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Parallelen zu heutigen Fluchtbewegungen

Parallelen zu heutigen Fluchtbewegungen

Die Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert ist Thema einer Ausstellung im Main-Kinzig-Forum, die am Dienstag, 9. Mai, um 17 Uhr eröffnet wird.

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Der Main-Kinzig-Kreis präsentiert gemeinsam mit den Bildungspartnern Main-Kinzig, dem Zentrum für Regionalgeschichte und dem Landesverband Hessen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge „Geflohen, vertrieben – angekommen?!“, die aktuelle Wanderausstellung des Volksbundes.

Eröffnet wird die Ausstellung im Bürgerportal durch Landrat Erich Pipa in seiner Funktion als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und Staatsminister a.D. Karl Starzacher als hessischer Landesvorsitzender des Volksbundes. Den musikalischen Rahmen gestalten die Jazzmusiker Kai Picker (Gitarre) und Harry Wenz (Kontrabass).

„Das Thema Flucht und Vertreibung hat in den vergangenen Monaten auch bei uns eine Aktualität erfahren, die lange nicht vorstellbar gewesen ist“, erklärt Pipa. Tausende Menschen erreichten täglich die Europäische Union, Flüchtlinge und Vertriebene aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, aber auch aus Afrika und Südosteuropa suchten Schutz und menschenwürdige Lebensperspektiven. Sie fanden unter anderem im Main-Kinzig-Kreis eine neue Heimat.

Die Ausstellung lässt sich von den Fragestellungen der gegenwärtigen Flüchtlingsströme leiten, wobei die historisch-politischen Hintergründe des Themas den Bezugsrahmen abbilden. Ziel der Ausstellung ist es, die Erinnerung an die Ereignisse der Flucht und Vertreibung der Deutschen von 1933 (zum Beispiel politische Emigranten und deutsche Juden) bis 1945/46 (darunter Schlesier und Ostpreußen) in einer europäischen Perspektive zu beleben. Dabei soll aufgezeigt werden, wie Mechanismen der Gewaltmigration funktionieren, aber auch, wie die Opfer dort, wo sie ankommen, mit ihrer neuen Situation zurechtgekommen sind.

„Flucht und Vertreibung hat viele Gesichter. Sowohl für die Vertriebenen als auch für die aufnehmenden Länder bedeutet Integration eine große Herausforderung, in den Städten und Gemeinden, am Arbeitsplatz, in den Schulen und im ganz normalen Alltag“, so Pipa. Zwischen heutigen und früheren Bewegungen ließen sich durchaus mehrere Parallelen ziehen. So erinnerten nicht zuletzt Bilder in den Medien an die Trecks der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg: „Wir reden über Menschen, die ihre Heimat aus Angst vor Gewalt und Elend verlassen mussten und die oft nicht mehr besaßen, als sie am Leibe trugen. Viele von ihnen hatten ihre Angehörigen verloren oder waren vom Krieg traumatisiert. Das war vor über 70 Jahren so und ist heute nicht viel anders.“

In Kooperation mit dem Zentrum für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises ist ein ergänzender Ausstellungsteil entstanden, der die Situation von zwischen 1947 und 1949 im Altkreis Gelnhausen angekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen darstellt. Diese waren mit Flüchtlingstransporten in provisorische Lager wie der Wegscheide Bad Orb gebracht und später beispielsweise in Lettgenbrunn neu angesiedelt worden. Geschichten einiger dieser Neubürger erzählen Archivdokumente und originale Exponate.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Bürgerportals zu besichtigen, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 14 Uhr, Barbarossastraße 24, in Gelnhausen zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Foto: Das Zentrum für Regionalgeschichte wird mit eigenem Archivmaterial die Ausstellung ergänzen, darunter Kontrollausweise der 1946 im Lager Wegscheide aufgenommenen Flüchtlinge, ein Fotoalbum von 1952 an Landrat Kreß als Dankesgeschenk der in Lettgenbrunn angesiedelten Neubürger sowie eine Ehrenbürgerurkunde von Lettgenbrunn an Kreß (von links).

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