durch die zivile Seite als eine wesentliche Säule der Gesamtverteidigung mit in die Übung integriert.“
Nächster Schritt: Weitere Übung in Südhessen
Im November 2025 wurde in Nordhessen mit dem Regierungspräsidium Kassel und dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg bereits eine Stabsrahmenübung durchgeführt. Im vierten Quartal 2026 wird das Regierungspräsidium Darmstadt das Starkregen-Szenario mit dem Landkreis Bergstraße trainieren. Der Übungszyklus „Starkregen“ knüpft an die Reihe zu „Hitze und Dürre“ an, die zwischen 2022 und 2024 durchgeführt wurde. In den Übungen wurden Abläufe, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse in einer länger andauernden Dürre-Situation in Kombination mit einer Hitzewelle wie im Jahr 2003 trainiert.
Hintergrund
Im Zuge des Klimawandels werden Extremwetterereignisse auch in Hessen häufiger und heftiger. Das Projekt KLIMPRAX Krisenvorbereitung des Fachzentrum Klimawandel und Anpassung im HLNUG unterstützt daher seit 2022 hessische Verwaltungsstäbe dabei, sich auf klimawandelbedingte Krisenszenarien vorzubereiten. Ziel ist es, Kaskadeneffekte von Extremwetterereignissen frühzeitig zu erkennen, das Zusammenspiel zwischen Behörden zu verbessern und damit die Resilienz Hessens zu stärken. Das Projekt wird von diversen Ministerien und Behörden unterstützt, wie u.a. dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, der Hessischen Landesfeuerwehrschule und dem Deutschen Wetterdienst.


