Nun sind die Bilder nach langer Abwesenheit endlich wieder zu sehen.
Das Bergwinkelmuseum Schlüchtern präsentiert die Serie mit insgesamt 28 Werken ab dem kommenden Sonntag, 14. Dezember, in einer Sonderausstellung unter dem Titel „Fragile Freiheit – Europas Hymnen in Bildern“ (siehe Kasten). 2016 hatte die Stadt die Werke erworben.
Durch den Umbau des Museums und der damit verbundenen Schaffung des Sonderausstellungsraums war die ursprünglich angedachte Dauerausstellung der Hymnen-Bilder weggefallen. Nun werden die Werke, die seither im Depot des Museums auf ihren erneuten Auftritt warteten, in jenem Raum präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei weitere Werke Obländers: ein großformatiges Werk mit dem Titel „Europa und ihre Kinder“ sowie eine Skulptur, die einen König darstellt.
„Die Idee, die Texte der Nationalhymnen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu illustrieren, erschien mir anfangs als ganz harmlos. Im weiteren Verlauf entwickelte die Arbeit sich aber zu einem spannenden Ritt durch die europäische Geschichte“, berichtet Dorle Obländer in einem einst von ihr verfassten Begleittext zur Bilderserie. Tatsächlich beschäftigte sich die Künstlerin oftmals auf humoristische Weise mit den jeweiligen Nationalhymnen und interpretierte sie bewusst so, wie sie wohl ursprünglich nicht gemeint waren. Auf dem Bild zu Österreichs Hymne, in der von „großen Söhnen und Töchtern“ die Rede ist, umarmen so zwei erwachsene Menschen die Beine eines übergroßen Babys. Gott höchstselbst, der laut der maltesischen Hymne nie vergessen soll, wie schön er das Land gemacht hat, bastelt wiederum die Stadtansicht von Maltas Hauptstadt Valletta mit einer Klebetube zusammen. Jedes Bild ist mit dem jeweiligen Text der Hymne versehen, sodass die Besucherinnen und Besucher die Idee hinter Obländers Werken leicht nachvollziehen oder auch neu interpretieren können.
So erscheinen die Bilder auf den ersten Blick völlig verschieden. Bei näherem Betrachten sind jedoch einige Gemeinsamkeiten zu erkennen: Die Darstellungen sind in kräftigen Farben gestaltet und haben dasselbe quadratische Format. Doch auch inhaltlich gibt es Überschneidungen. Viele Länder ehren in ihren Hymnen Königinnen und Könige oder äußern sich gottesfürchtig. Eines haben alle Nationalhymnen und damit auch Obländers Bilder jedoch allesamt gemeinsam: den Wunsch nach Freiheit, die in der aktuellen Zeit vielerorts sehr fragil erscheint. Diesen Wunsch drücken sie nun im Sonderausstellungsraum des Bergwinkelmuseums Schlüchtern aus – farbenfroh und immer mit einem gewissen Humor.
Die Sonderausstellung „Fragile Freiheit – Europas Hymnen in Bildern“ von Dorle Obländer wird am Sonntag, 14. Dezember, 14 Uhr, mit einer Vernissage im Bergwinkelmuseum Schlüchtern, Schloßstraße 15, eröffnet. Die Ausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten (jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 16 bis 20 Uhr sowie jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 11 bis 15 Uhr) zu sehen. Die Öffnungstage im noch laufenden Jahr 2025 sind am Donnerstag, 18., und am Sonntag, 21. Dezember.
Dorle Obländer, geboren 1947 in Hannover, war nach ihrem Studium der Bildenden Kunst und Kunstpädagogik als Studienrätin unter anderem am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium Schlüchtern sowie als freie Bildhauerin tätig und engagierte sich jahrelang im „Kulturwerk Bergwinkel“. 2005 erhielt sie für ihre künstlerische Tätigkeit den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises. Obländer starb 2016 nach schwerer Krankheit.
Blick in die Sonderausstellung „Fragile Freiheit – Europas Hymnen in Bildern“, die am Sonntag, 14. Dezember, eröffnet wird. Foto: Stadt Schlüchtern
Platz nehmen vor Europa und „ihren“ Kindern: Das ist dank des blauen Sofas im Sonderausstellungsraum des Bergwinkelmuseums möglich. Foto: Stadt Schlüchtern
Künstlerin Dorle Obländer stellt die Hymnen Europas durchaus humoristisch dar. Hier zu sehen: Gott höchstselbst, der die maltesische Hauptstadt Valletta bastelt. Foto: Stadt Schlüchtern
Für die Darstellung der Nationalhymne Finnlands hat sich Dorle Obländer von einer finnischen Briefmarke inspirieren lassen. Foto: Stadt Schlüchtern
Künstlerin Dorle Obländer. Foto: privat








