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Keiler Bier

„MiA für Frauen“: Neues Angebot hat begonnen

„MiA für Frauen“: Neues Angebot hat begonnen

Um Essen und Getränke dreht sich an diesem Vormittag alles. Lebensmittel werden ausgepackt und beschrieben, Brot, Milch, Nudeln, Butter.

Morgenpost

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Die beiden Dozentinnen Grit Vaerst und Anette Enogieru holen eines nach dem anderen aus dem Korb und breiten es auf einem Tisch in der Mitte aus. Auf den Teller, in die Tasse, in die Butterdose. „Wieso Butter-Dose? Das ist keine Dose“, insistiert Zuhörerin. Guter Einwand, findet Anette Enogieru. Es entspinnt sich sofort eine kleine Diskussion, auf Deutsch natürlich, schließlich wollen die Teilnehmerinnen von „MiA für Frauen“, die aus verschiedenen Teilen der Welt stammen, ihre Sprachkenntnisse verbessern. Sie werden auch diese Wörter, die für sie noch Fremdwörter sind, in der späteren Arbeitsstelle benötigen. Der berufsorientierte Unterricht in den Räumen der AQA in Hanau soll eine Basis bieten, damit die Frauen spätestens in einem Dreivierteljahr auf dem Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden.

„MiA“ steht für „Migranten in Arbeit“. Anfang 2015 hatte sich auf Initiative der Ersten Kreisbeigeordneten Susanne Simmler hin ein gleichnamiges Kompetenzteam gegründet, damit Politik, Wirtschaft, Jobvermittler und Bildungseinrichtungen gemeinsam Integrationsmaßnahmen anstoßen. So entstand das Projekt „Migranten in Arbeit“, das sich in  der ersten Auflage an männliche Asylbewerber und Flüchtlinge richtete, mit dem Schwerpunkt handwerkliche Berufe, fachlich betreut durch die Kreishandwerkerschaft Gelnhausen-Schlüchtern. Das Kompetenzteam hat nun für den zweiten MiA-Jahrgang auch speziell ein Kursprogramm für Migrantinnen aufgelegt. Die Teilnehmerinnen werden darin unter anderem auf Berufsfelder des Hotel- und Gaststättengewerbes und in den Bereichen Änderungsschneiderei, Pflege- und Betreuung und Hauswirtschaft vorbereitet.

„Wir konnten jedem Absolventen der ersten Auflage eine berufliche Orientierung geben. Sie sind alle in eine Lehre oder eine weitergehende Qualifizierung vermittelt worden“, erklärt Simmler. „Der Erfolg gibt uns also Recht, ‚MiA‘ weiter auszubauen. Um die Qualifizierung von Frauen zu stärken, haben wir das Programm etwas angepasst. Neben vielen anderen Fertigkeiten sollen die Frauen aber, wie auch die Männer, als Bestandteil der Maßnahme ihre Deutschkenntnisse verbessern. Das ist einfach notwendig, damit die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.“

Deshalb heißt es für die 16 Teilnehmerinnen, die sich täglich in der Hanauer Donaustraße bei der gemeinnützigen Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Ausbildung (AQA) treffen: auf Deutsch kommunizieren. Samira* hat an diesem Vormittag die Aufgabe, ein Kochrezept aus Afghanistan zu präsentieren, „ein Gericht aus meiner Heimat“, berichtet sie. Hin und wieder fehlt ihr eine Vokabel. „Vorsicht, das Essen ist sehr heiß…“, warnt sie. „Du meinst ‚hot‘? Scharf?“ fragt eine weitere Teilnehmerin. „Ja, scharf“, sagt Samira. Und das Wörtchen „scharf“ wird anschließend noch in weiteren vorgestellten Rezepten aus dem Mittleren Osten, Afrika, Asien und Osteuropa auftauchen.

„Die Frauen unterstützen sich gegenseitig und lernen als Gruppe sehr viel. Man kann es nicht anders sagen: Sie sind topmotiviert und haben in den wenigen Wochen seit dem Start auch schon große Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht“, lobt AQA-Geschäftsführerin Helmtrud Abs. „MiA für Frauen“ wird in erster Linie durch die AQA am Standort Hanau betreut. Die Nachfrage überstieg das Kursangebot deutlich, über eine Ausweitung der Kapazitäten auf mittlere Sicht wird bereits nachgedacht. „Wir bereiten die Frauen gezielt für Tätigkeiten vor, bei denen Unternehmer der Region händeringend nach Angestellten suchen“, so Abs. In enger Abstimmung schulen und betreuen die AQA und das Jobcenter des Kommunalen Centers für Arbeit (KCA) die Frauen, damit diese sich selbstständig für Stellen bewerben – sowohl sprachlich als auch fachlich.

Dieser Grundgedanke eint die MiA-Maßnahmen. Die Mitglieder des Kompetenzteams „Migranten in Arbeit“, zu denen neben der AQA und dem KCA noch die Agentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer, die Kreishandwerkerschaften, die Bildungspartner Main-Kinzig sowie die Kreisverwaltung gehören, legen Wert darauf, dass die Menschen ihr Leben selbst bestimmen können. Darauf werden sie gezielt vorbereitet: „Wir sind fokussiert darauf, allen MiA-Teilnehmerinnen und –Teilnehmern den Übergang ins Berufsleben zu erleichtern“, fasst es die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler zusammen. Daher steht in den letzten Wochen der Qualifizierung ein Praktikum auf dem Programm. Zuvor sollen bereits die Weichen gestellt werden für eine anschließende Ausbildung oder Anstellung.

„Wir sind in der beruflichen Integration in unserer Region gut vorangekommen, weil wir früh genug viele Akteure zusammengebracht und gemeinsam solche Projekte ausprobiert haben“, erklärt Simmler mit Blick auf die Anfänge des Kompetenzteams. Die neuen Integrationsangebote hätten sich bewährt, darunter auch „MiA“ als erfolgreiche Maßnahme aller beteiligten Institutionen. „Unser Erfolg ist es, wenn die Teilnehmer nach ‚MiA‘ beruflich Erfolg haben.“

*Name geändert

Fotos: Gemeinsam lernen, gemeinsam Fortschritte machen: Seit kurzem erhalten MiA-Teilnehmerinnen in den Räumen der AQA das nötige Rüstzeug für den Arbeitsmarkt. Dazu zählen auch Elemente des Sprachunterrichts.

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