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Extreme Hitzewellen: „Das Siebenfache an hitzebedingten Einsätzen“

Extreme Hitzewellen: „Das Siebenfache an hitzebedingten Einsätzen“
Für die Integrierte Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises und den Rettungsdienst im Main-Kinzig-Kreis gab es im Juni mit den steigenden Temperaturen auch nahezu täglich mehr Einsätze.

Die zunehmenden Hitzewellen der vergangenen Jahre zeigen immer deutlicher, dass extreme Temperaturen nicht nur eine Belastung für die Bevölkerung, sondern auch für das Gesundheitswesen und insbesondere den Rettungsdienst darstellen. Das zeigte sich jüngst während der extrem heißen Tage im Juni, als die Temperaturen in vielen Regionen Deutschlands über mehrere Tage hinweg deutlich über 30 Grad und sogar 40 Grad lagen und in den „tropischen Nächten“ nicht unter 20 Grad sanken.

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„Die Folge waren auch im Main-Kinzig-Kreis deutlich steigende Einsatzzahlen, insbesondere aufgrund von Kreislaufproblemen, zu wenig Flüssigkeitszufuhr, hitzebedingter Erschöpfung und der Verschlechterung bestehender Vorerkrankungen“, berichtet Dr. Wolfgang Lenz, Leiter des Amts für Gesundheit und Gefahrenabwehr im Main-Kinzig-Kreis.

Für die Integrierte Leitstelle des Main-Kinzig-Kreises und den Rettungsdienst im Main-Kinzig-Kreis gab es im Juni mit den steigenden Temperaturen auch nahezu täglich mehr Einsätze. An den beiden Tagen des letzten Juni-Wochenendes, mit Höchsttemperaturen um die 40 Grad, rückte der Rettungsdienst mehr als 150 Mal alleine hitzebedingt aus. In der zweiten Hälfte des Monats Juni mussten alleine rund 70 Fälle registriert werden, in denen die Hilfe zu spät kam. Oft handelte es sich um Menschen mit kollabiertem Kreislauf und Herzstillstand, die der Rettungsdienst erfolglos zu reanimieren versucht hat oder die schon verstorben in ihrer Wohnung aufgefunden wurden.

„Wenn wir uns den sogenannten Hitzedom im Juni betrachten, dann sprechen wir etwa vom Siebenfachen an hitzebedingten Einsätzen und dem Drei- bis Vierfachen an Sterbefällen im Rettungsdienst, verglichen mit Sommertagen mit Temperaturen um die 24 oder 25 Grad. Das bringt Leitstellen und Rettungskräfte gleichermaßen an ihre Kapazitätsgrenzen“, erklärt Wolfgang Lenz. Das wirkt sich auch auf das Arbeitsaufkommen in der Leitstelle aus. Wo die Disponenten „am anderen Ende“ des Notrufs sonst üblicherweise 260 bis 290 rettungsdienstliche Einsätze binnen 24 Stunden bearbeiten, waren es im Juni in der Spitze 385.

Wie in benachbarten Kreisen und Städten auch hat der Main-Kinzig-Kreis zusätzliche Rettungsmittel in Dienst genommen, insbesondere Unterstützung aus der ehrenamtlichen Rettungsdienstverstärkung hinzugezogen, Schichtdienste in der Leitstelle angepasst und weiteres Personal außerplanmäßig eingesetzt, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen übernahmen Dienste, besetzten Reservefahrzeuge oder wirkten bei Sanitätsdiensten und der Absicherung von Veranstaltungen mit. Gleichzeitig zeigte sich erneut die große Bedeutung der überörtlichen Zusammenarbeit: Kreise und Städte unterstützten sich gegenseitig mit Fahrzeugen, Personal und organisatorischer Hilfe, wenn die Belastung vor Ort besonders hoch war. So konnte der Main-Kinzig-Kreis mit seinen Teams die Stadt Frankfurt zeitweise mit unterstützen.

„Die medizinische Versorgung ist trotz der außergewöhnlichen Belastung sichergestellt gewesen, auch wenn es für die Frauen und Männer im Rettungsdienst draußen eine große Anstrengung war. Sie haben die körperliche Arbeit ja bei den gleichen Temperaturen geleistet, denen auch die Patientinnen und Patienten ausgesetzt waren“, sagt Landrat Thorsten Stolz (SPD). „Wir haben als Bürger eine Mitverantwortung, den medizinischen Bereich da, wo es geht, zu entlasten, nämlich indem wir uns an den heißen Tagen selbst besser schützen.“

Ein entscheidender Beitrag zur Entlastung der Rettungsdienste und Notaufnahmen liegt im Verhalten jedes Einzelnen. Viele hitzebedingte Notfälle lassen sich durch einfache Schutzmaßnahmen vermeiden. Dazu gehören ausreichendes Trinken, das Meiden körperlicher Anstrengungen während der heißesten Tageszeit, der Aufenthalt in kühlen oder schattigen Bereichen, das Tragen leichter Kleidung sowie ein besonderer Blick auf ältere Menschen, chronisch Erkrankte und kleine Kinder. Wer Warnhinweise ernst nimmt und auf erste Anzeichen einer Überhitzung rechtzeitig reagiert, schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern trägt auch dazu bei, unnötige Rettungsdiensteinsätze zu vermeiden. „Wer Hilfe braucht, bekommt Hilfe. Wer bestimmte Verhaltensregeln bei großer Hitze konsequent beachtet, kommt im besten Falle erst gar nicht in eine entsprechende Notlage. Das verschafft dem Rettungsdienst Entlastung, um mit seinen regulären Kräften all die Einsätze zu schaffen, die ja abseits der Hitze auch noch anfallen“, so Stolz. 

Die Erfahrungen des Sommers zeigen nach Ansicht von Landrat Stolz zugleich, dass sich die Gesellschaft und Kommunen zunehmend auf die Herausforderungen heißer Sommer einstellen müssen. Der Main-Kinzig-Kreis hat beispielsweise einen Hitzeaktionsplan verabschiedet, der von der Informationsarbeit bis hin zum engen Austausch mit dem Pflege-, Gesundheits- und anderen Bereichen und der dezentralen Organisation von kühlenden Bereichen in den Städten und Gemeinden eine Vielzahl von Maßnahmen beinhaltet. Dazu zählt auch das erneut stark nachgefragte Hitzetelefon des Main-Kinzig-Kreises. Viele weitere Informationen finden sich geballt auf der Internetseite des Kreises, www.mkk.de („Hitzeschutz“). Zudem bieten die Rathäuser vor Ort Informationen und Hinweise, wo und wie man sich Abkühlung verschaffen kann. „Die Bürgerinnen und Bürger werden sich der gesundheitlichen Risiken extremer Hitze immer stärker bewusst. Die Entwicklung der vergangenen Jahre macht deutlich, dass das eben auch wichtig und wiederkehrendes Thema ist. Der Umgang mit Hitzewellen ist zu einer gemeinsamen Aufgabe geworden“, so Stolz.

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