Faulheit oder Trägheit zählt in der christlichen Theologie zu den sieben Hauptlastern, den „Wurzeln“ von lässlichen Sünden oder Todsünden. Ausdruck dieser Einschätzung ist das Sprichwort „Müßiggang ist aller Laster Anfang“. Nach christlicher Überlieferung sind die sieben Todsünden Neid, Völlerei, Gier, Wollust, Hochmut, Trägheit und Zorn.
Müßiggang benennt aber auch das Aufsuchen der „Muße“, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, gemeint sind nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder die körperlichen Belastungen, also die freie Zeit und innere Ruhe, in der man seinen eigenen Interessen nachgehen kann. Geht auch mit geistigen Genüssen oder leichten vergnüglichen Tätigkeiten einher, kann jedoch auch das reine Nichtstun bedeuten. Das ist eine meiner Lieblingsdisziplinen, denen ich mich ergebe. Man könnte es auch Tagträumen nennen. Aber Achtung: Wie im richtigen Leben, kommt es auf die Dosierung an. Zuviel tut auch nicht gut. Ja, es soll guttun und lange Weile vertreiben. Langweile ist für mich aber ein Fremdwort. Es gibt immer was zu tun und wenn es nur Ruhen ist. Denn bedenke: In der Ruhe liegt die Kraft!
Mir wurde der Spruch, wenn überhaupt, vorgesetzt, wenn ich mich gerade in einer Ruhephase der absoluten Entspannung befand. Ziel des Gegenübers war es zweifelslos, mich an meine Pflichten zu erinnern. Oft lagen dabei noch nicht gemachte oder abgeschlossenen Arbeiten vor dem Auge des Betrachters. Dabei spielen die Wertigkeit und Wichtigkeit einer Sache im Auge des Betrachters eine wichtige Triebfeder. Wahrscheinlich war ihm der Anblick eines nichts Tuenden zuwider. Vielleicht fühlte er sich auch benachteiligt, in der Art, dass er ja nicht ruhte oder ruhen konnte. Nachgeben ist dabei eine kluge Option. Sie hat die anschließende wiederkehrende Ruhe zur Folge. Sich auf die Hinterfüße zu stellen und auf Selbstbestimmung zu pochen, hat die Austragung eines offenen Konfliktes zur Folge. Was wieder Unruhe zur Folge haben kann, also den Genuss des Genießens stört und schlimmstenfalls zerstört. Abwägen ist angesagt. Reden ist Pflicht. Nachgeben ist, wie bereits gesagt, klug und bewahrt den häuslichen Frieden. Wer das nicht kann, muss sein Dasein allein Fristen. So einfach ist das.
Müßiggang ist aller Laster Anfang, nicht, wenn ich vorher meine Pflichten erledigt habe, so sehe ich das. Wir haben nicht nur Rechte. Jeder hat in unserer Gesellschaft, wenn sie denn funktionieren soll, Verpflichtungen, denen er nachkommen muss. Meine ist nun schon in der achten Woche daheim zu bleiben. Der komme ich gerne nach und warte auf bessere Zeiten. Derweil pflege ich meinen Müßiggang. Bleibt bitte gesund! Ei Gude, wie!
Zum Autor
Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: helmut.mueller@vorsprung-online.de


